Feb 112013
 

Zweimal im Wochenabstand hat Günther Jauch das Thema Katholische Kirche in seiner Sendung gehabt. Den thematischen Anlässen gilt mein Zwischenruf nicht. Dazu hat heute Morgen zum Beispiel in FAZ Online Frank Lübberding Treffendes und Treffliches geschrieben. Ich wende mich vielmehr der Zurückhaltung des EKD-Ratspräsidenten Nikolaus Schneider zu. Er vertrat “den” Protestantismus in der Runde. Seine Loyalitätsadresse (so muss man es ja wohl nennen) an den katholischen “Partner” ist mir unangenehm aufgestoßen. Wenn ein Protestant nicht mehr zu dem aktuellen Zustand des Katholizismus zu sagen hat, dann ist das recht erbärmlich. Höflichkeit in allen Ehren, aber ein klarer Standpunkt hätte in der Runde durchaus vertreten werden dürfen. Vielleicht fühlt sich der EKD-Ratspräsident aber ebenfalls viel zu sehr in der Defensive seines Glaubens, als dass er gegenüber diesem Katholizismus noch aufzumucken wagte.

Jauch

Jauch

Es sei nur daran erinnert, dass sich das Wort “Protestant” vom Protest, vom Widerstand der “Evangelischen” Reichsstände gegen die katholische Mehrheit auf dem zweiten Reichstag in Speyer 1529 herleitet. Kaiser Karl V. hatte hier den aufweichenden Beschluss des ersten Speyrer Reichstages bezüglich des Wormser Edikts (1521, Reichsacht über Martin Luther) durch eine harte, konservative Regelung rückgängig machen wollen. Dagegen protestierten die evangelischen Fürsten und Reichsstädte. Das war die Geburtsstunde zumindest der Bezeichnung “Protestanten”. Der Sache nach traf das aber viel tiefgründiger. Aus unterschiedlichsten Interessen heraus hatten sich der Reformator Martin Luther mit seinen Anhängern und eine Reihe von Reichsfürsten und freien Reichsstädten gegen die katholische Mehrheit verbündet. Man lese Einzelheiten dazu an geeigneter Stelle nach (Wikipedia zum Beispiel). Es hatte dem theologisch und biblisch begründeten Widerstand Luthers gegen den herrschenden römischen Katholizismus eine wirkungsvolle politische Basis verliehen. Aus dem “kleinen Mönchlein” aus Erfurt bzw. Wittenberg war eine machtpolitische Größe geworden, ohne die die Entstehung des Protestantismus und der protestantischen (Landes-) Kirchen nicht möglich gewesen wäre. Ohne hier auf die kontrovers diskutierten verwickelten geschichtlichen Verhältnisse und Prozesse der “Reformationszeit” eingehen zu können bzw. zu wollen, kann man doch so viel sagen: Keimzelle des Protestantismus war das Aufbegehren, der innerkirchliche und dann sogar machtpolitische Widerstand gegen eine als verrottet und unreformierbar erlebte römisch-katholische Kirche.

Nun, damit sind wir bei allen Unterschieden der heutigen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, in denen sich Katholizismus und Protestantismus arrangieren, gar nicht so weit von der Zeit vor 500 Jahren entfernt. Heute deutlicher als noch vor wenigen Jahrzehnten wird die Katholische Kirche in großen Teilen als ein moralisch verrottetes, konservativ verknöchertes, offenbar dem puren Selbsterhalt der kirchlichen Macht alter Männer dienendes System sichtbar. Wahrlich ein Anlass zu “Protestation” und Widerstand! Die faktische Bedeutungslosigkeit und Selbstüberschätzung der katholischen Amtsträger beschreibt Lübberding sehr zutreffend: “Im Grunde nimmt man ihn [den kath Klerus] nur noch ernst, weil er halt noch da ist.” Offenbar sind heute Journalisten und Medienleute die besseren und sachgerechteren “Protestanten”. Den Auftritt von Nikolaus Schneider empfand ich als “Protestant” nur als peinlich berührendes Wegducken. So kann man auch als Protestant heute keinen Blumentopf gewinnen.

Der Protestantismus wollte bei seinem Aufbruch die “bessere” christlich-kirchliche Alternative sein. Ob ihm das in knapp 500 Jahren gelungen ist, mag man mit Fug und Recht bezweifeln. Zumindest war er aber oft genug der Stachel im Fleisch einer saturierten und strukturell erstarrten Christenheit, wie sie sich im zumal deutschen Katholizismus zeigte und zeigt. Es wäre an der Zeit, gerade auch im Blick auf das 2017 anstehende Reformationsjubiläum, als Protestant christlich und kirchlich, freiheitlich und persönlich (auch personell!) “klare Kante” zu zeigen, insbesondere gegenüber dem morbiden römischen Katholizismus. Unsere Gesellschaft hätte das durchaus nötig, das heutige Christentum sowieso. Den typischen Katholizismus, zu allerletzt den eines Martin Lohmann, haben sie, haben wir aber wirklich nicht verdient.

 

UPDATE 13:00h

Mein Zwischenruf wird von der Wirklichkeit überholt: Papst will zurücktreten
http://www.n-tv.de/panorama/Papst-Benedikt-XVI-gibt-Pontifikat-auf-article10098531.html

 11. Februar 2013  Posted by at 11:50 Katholisch, Kirchen, Protestantismus Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert
Mai 012012
 
Walpurgisnacht und Hexenverfolgung, zwei Themen, die eng zusammen gehören und zeigen, dass die Kirchen ihre Schularbeiten in Sachen Bewältigung schuldvoller Vergangenheit immer noch nicht gemacht haben.

Die Nacht zum 1. Mai, “Walpurgisnacht”, ist dieses Jahr offenbar in den Großstädten friedlich abgelaufen. Sehr erfreulich, denn ausgelassenes Feiern war von jeher ein Kennzeichen der Walpurgisnächte und den losen und frivolen Tagen des Monats Mai. Erst die kirchliche Verdammung und Verleumdung dieser Frühlingsfeiern als “Hexensabbat” hat die negative Bewertung begründet. Und in den vergangenen Jahren kam in den einschlägig bekannten Stadtvierteln der ideologische Missbrauch mit der Lust zum Krawallmachen hinzu.

Interessant ist der ausführliche Beitrag in Welt Online zur Erklärung der Herkunft des “Hexensabbat”. Das Kapitel Hexen und Hexenverfolgung gehört nun wahrlich nicht zum Ruhmesblatt der Kirchengeschichte, dabei lassen sich die Bräuche der keltisch-germanischen Walpurgisnächte ohne weiteres mit den klerikalen Usancen zu Fronleichnam vergleichen: Über Glaube und Aberglaube entscheidet bekanntlich nur der sachlich nicht aufzuklärende eigene Standpunkt.

Wie wenig sich die Kirchen mit der Skandalgeschichte der Hexenverfolgung auseinander gesetzt haben, zeigt ein kurzer Blick auf die offiziellen Webseiten: Bei der Suche auf der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz findet sich zum Begriff “Hexenverfolgung” nur ein Eintrag: In einer Predigt vom 23.09.2004 vertrat Erzbischof Schick die Ansicht, dass der Kritiker nur “die Hexenverfolgungen kennt – und das noch einseitig – und nichts von den Segnungen des Christentums und der Kirche im Schul- und Erziehungswesen, im Krankenhaus- und Sozialwesen, bei der Formulierung und Inkraftsetzung der Menschenrechte weiß?” Ja, zu dumm, dass man über die Hexenverfolgungen nur “einseitig” informiert wird. Übrigens ist es falsch, diese Verfolgungen ins “finstere Mittelalter” zu verlegen. Sie geschahen im Zeitalter der Barock, im 17 bis ins 18. Jahrhundert hinein, also schon mitten in der glorreichen Neuzeit.

Auf den Webseiten der Evangelischen Kirche (EKD) finden sich zum Suchbegriff “Hexenverfolgung” vierundzwanzig Einträge zu jüngeren Texten, die sich mit der (selbst)kritischen Aufarbeitung der Hexenverfolgung befassen. Immerhin, denn dieser Hexenwahn wurde auch von evangelischen Geistlichen befördert. Noch radikaler geht die Berner Pfarrerin Renate von Ballmoos mit der Walpurgisnacht um, wenn sie in diesem Jahr mit einer Kollegin dazu aufruft, die Walpurgisnacht als Fest der Frauen und der Lebensfreude zu feiern und es so begründet:

“Die Walpurgisnacht ist ein Fest, an dem man traditionellerweise die weibliche Kraft feierte. Dabei geht es um Fruchtbarkeit, Sexualität und Lebensfreude, was in jeder patriarchalisch geprägten Religion verpönt war. Deshalb ist die Walpurgisnacht, oder Beltane wie das Fest bei den Kelten hiess, auch das einzige der acht Jahreskreisfeste, das die Kirche nicht übernommen hat.”

Ja ihr Lieben, das hat was! Das unterscheidet sich wohltuend von dem etwas gequälten Umgang mit Walpurgis und Lebensfreude und Fruchtbarkeit, das noch der frühere EKD-Bischof Huber an den Tag legt, wenn er in seinen Gedanken zum 1. Mai  2007 erklärte:

“Erich Kästner nennt den Mai den „Maler des Kalenders“; denn kein anderer Monat hält schönere Farben bereit. Manche verbrämen den „Tanz in den Mai“ zu einer pseudoreligiösen „Walpurgisnacht“-Party. Als ob sie die hellen Farben des Frühlings nicht aushalten könnten!”

So schnell kommt der Klerikale nicht aus seiner weltfremden und sexfeindlichen Haut, auch nicht auf protestantischer Seite, obwohl man es hier besser wissen müsste, was das Symbol der “Fleischwerdung ” auch bedeuten könnte, siehe Frau von Ballmoos. Da kommt der frauenfeindliche Katholizismus natürlich nicht mit, der sich nach wie vor schwer tut, seine eigenen pädophilen Priester in Zaum zu halten. Gerade erst wurde wieder ein Bamberger Domkapitular, also ein höherer katholischer Amtsträger, wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen von einem Kirchengericht (!) in den Ruhestand versetzt. Warum eigentlich Kirchengericht und nicht ziviles Gericht? Ach ja, in Bayern ticken die Uhren immer noch anders – kerikal verstellt.

Es ist sehr zu unterstreichen, was der eingangs zitierte Welt-Artikel von Claudia Becker eindrucksvoll beschreibt:

“Was die verschiedenen Bürgerinitiativen und Vereine aber von den Kommunen und Kirchen verlangen, ist die Ehrenrettung der Frauen und Männer, die der Verfolgung zum Opfer gefallen sind. 1996 machte die hessische Stadt Idstein den Anfang. Eine Gedenktafel wurde am Hexenturm angebracht, bei einem ökumenischen Gottesdienst bekannte die Kirche, dass hier großes Unrecht geschehen war. … Ein Stein, das ist vielen Kämpfern für die Ehrenrettung der vermeintlichen Hexen nicht genug. Zu ihnen gehört der evangelische Theologe Hartmut Hegeler. Der pensionierte Pfarrer aus Unna, Gründer des “Arbeitskreises Hexenprozesse”, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren mit Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen für das Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung.”

Das wäre ein angemessenes Thema für kirchliche Gedanken zur Walpurgisnacht!

 1. Mai 2012  Posted by at 10:35 Hexenwahn, Katholisch, Missbrauch, Protestantismus, Sexualität, Zivilgesellschaft Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert
Nov 072011
 

Bemerkungen zur diesjährigen EKD-Tagung

Die diesjährige Tagung der Synode (Vollversammlung) der EKD in Magdeburg wurde medial recht randständig wahrgenommen, Präses Schneider ist doch kein Ersatz für den beliebten Superstar Käßmann. Aber das tut der Synodaltagung nur gut, auch in den Medien konnte darum mehr über die Sachthemen berichtet werden. Ausführliches findet man dazu natürlich nicht so sehr in den überregionalen Tageszeitungen als auf den EKD-Seiten im Internet oder auf dem guten Portal EVANGELISCH.

Dass man sich inzwischen ernsthaft Gedanken macht über die Zukunft der evangelischen Christenheit angesichts der Religionslosigkeit der säkularen Gesellschaft und angesichts der demographischen Entwicklung, ist auch überfällig – und zwar Gedanken, die endlich einmal den Rahmen der traditionellen Antworten sprengen. Dazu gehört für mich das Interview mit dem Hannoverschen Landesbischof Rolf Meister mit idea. Meister vertritt einen Protestantismus des freien Angebotes, ‘was den Menschen gut tut’, verbunden mit der Offenheit für neue Formen des Evangelischen, eben einen selbstbewussten Protestantismus – sehr erfrischend. “Es gibt in unserer Gesellschaft ein verändertes religiöses Wahlverhalten. Die Religion wird nicht mehr so einfach vom Elternhaus geerbt, sondern individuell ausgesucht.” Darauf gilt es sich einzustellen.

Auch die Äußerungen zum Thema Mission, vom Stichwort her eher altertümlich und konservativ klingend, könnten mutig und sich öffnend klingen, wenn man dafür den Vortrag des Missionsexperten Hans-Herrman Pompe heran zieht: “Kirchen müssen sich für mehr Gruppen öffnen.” In der Tat, das ist für den Protestantismus lange überfällig. Wie sagte er treffend? “Eine Kirche, in der 200 Zuschauer am Rand sitzen und dem Pfarrer als einzigem Feldspieler zusehen, hat keine Zukunft.” Auch sein Hinweis auf die eher am traditionell bürgerlichen Rahmen orientierte Kirchenmusik, die am “spaß- und erlebnisorientierten Konfirmanden” völlig vorbei geht, ist zutreffend beobachtet. Hier liegen Chancen, die man nur ergreifen – , die man nur wollen muss.

Neue Formen erprobte offenbar auch die Synode als Vollversammlung mit 160 Mitgliedern plus Gästen. Im “Weltcafé” (warum musste man es auch “world café” nennen?) sprang man über den Schatten einer nur frontal operierenden Versammlung und erprobte offenbar mit viel Anklang das offene, thematisch strukturierte Gespräch in Gruppen. Der Bericht darüber stimmt sehr positiv. “Ich hatte den Eindruck, dass konzentriert und intensiv diskutiert wurde”, freute sich Synoden-Prässes Katrin Göring-Eckardt. Allerdings: Sie fühlte sich befangen in Sachen Weltcafé, denn “da fragen sie die, die es gewollt hat”.

Zwei Bemerkungen muss ich noch zum Bericht des Vorsitzenden der EKD, Präses Nikolaus Schneider, machen. In seinen Worten klang noch viel vom sattsam bekannten Klischee “evangelisch” durch einschließlich der moralischen Entrüstung über alles Böse in der Welt, besonders der Finanzwelt. Wenn er aber das Papstwort von Erfurt aufnehmend formuliert, die Gottesfrage sei die „Kernfrage reformatorischen Glaubens“, dann liegt er genau falsch und lässt sich dies Thema vom Papst vorgeben. Reformatorisch ist es eben nicht die abstrakte “Gottesfrage”, die dann hierarchisch-klerikal zu beantworten wäre, sondern die Frage nach Gott ist immer zugleich verbunden mit der Frage nach dem Menschen, nach dem rechten Menschsein in Freiheit und Dienst. Das weiß dann auch Schneider, wenn er fortfährt:  „Für die Evangelische Kirche in Deutschland ist es unverzichtbar, mit den Menschen nach Gott zu fragen, nicht an ihnen vorbei oder gar ohne sie. Und mit den Menschen – mit Frauen und Männern, mit Laien und Theologen, mit Bischöfinnen und Synoden – nach konkreten Antworten auf Gottes Wort in der Welt zu suchen.“ Das ist noch etwas dünn, geht aber in die richtige Richtung. Wer nach Gott fragt, fragt nach dem Menschen – und umgekehrt; eins lässt sich vom anderen nicht trennen (Luther). Hier gilt es wahrlich, selbstbewusst zu sein!

Darum ist auch der Rekurs auf die Ängste des Menschen, die Religion nötig machten, viel zu kurz gegriffen; das erneuert nur die alten Lückenbüßer-Argumente: „Gott befreit uns aus Angst, Verzagtheit, falschen Abhängigkeiten.” (Katrin Göring-Eckardt), und auch Schneider stößt in dieses Horn: “Es braucht eine Antwort des Glaubens, die auf die tiefen Verlusterfahrungen und Ängste zu antworten weiß”. Nein, nein, das ist zu wenig, denn da kann auch ebenso gut der Psychologe helfen. “Evangelisch” hat mehr zu bieten: ein positives, freies, vernünftiges Verständnis vom Menschen, seinen Chancen und Möglichkeiten, in guter Zuversicht zu leben, und eben dies als eigentliches “Gottesverhältnis”, als seinen “Gottesdienst” zu verstehen.

 7. November 2011  Posted by at 10:32 evangelisch, Kirchen, Protestantismus Tagged with: , ,  Kommentare deaktiviert
Sep 252011
 

>Wie eine überaus passende Ergänzung zu meinem letzten Blog-Beitrag “Protestanten sind Protestanten” erscheint mir der Artikel von Reinhard Bingener in der FAZ – soeben online verfügbar. Anders als Daniel Deckers begeisterte Zustimmung zum ‘heiligen’ Benedikt in derselben Zeitung (online hier) durchweg aus katholischer Sicht zeichnet Bingener ein differenziertes Bild von Ratzingers Haltung, die ich voll und ganz teile. Dieser Papst weiß genau, was er tut, und er tut es gezielt und beharrlich: den ultrakonservativen Katholizismus stärken. Die Rücknahme der Exkommunikation des rassistischen Bischofs Williamson und die nachdrückliche Unterstützung der Pius-Bruderschaft waren kein dummer Zufall eines Unbedarften, wie oft vermutet, sondern offenkundig gezielte Strategie. Auch Ratzingers “Zurückhaltung” gegenüber den Missbrauchs-Opfern entspricht seiner Auffassung einer in sich reinen und sündlosen römischen Kirche. Fehler gib ets nur vereinzelt und als Fehltritte einzelner, die nicht genug glauben und mit Rom “verbunden” (= gehorsam) sind. Ratzingers Freiburger Rede lässt keinen Zweifel an seiner abgrundtiefen Verachtung für alles Neuzeitliche, Freie und Individuelle. Recht setzt nach ihm nur die römische Kirche; alles andere ist weltliches Unrecht, Beliebigkeit, Irrung und Wirrung. Da fügt sich sein Verhalten gegenüber der protestantischen Delegation nahtlos ein: es war ein glatter Affront, Und das passt in Ratzingers Welt- und Kirchenbild, wie Bingener schreibt:

“Und ähnlich wie seine Regensburger Rede konnte man auch seine Rede im Bundestag so lesen, dass es letztlich der Protestantismus ist, auf den die liberalen Verirrungen zurückgehen. Man mag das für unzutreffend oder eine Überschätzung des religiösen Moments halten. Aber es erklärt, warum der Papst im Verhältnis zu den evangelischen Kirchen nicht die Übereinstimmung, sondern die Abgrenzung sucht.”

Es ist wiederum kein Zufall, dass sich dieser Papst der ebenfalls autoritären östlichen Orthodoxie mit ihren mittelalterlichen Strukturen und Riten viel mehr verbunden weiß. Auch mit dem Islam kommt er ja gut klar, denn den “Gottesstaat” , siehe Vatikan, und die Scharia, in seinem Fall der Corpus Iuris Canonici, das römische Kirchenrecht, beanspruchen beide die Regelung aller Lebensbereiche und die Ablehnung des “westlichen” Liberalismus mit seiner “dekadenten” Lebensweise. Da haben sich bei diesem Papst Seelenverwandtschaften aufgetan, die einen nur erschrecken lassen. Man kann darum heute zugespitzt formulieren: Islamismus und Katholizismus sind strukturell derselbe religiöse Fundamentalismus!

 25. September 2011  Posted by at 17:42 Fundamentalismus, Islamismus, Papst, Protestantismus, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert
Sep 252011
 

>Protestanten haben von einem Papst nichts zu erwarten, von diesem Benedikt nicht, wohl auch von keinem anderen; er müsste denn aufhören, Papst zu sein.

Allzu leicht wird im sogenannten “ökumenischen Dialog”, also auch auf wohlmeinender römisch-katholischer Seite ebenso wie auf engagierter evangelischer Seite verkannt, dass es zwischen Evangelischen und Katholiken gar nicht ausschließlich und vielleicht nicht einmal in erster Linie um Fragen des Glaubens geht, sondern viel  mehr um Struktur- und Machtfragen, um Fragen der Deutungsmacht in Sachen des Glaubens und Denkens und um Herrschaftsstrukturen innerhalb der Kirche: um Macht über Geldmittel (Kapital) und Seelen (Gewissen). Diese Fragen waren der wesentliche Anlass für die “Protestation” der evangelischen Stände gegen die erneute Inkraftsetzung des Wormser Edikts (1521) und damit gegen die kompromisslose Durchsetzung des Vormacht- und Herrschaftsanspruchs der katholischen Stände, vor allem der “geistlichen” Reichsfürsten, im Namen des römischen Papstes und seines Kaisers Karl V. auf dem Reichstag zu Speyer 1529. Von da an wurden die Gegner des Papstes, die sich auf das Evangelium und ihr Gewissen beriefen, “Protestanten” genannt. Ein guter Name für eine Reformbewegung, deren Wesenskern die fundamentale Neubestimmung der Religion und des Einzelnen in der Neuzeit einleitete.

Der Papst Ratzinger nahm jetzt in Erfurt bei seinem Gespräch mit den Protestanten Bezug auf Luthers Frage, die da laute, “wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott?”. Dies sei eine “brennende Frage”, betonte der Papst, sie “muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden”. Das war alles. Bernd Buchner von der offiziellen Internetplattform evangelisch.de beschreibt klar und deutlich, “wie die evangelischen Erwartungen enttäuscht wurden”. Nun, viele Erwartungen waren und bleiben einfach eine Illusion. “Der Papst hielt zwei Reden, eine im geschlossenen Kreis, eine in der Öffentlichkeit. In der ersten ging er auf Luther ein, würdigte Luthers lebenslange Suche nach einem gnädigen Gott. Kein Wort aber zur Reformation als solcher, ebenso wenig in der öffentlichen Predigt, in der auch Luther nicht mehr vorkam.” Und Buchner spricht zu Recht von einer “schallenden Ohrfeige”, die der Papst den protestantischen Gesprächspartnern verpasste: “Mehr noch: Benedikt XVI. ging von sich aus auf das vermeintliche “ökumenische Gastgeschenk” ein und schmetterte jenen, die auf derlei gehofft hatten, ein klares “Nein” entgegen. Der Glaube könne nicht auf Kompromissen beruhen, auf der Abwägung von Vor- und Nachteilen. “Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos”, so der Papst.” Das ist seit Jahrhunderten die Sicht der römischen Kirche, die von “Kirche” übrigens stets in der Einzahl spricht: Es gibt aus päpstlicher Sicht eben nur eine Kirche, die römisch-katholische. Mag ein Papst auch Luthers Frage nach dem “gnädigen Gott” würdigen und betonen, wie wichtig doch die lebenslange Suche nach Gott sei, besonders in einer säkularen Welt, so weiß er doch immer schon die Antwort, und sie schwingt in allen Äußerungen eines, dieses Papstes mit: Gefunden wird die Antwort nur “in der Gemeinschaft der Kirche”, sprich im Schoße der römischen Papstkirche. Alles andere, liebe Protestanten, ist eben “ein selbstgemachter Glaube”, sprich Irrtum, Lüge. Da kann es für einen römischen Oberhirten keinen Kompromiss geben, jetzt nicht und in Zukunft nicht. Wer anderes hofft, hängt einer Illusion an.

Luthers theologische Erkenntnisse, die “reformatorische Entdeckung” im Römerbrief, die unter anderem in der objektiven Gerechtigkeit Gottes gipfelte, nach der Gott seine Rechtfertigung frei und voraussetzungslos schenkt, die der Mensch dann im Glauben nur anerkennen kann, diese Entdeckung ist ja nur die eine Seite Luthers. Die andere große, für Luther viel niederschmetterndere Entdeckung war, dass er den Hauptgegner  der evangelischen Wahrheit, des christlichen Glaubens überhaupt, dass er diesen endzeitlichen Feind, den “Antichrist”, mitten in der Kirche vorfand, auf dem Stuhle Petri sitzend. Der Papst, der Papst, das ist der Antichrist, schrie und schrieb Luther wieder und wieder. Das monarchische Episkopat mit Rom an der Spitze, die bedingungslose Gewalt (“Schlüsselgewalt”), die jeder Papst über die Seelen seiner Gläubigen beansprucht, die durchgesetzte Weltherrschaft mittels Geld und Soldaten und ihm willfährigen Kaisern (wie es Karl V. zumindest zeitweise war), – all dies war neben den bekannten “Missständen” in den Klöstern und bei den sog. Bettelmönchen der Hauptgrund für Martin Luther, sich dem Kampf gegen die “Papstkirche” zu verschreiben. Es war sehr bald kein Eintreten mehr für eine Kirchenreform, es wurde spätestens ab dem Reichstag zu Worms 1521 ein Kampf um die wahre Kirche, um den rechten Glauben, um die Freiheit der Gewissen und um den Vorrang der Vernunft des Einzelnen vor den autoritären und mächtigen Institutionen wie Papst und Konzil. Hatte Luther noch 1517 beim Thesenanschlag (allerdings in der überlieferten Form wohl nicht historisch gesichert) an ein allgemeines Konzil appelliert, so entdeckte und bekannte er bald, dass auch Konzilien irren können (Leipziger Disputation 1519) und im Falle Johann Hus 1415 in Konstanz auch geirrt hätten. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 formulierte er nach den Reichstagsakten so: “„… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“ Das war nicht nur ein Bruch mit der bisherigen kirchlichen Tradition, das war zugleich die Kampfansage an die verfasste Papstkirche. Genau so wurde seine Erklärung auch richtig verstanden. Und genau dies gilt auch heute noch mit gleicher Deutlichkeit.

Der “Antichrist” in der Kirche, formulieren wir es weniger chiliastisch, dramatisch: der Widersacher des christlichen Glaubens und eines freien Bekenntnisses mitten in der Kirche – das war ein Schock, für Luther damals, und trotz aller ökumenischen Begeisterung, das gilt auch noch heute. Denn die Papstkirche hat sich keineswegs verändert, eher das Gegenteil ist eingetreten. Seit dem Konzil von Trient (1545 – 1563) ist die Macht der Päpste noch stärker geworden, bekräftigt und ausgebaut. Auf dem 1. Vatikanischen Konzil 1870 ließ Papst Pius IX. Glaubens- und Lehrentscheidungen des römischen Papstes als “unfehlbar” dogmatisieren. Mittels dieses Dogmas wurde 1950 (!) durch Papst Pius XII. die “leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel” dekretiert und als unfehlbares Dogma zur Glaubenspflicht aller römisch-katholischen Christen erklärt. Versuche von Papst Johannes XXIII., durch das 2. Vatikanische Konzil (1962 – 1965) den Gedanken einer kollegialen Führung der römischen Kirche neu zu beleben, führten letztlich zu keiner Veränderung. Unter Papst Johannes Paul II. (Wojtyla) und jetzt unter Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. ist eher wieder eine Stärkung des monarchischen Episkopats und der alleinigen Autorität Roms festzustellen. Der Impuls vom Vatikanum II ist völlig ins Leere gelaufen.

Fragen des Glaubens und der Theologie sind längst nicht mehr “kirchentrennend”: Es gibt innerhalb der protestantischen Theologie ebenso viele Spiel- und Denkarten (von streng-lutherisch bis liberal reformiert) wie auf katholisch-theologischer Seite. Karl Rahner und Hans Küng sind als Theologen oft ebenso “evangelisch” wie “katholisch”. Sich um die Rechtfertigungslehre zu streiten und um Kompromissformeln zu bemühen wie in der “Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre” von 1999 (die zudem nie ratifiziert wurde und damit unverbindlich blieb) ist völlig müßig und durch die Zeitläufe überholt. Der “Knackpunkt” zwischen römischen Katholiken und Protestanten ist und bleibt der Papst: nicht nur das Bischofsamt, sondern dessen monarchisch-autoritäre Form; nicht nur ein Papst als oberster Repräsentant einer Kirche, sondern der Papst als Feudalherrscher über Seelen und Gewissen, mit angemaßter Gewalt über ewigen Frieden und Seligkeit; nicht nur ein Kirchenstaat à la Vatikan, sondern ein multinationaler Konzern (“Weltkirche”) mit mafiösen Strukturen und Praktiken, die nahe ans Kriminelle grenzen; nicht nur die Starrheit und Unbelehrbarkeit der römischen Kirchenoberen, sondern deren kriminelle Vertuschung des weltweit verbreiteten Missbrauchs von Kindern und Abhängigen; gerade Letzteres macht die römisch-katholische Kirche zu einer Art “organisierter Kriminalität” – nicht “rk”, sondern “OK”.

Liest man die große Reportage des SPIEGEL (19.09.1911 Nr. 38: “Der Unbelehrbare”) über das Vordringen des rechts-konservativen Katholizismus und seiner Bischöfe in Ämtern und Positionen hierzulande und weltweit, so kann einem nur das Gruseln kommen. Mag der Artikel auch einseitig sein, so sind die berichteten Fakten eben doch mindestens die eine Seite, bei diesem Ratzinger-Papst sogar die dominierende; es ist halt doch der ehemalige Chef der “Heiligen Inquisition”, neuerdings “Glaubenskongregation” genannt, der hier Papst geworden ist: der Wolf im Schafspelz.

Es ist gut, dass es gegenüber diesem römischen Machtapparat und seinem vorneuzeitlichen Feudalismus eine große Gruppe von reformatorischen Kirchen gibt, die sich dem religiösen Diktat und Machtanspruch Roms widersetzen, die gegen den Fundamentalismus und die Doktrination, gegen die Gewissensknechtung und die Heuchelei, eben gegen die anti-freiheitliche und anti-moderne Papstkirche eines Ratzingers “protestieren”.

Eben drum: Protestanten sind Protestanten – und das ist auch gut so.

 25. September 2011  Posted by at 08:50 Neuzeit, Papst, Protestantismus, Religionskritik, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert
Jul 102011
 

>Das konnten wir vergangene Woche lesen: Frau Käßmann kehrt offiziell in die Evangelische Kirche zurück. War sie etwa ausgetreten? Nein, nur ins Ausland geflüchtet. Inzwischen ist sie schon längst wieder in deutschen Landen und sehnt sich offenbar nach kirchenamtlicher Nestwärme. So war bei n-tv zu lesen:

Käßmann bleibt Frau der Kirche

Die Sympathie des Kirchenvolks hat Margot Käßmann trotz ihres Rücktritts als EKD-Vorsitzende behalten. Nun bekommt sie als Botschafterin für das große Luther-Jubiläum wieder eine wichtige Rolle in der Evangelischen Kirche Deutschlands.
Um was geht es? “Die Evangelische Kirche in Deutschland hat die frühere Bischöfin Margot Käßmann in Berlin als Botschafterin für das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 offiziell vorgestellt. Käßmann wird vom kommenden Frühjahr an für das 500. Jubiläum von Martin Luthers Thesen-Anschlag in Wittenberg werben. Käßmann sagte, sie werde gerne mit “Herzen, Mund und Händen” zum Jubiläum beitragen.” Und wie geht das zu? Nun, ganz einfach: ” Die EKD hat nun extra für Käßmann das Amt als Botschafterin geschaffen.” Und weiter: ” Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider zeigte sich erfreut darüber, dass Käßmann wieder offiziell ein Kirchenamt übernehme. “Wir kommen also wieder zusammen”, sagte er…Margot Käßmann besitze die Fähigkeit, Geist und die Sprache von Martin Luther “fromm, fröhlich, frisch und frei” in den Alltag zu übersetzen, lobte Schneider. Ihr Rücktritt vor mehr als einem Jahr sei nicht leicht für die EKD gewesen.” So weit die Meldung.

Man sieht und merkt die bemühte Künstlichkeit. Offenbar fühlt sich die EKD von Frau Käßmann, dieser etwas bigotten Ikone des Medien-Protestantismus, direkt abhängig; Schneider kommt wohl nicht so gut an. Klar, da muss sie gleich zu Martin Luther passen: Für den (Bauern-) Krieg werben, die Fürsten sachte streicheln,  gegen die Juden hetzen, den Papst schlimmer und böser als die Muselmanen, also die Türken, schelten, das war auch Luther. Und natürlich “fromm, fröhlich, frisch und frei” daher reden: “Nichts ist gut…” Ja, das tut sie. Von Denken war auch nie die Rede. Ansonsten bin ich gespannt, wie sich Frau Käßmann der Linie Luthers denn nun anschließen wird – und welcher; eine kleine persönliche Kehrtwende (=Reformation) wäre da schon fällig. Immerhin kommt sie schnell mit dem großen Reformator zusammen: Auch Martin Luther war bekanntlich kein Kostverächter und ein Freund des guten Weines!

Bei der EKD darf man sich seit einiger Zeit über gar nichts mehr wundern, auch nicht bei dieser gewissermaßen “Selbstentmannung” des Herrn Schneider. So bringt man die Ev. Kirche allenfalls – vor die rote Ampel.


 10. Juli 2011  Posted by at 19:37 Kirchen, Protestantismus Kommentare deaktiviert
Jun 132011
 

>Der Evangelische Kirchentag in Dresden ist gerade eine Woche vorbei, und von wesentlichen Anstößen ist rein gar nichts zu vernehmen. Dass medial nichts mehr zu hören ist, liegt allerdings weniger an der Bedeutung(slosigkeit) dieses Kirchentages als daran, dass eben andere, wichtigere Meldungen (“EURO”) die Schlagzeilen beherrschen. Es ist allerdings auch kaum zu erwarten, dass Impulse des Kirchentages spürbar würden, weil es offenbar keine gegeben hat. Jedenfalls ist sich die Berichterstattung weitgehend einig, dass da zwar viel politischer Themenreichtum vorhanden war, dieser sich aber kaum von den Themen der gesellschaftlichen Linken, Ökos und Grünen unterschied. Die SPD ist schon längst nicht mehr ‘everybodys darling’ auf Kirchentagen, die Grünen könnten es werden, nicht allein in der Person der Kirchentagspräsidentin Karin Göring-Eckhardt. Stärker bleibt aber der Eindruck, dass die Kluft zwischen einer EKD-seits betonten Gesinnungsethik, neuerdings “Prinzipienethik” genannt (siehe den FAZ – Beitrag Bingeners), und einer pragmatischen, lutherisch orientierten Verantwortungsethik größer wird. Dies zeigte nicht zuletzt der Disput zwischen dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière. Unter den EKD- und Kirchentagsoberen und offenbar auch unter der Mehrheit der Kirchentagsbesucher spielt aber eine theologisch reflektierte und modernisierte gut protestantische Zwei-Reiche-Lehre kaum eine Rolle – wie seit Jahren schon. Klare ethische Prinzipien sind gefragt, die bedingungslos und darum bisweilen sehr wirklichkeitsfern durchgesetzt werden sollen. Da gerät dann die Predigt schnell zur Bühne für politische Bekenntnisse, wie zum Beispiel Frau Göring-Eckhardt beim Abschlussgottesdienst:  „Ja, wir wollen keine Von-Oben-Politik, sondern sind die Dafür-Republik. Fragt uns, diskutiert fair, hört auf kluge Einwände, bevor ihr große Entscheidungen trefft, zu Bahnhöfen, zu Flughäfen, zu Kraftwerken und Krankenversicherungen“, sagte sie. Das sind also die Themen evangelischer Christen? Nun, das “Fenster zum Himmel” forderten sie auch, aber das Herz von Pfarrerin Trautwein schlug eindeutig auf anderem Gebiet. Das Leben hier und heute sei nicht alternativlos. Wo Menschen Irrwege nicht fortsetzten, wie etwa bei der Atomkraft, leuchte etwas vom Reich Gottes auf, sagte sie. „Mitten unter uns ist noch viel möglich. Die Welt geht nicht einfach den Bach runter.“ Das zumindest hatte Martin Luther noch anders gesehen.

Dass es mit den Kirchen, auch mit den protestantischen, viel eher ‘den Bach runter geht’, das vergaß man leicht und gern im überwältigen Jubel und Trubel der großen Publikumsresonanz im doch eigentlich so kirchenfernen Dresden. Immerhin werden voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder so viele evangelische Christen ihre Kirchen verlassen als es Besucher auf dem Kirchentag gab, nämlich ca. 150.000. Auf diese eigentlich beunruhigende Tatsache musste allerdings ein Gast aus der Schweiz hinweisen, der Professor für Praktische Theologie aus Zürich, Thomas Schlag. Ob das auch etwas mit der “Banalisierung des Glaubens” und einer vorherrschenden “Trivialmoral” (Reinhard Bingener) zu tun hat oder mit der vor allem von jüngeren Pfarrerinnen propagierten Vorliebe für einen “kleinbürgerlichen Kuschelgott”, den Friedrich Wilhelm Graf  so geißelt? Nun, auf einem Kirchentag sollte auch darüber nachgedacht werden, aber das geht nun  frühestens in Hamburg in zwei Jahren wieder…

 13. Juni 2011  Posted by at 08:47 Kirchen, Protestantismus, Religion Kommentare deaktiviert
Mrz 302010
 

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Fundamentalisten aller Länder (hier nur die aktuellste unglaubliche Nachricht ) (Realsatire?) und verschiedener Religionen treiben ihr Unwesen und weisen auf die dunkle Seite aller Religion hin: die Vernunft zu diskreditieren, den Menschen psychisch total in Beschlag zu nehmen und vorneuzeitliche Praktiken und Welt- oder Gesellschaftsbilder zu transportieren. Das führt dann bei religiösen Fundamentalisten stets sehr schnell zu Intoleranz, Fanatismus und Gewalt. Gewalt ist den Religionen offenbar inhärent. Die Geschichte hat das bisher jedenfalls so gezeigt. Dagegen hilft nur Aufklärung und Religions-, bei uns insbesondere Kirchenkritik. Das beschränkt sich keineswegs nur auf den römischen Katholizismus oder die Orthodoxie. Diese US-Fundis hier in der Meldung gehören zum protestantischen Religionskreis “Bible belt“. Nun, Calvin (im Genfer Religionsregime) und Luther (im Bauernkrieg) haben es schließlich vorgemacht. Gewalt gehört auf jeden Fall zur Geschichte der christlichen Religion und Konfessionen dazu.

Wie gesagt: Jede Religion gehört durchs Feuer der Aufklärung und der Religionskritik geschickt, keineswegs nur der Islam…

 30. März 2010  Posted by at 14:26 Aufklärung, Christentum, Protestantismus, Religion, Religionskritik Kommentare deaktiviert
Feb 242010
 

>Der Rücktritt von Margot Käßmann von allen kirchlichen Ämtern war fast zu erwarten. Die (über-) hohe moralische Autorität, die Frau Käßmann als Bischöfin beanspruchte und die gelegentlich an Selbstgerechtigkeit grenzte, konnte sich jetzt nur gegen sie selber richten. Wer dem ADAC “predigt” in Sachen Alkohol am Steuer, hat es nach solch einem Vorfall wie in jener Nacht in Hannover schwer, noch Souveränität und Integrität in moralischen Fragen zu zeigen. Insofern ist ihr Rücktritt nur konsequent.

Die vorschnellen Nachrufe, die diese “beliebte und bedeutende Repräsentantin des deutschen Protestantismus” im Rückblick feiern möchten, sind ebenso fehl am Platze. Frau Käßmann kann kaum einem Vergleich mit ihrem Vorgänger Huber standhalten. Sie ist die Repräsentantin des “linken” öko-pazifistischen Flügels der Evangelischen Kirche gewesen mit geringer Integrationskraft. Für eine “andere” Mehrheit in der Evangelischen Kirche konnte sie kaum sprechen. Die EKD hat nun die Chance, einen überzeugenderen Kandidaten zu finden.

 24. Februar 2010  Posted by at 16:23 evangelisch, Kirchen, Moral 1 Response »
Feb 232010
 

>Während katholische Priester und Mönche gerne mit Kindern, bevorzugt kleinen Jungs rummachen (die neueste Missbrauchsnachricht betrifft die Klosterschule Ettal – und es kommen täglich weitere hinzu), hat die evangelische Bischöfin “nur” zu tief ins Glas geguckt – und wurde mit 1,54 Promille im nächtlichen Hannover von der Polizei erwischt. Nun, egal, woher oder von wem sie nachts gekommen sein mag, wenn sie nach reichlich Alkoholgenuss kein Taxi nehmen und Aufsehen vermeiden (?) wollte, – “Fremdgehen” und eine Scheidung zumindest waren kein Hinderungsgrund, sie zur Bischöfin zu wählen. So stolpert sie nun über den eigenen Hochmut anlässlich einer unfasslichen Dummheit. Wenn sie dieser Fehler das Amt kostet, tut mir das leid, weil es so abgrundtief dumm und platt ist. Der deutsche Protestantismus hätte dann allerdings die Chance, einen besseren Repräsentanten oder eine bessere Repräsentatin zu wählen, als es Margot Käßmann ist. “Hochmut kommt vor dem Fall” – und manchmal bedient sich das Schicksal halt solch kleiner Tücken. Dem Herrn Jesus zu tief ins Glas geschaut, Frau Bischöfin? Pech gehabt.

 23. Februar 2010  Posted by at 13:58 evangelisch, Kirchen, Moral Kommentare deaktiviert

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