Sep 142011
 

>China also. Und vielleicht noch die BRIC – Staaten. Retter Europas, weil sie europäische Anleihen kaufen wollen. Aber zumindest Chinas „Angebot“ (es ist ja mehr ein Kuhhandel als ein „Tauschgeschäft“ mit dem Charakter der Erpressung: Wir kaufen nur eure Anleihen, wenn ihr uns endlich als Marktwirtschaft (!) anerkennt und das Waffenembargo nach dem Massaker vom Tian’anmen Platz 1989 aufhebt) handelt weder uneigennützig, noch ist es wirtschaftlich so stark und stabil, wie manchmal behauptet wird. Es ist gut, sich dieses immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, damit die Relationen und Einschätzung nicht völlig daneben liegen. Darauf weist auch Christian  Gleinitz in einem Kommentar für die FAZ zu Recht hin:

China ist reich – auf dem Papier

Die Schuldenturbulenzen in Europa und Amerika treffen China in einem kritischen Moment und könnten hier schlimmere Verwerfungen zeitigen als die zurückliegende Finanzkrise. Wegen der abgeschotteten Kapitalmärkte und der konservativen Kreditgeschäfte der Staatsbanken kam die Volksrepublik damals zunächst glimpflich davon. Auf den anschließenden Exportrückgang reagierten Regierung und Zentralbank mit der Dollar-Bindung des Renminbi und mit dem umfangreichsten Kredit- und Konjunkturpaket der Geschichte. Doch diese Waffen sind stumpf geworden. Die geldpolitischen Zügel lassen sich nicht lockern und die eingeleitete Renminbi-Aufwertung nicht zurückdrehen, ohne dass die Inflation weiter ausuferte. Kreditflut und Infrastrukturprogramme haben zu Überkapazitäten, faulen Krediten und zur Blasenbildung geführt. Es gibt Berechnungen, wonach mehr als die Hälfte der Liegenschaften überbewertet sind – ähnlich viele wie in der amerikanischen Hypothekenkrise vor dem Zusammenbruch.

Viele Gemeinden stehen vor der Insolvenz, weil ihnen das Konjunkturpaket zu viele Ausgaben zugemutet hat. Rechnet man diese und andere Schattenhaushalte mit ein, erreichen Chinas Schulden nicht, wie ausgewiesen, 17 Prozent der Wirtschaftsleistung, sondern bis zu 80 Prozent. Auf dem Papier ist der Zentralstaat reich. Da aber fast alle Reserven in Euro und vor allem in Dollar angelegt sind, steht und fällt ihr Wert mit der Attraktivität dieser Wirtschaftsräume. China ist noch immer stark, aber die jüngsten Krisen haben den asiatischen Riesen viel Kraft gekostet. Er leckt seine Wunden. Er wird die Welt diesmal nicht retten.“

 14. September 2011  Posted by at 15:49 China, Euro, Schulden, Wirtschaft Kommentare deaktiviert für >Nicht eben mal die Welt retten
Jun 032010
 

>Es ist also mindestens so heftig mit der fatalen Finanzpolitik der USA, wie schon früher beschrieben; n-tv berichtet heute unter der Schlagzeile „USA im Schuldenstrudel“. Da wartet also die nächste Blase – besser: das nächste Desaster. Es wird größer sein als alle bisherigen. Vielleicht sollte man in Yuan umdisponieren…
Uns in Deutschland geht es aber noch vergleichsweise gut, wie Finanzexperten bestätigen, selbstbewusstes Auftreten in der europäischen Finanzpolitik ist also durchaus angebracht.

 3. Juni 2010  Posted by at 06:30 China, Finanzkrise, Schulden, USA Kommentare deaktiviert für >Dollar kaputt
Apr 012009
 

>Da beginnt es also heute, das große Gipfeltreffen der 20 „Großen“ in London. Eigentlich ist alles an diesem Treffen „groß“, vor allem auch die Erwartungen ihm gegenüber. Groß wird dann auch die Enttäuschung sein oder, falls die Medien es hinreichend positiv „kommunizieren“, der fade Nachgeschmack, dass eigentlich ein Berg gekreist und doch nur wieder eine Maus geboren hat. Die Interessen sind zu unterschiedlich, auch wenn im Vorfeld das Gegenteil beschworen wird. 

Vielleicht ist darum auch die heimliche Mitte dieses Treffens das eigentliche Ereignis: das Treffen von Präsident Obama und des chinesischen Staatschefs Hu Jintao. China hat sich bisher nach eigener Einschätzung in der Krise gut geschlagen und bietet sein staatskapitalistisches System als zukunftsträchtiges Modell an. Dass darin Demokratie und individuelle Freiheit, Rechtssicherheit und Menschenrechte keine Rolle spielen, ist für die chinesische Führung ein besonderer Triumph, haben sie doch immer schon den „besonderen“ Weg Chinas gegenüber den westlichen Demokratien gepriesen. Das neue Selbstbewusstsein der Chinesen wird schon im Vorfeld spürbar: Sie äußern Sorge gegenüber der Stabilität des Dollars, Zweifel gegenüber der Kraft der amerikanischen Wirtschaft und Hoffnung auf eine neue Weltwährung, in der natürlich der Yuan eine größere Rolle spielen würde. Hoffentlich bringt sie das neue Kraftgefühl nicht vorschnell ins Stolpern.

Auch China ist tief in die globalisierte Wirtschaft verflochten. Als Hauptgläubiger der hochverschuldeten USA müssen sie am Wohlergehen ihres Klienten mehr interessiert sein als ihnen lieb ist. Umgekehrt haben sich die USA durch ihren enormen Kreditbedarf derart in China und den arabischen Ländern verschuldet und damit in Abhängigkeit gebracht, dass daraus schon eine neue Schicksalsgemeinschaft entstanden sein könnte. Die Interessengegensätze bleiben bestehen, aber der Zwang zur Kooperation ist gewachsen.
Das ist eigentlich das Beste am beginnenden G20-Gipfel: Alle teilnehmenden „großen“ Länder wissen, dass sie die Krise alleine nicht überwinden können, sondern dass sie eine gemeinsame „große“ Verantwortung tragen: dass entschlossene und wirksame Wege zu einer künftigen wirtschaftlichen Kooperation und finanziellen Kontrolle beschritten werden, die allen zum Nutzen gereicht, insbesondere den besonders betroffenen Ländern Afrikas. Wer redet, schießt nicht. Das ist vorerst das wirklich Tröstliche.
Denn Situationen wie diese heutige haben schon zu anderen Zeiten Gewalt als „Lösung“ empfohlen. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn das diesmal vermieden werden könnte. Noch sind wir nicht durch, aber die Chance einer kooperativen Entwicklung besteht. Hoffentlich sind sich die 20 „Großen“ dessen bewusst – und insbesondere die beiden großen „G2“.
 1. April 2009  Posted by at 05:48 China, G20, USA Kommentare deaktiviert für >G20 – G2
Mrz 102009
 

>Nach längerer Pause – umzugsbedingt – werfe ich wieder meinen öffentlichen Blick auf die mich umgebende Welt. Dabei geht es mir wie nach einer längeren Reise: Man kehrt zurück, schaut sich um und wundert sich, dass sich gar nichts verändert hat. Meist kann man auch die Zeitung einfach weiterlesen, und nur selten fällt es auf, dass man einige Wochen ausgeklinkt war. Diese Erfahrung spricht nicht unbedingt für die existenzielle Bedeutung der Jagd nach ’news‘ und Aktualität.

Nun denn also: Was geschieht? Die Krise geschieht, natürlich. Es hat noch mehr Geld gegeben, über Staatsübernahme und Enteignung wird geredet. Der AIG-Konzern, ein wirklicher global player,  ist schon faktisch verstaatlicht, weil seine bisherigen Eigentümer durch den Absturz der Aktie ins Bodenlose (bei derzeit 35 ct. an der NYSE ein penny stock) und dem drohenden Konkurs ihres Eigentums weitgehend verlustig gingen. Dass bei der Milliardenunterstützung durch die US-Regierung sogar die Deutsche Bank erheblich profitieren konnte, ist eine besondere Ironie der gegenwärtigen Finanzkrise.
Aber halt, was schreibe ich: Finanzkrise? Ist es nicht eine tiefgreifende Wirtschaftskrise, ja eine grundstürzende Systemkrise, eine Existenzkrise der westlichen Welt? Und bietet sich nicht gerade China – wiederum: welch Ironie der Weltgeschichte! – als Retter des Abendlandes an: „Fürchtet euch nicht, wir sind bei euch“? Nun, Krisen reizen immer wieder dazu, dass man sich darin badet: Immer noch schlimmer, noch tiefer, noch kritischer sei die Krise, hört man manche Fachleute verlautbaren. Dabei weiß inzwischen jedes Kind, dass in der Wirtschaft und erst recht in der Finanzwelt mindestens 50% Psychologie ist. Das ist wenig tröstlich, denn „Psychologie“, das bedeutet eben auch: nicht rational, nicht steuerbar, nicht vorherseh- und vorhersagbar. Insofern verhält sich die Wirtschafts- und Finanzwelt derzeit wie das Leben selbst: einerseits selbstgefällig, andererseits recht chaotisch. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder irgend jemand den altbekannten und oft genutzten kriegerischen Weg wählt, um einen „Ausweg“ aus der Krise zu finden. Dass dies keine Schwarzmalerei, sondern ein sehr nüchterner Gedanke sein kann, das zeigt Thomas Strobel in seinem lesenswerten Blog „Chaos as usual“ über den Weltkrieg als Konjunkturprogramm.
Ansonsten geht es in der Welt zu wie immer: Tibet steht vor dem Abgrund, Nordkorea vor dem Abschuss , Obama vor dem Abheben und das Bankgeheimnis mancher europäischer Nachbarn vor dem Ableben, everything as usual. Echauffieren wir uns also nicht zu sehr, sondern hoffen auf den positiven Wandel: Der nächste Frühling kommt bestimmt, wenn auch noch nicht ganz sicher ist, wann und wo…
 10. März 2009  Posted by at 09:25 China, Finanzkrise, Obama Kommentare deaktiviert für >Und sie dreht sich weiter
Jan 312009
 

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Solche offenen, direkten Worte von Politikern sind wir hier nicht gewohnt. Präsident Obama hat öffentlich und sehr direkt und mit scharfen Worten („shameful“) das Verhalten von Bankmanagern getadelt, die Wasser predigen und Wein trinken: die ihre Boni einstreichen und sie sich sogar vom Staat bezahlen lassen. Vizepräsident Biden setzte noch einen drauf: Man solle sie ins Gefängnis werfen. Es lohnt sich, die klaren Worte nachzulesen. Den „Gipfel der Verantwortungslosigkeit„, so nannte es Obama. Recht unempfindlich reagiert auf die Bonus-Zahlungen die Schweizer UBS: Es müsse halt so sein und sei nur recht und billig. „Rechtens“ mag es sein, aber „billig“ und gerechtfertigt ist es keinesfalls.

Schade, dass man hierzulande öffentlich so wenig deutlich redet. Bei uns überlässt man die „klaren Worte“ nur den Wahlkämpfern, denen dann aber sowieso niemand glaubt. Das ist das Wichtigste der neuen Präsidentschaft Obamas: Überzeugend Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, im Reden und im Handlen, innerhalb der USA ebenso wie in der Welt. Wenn ihm das gelingt, hat er mehr gewonnen als alle derzeitigen europäischen Politiker zusammen. Selbst wenn es Kalkül war, sind diese wie andere Äußerungen Obamas wohltuend unter all der politischen Verlogenheit.
 31. Januar 2009  Posted by at 06:38 China, Finanzkrise, Obama, USA Kommentare deaktiviert für >Obamas neuer Stil
Jan 302009
 

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Man fasst es nicht: Der Papst und seine Vatikan-Berater wollen von den merkwürdigen Auffassungen der vier „traditionalistischen“, will sagen bekanntermaßen ultrakonservativen bis  reaktionären Bischöfe aus dem Dunstkreis Lefebvres nichts gewusst haben. Die hätten sich wohl damals nach dem II. Vaticanum „nur mal so“, weil ihnen die lateinische Messe so gut gefiel, aus der Mutterkirche verabschiedet. Von der engen Verquickung Lefebvres zum Beispiel mit der argentischen Militär-Junta hat man nichts mitgekriegt? Äußerungen von „Bischof“ Williamson und seinen Kumpanen, die Judenvernichtung habe es nie gegeben, hat man überhaupt nicht gekannt? Nachgefragt hat im Vatikan, der doch sonst so gut informiert ist, auch keiner? Was tun die da denn eigentlich, außer Messen zu zelebrieren? Nach dem gut katholischen Motto: Wer (s) glaubt, wird selig.

Dann Davos. Ach ja! Erdogan, wärst du nur sitzen geblieben. Aber so ist er aus dem Saal und der Live-Übertragung herausgestürmt wie ein wütender Pennäler. Was hat er denn von einer Diskussion mit Schimon Peres erwartet? Dass er die israelische Militäraktion gegen die Hamas als Missverständnis bedauert? Machen das die Diplomaten nicht so, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? Nein, Erdogan rennt wutentbrannt und schimpfend aus dem Saal. Starker Auftritt – nein, Abgang… (Und die Türken feiern!)
Dann war da noch die Finanzkrise, die Weltwirtschaftskrise. Weil die Banker das alles so toll gemanaged haben, müssen sie am Ende doch belohnt werden! Nicht nur in den USA haben sie wieder Rekord-Boni eingefahren. Der Staat leistet Milliarden Unterstützung für notleidende Banken und gibt Garantien in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar und Euro ab, und die Herren und Damen Banker streichen in aller Seelenruhe ihre Boni (das sind Extravergütungen im Erfolgsfall!) ein: allein in den USA mehr als 18 Milliarden Dollar zum Jahresende 2008. Wenigstens Obama tobt

Was gibt es noch? Generalstreik in Frankreich; alle Räder stehen still, weil der vereinte Arm der Gewerkschaften es will. Sarkozy muss schon viel leiden, der Arme. Bisher machte es so viel Spaß, Präsident zu spielen! Er mault und zieht sich schmollend in die Ecke zurück: „Frankreich ist nicht das einfachste Land, zu regieren“, sagte er, „es ist ein eruptives Land.“ Aha. Aus dem präsidialen Schmollwinkel. Aber irgendwie echt Sarkozy…
 „Mein Besuch in Deutschland bereitet mir wirklich eine gute Laune“, meinte gestern zu alledem der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao. Kann man gut verstehe bei solchen Nachrichten aus einer verrückten Welt!

Manchmal sind die Nachrichten eines Tages Realsatire pur. Ach, was sag ich: Das Leben ist knackiger als alle Satire…

 30. Januar 2009  Posted by at 06:44 China, Davos, Erdogan, Satire, Vatikan Kommentare deaktiviert für >Fröhliche Zeiten