Okt 022012
 

Wir haben uns daran gewöhnt, in einer „christlich – abendländischen“ Tradition zu leben. Unsere europäische Welt ist aus dem „christlichen Abendland“ hervor gegangen, heißt es. Manche bezeichnen auch die Gegenwart noch als geprägt durch die „christlich-abendländischen Werte“. Dies wird mit besonderer Emphase gegen den Satz ins Feld geführt, der Islam gehöre zu Deutschland. Ganz abgesehen davon, dass es ziemlich unklar bleibt, welches denn die christlich-abendländischen Werte eigentlich sind, denen man sich verpflichtet fühlt, dient der Begriff „christliches Abendland“ eher als Parole in einem kulturpolitischen Abwehrkampf denn als klare Beschreibung einer geschichtlichen Wirklichkeit. Das so oft bemühte Bild vom „christlichen Abendland“ bedarf einer grundlegenden Revision.

In einem Kommentar von Thomas Urban in der heutigen Süddeutschen Zeitung (02.10.12 S. 3) über das Streben einiger spanischer Regionen nach Unabhängigkeit lese ich folgendes:

Auch im heißen Andalusien, der bevölkerungsreichsten Region Spaniens, hat sich ein starkes kulturelles Bewusstsein entwickelt. Es schöpft seine Kraft aus der Rückbesinnung auf das maurische Erbe. Dieses wurde jahrhundertelang im katholischen Spanien zerstört und aus dem Gedächtnis gestrichen. Doch nimmt ein wachsender Teil der heutige Elite Andalusiens das Kalifat von Córdoba und das Sultanat von Granada als Hochkultur wahr, die von Kastilien brutal zerschlagen wurde.

Averroes, aus Wikipedia

Genauer gesagt: Vom katholischen Kastilien wurde im Namen der Päpste und wiederholt unter dem Titel eines „Kreuzzuges“ das Unternehmen „reconquista“ durchgeführt (Hauptphase im 11. Jhdt.) zur „Rückeroberung“ Spaniens von den Mauren. Dies klingt nach einer Episode spanischer Geschichte in einem „Winkel“ Europas. Das Gegenteil ist der Fall. Die „Mauren“ in Spanien haben in einem kaum hoch genug zu schätzenden Ausmaß Wissenschaft, Denken und Kultur Europas insgesamt geprägt und beeinflusst, ja man kann zuspitzen: überhaupt erst ermöglicht.

Die Entwicklung des abendländischen Denkens ist ohne die Rezeption der arabisch-islamischen Kultur überhaupt nicht zu verstehen. Die Kenntnis der griechischen Philosophie, der indischen Mathematik, der morgenländischen Medizin und Astronomie gelangte ausschließlich über das maurische Spanien, also über Al-Andalus zu uns. Die Wiederentdeckung des Aristoteles war überhaupt erst möglich, seit man seine Schriften zuerst aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzte (Übersetzer-„Schule“ von Toledo), ehe man Jahrhunderte später während der Renaissance nach den griechischen Originalen stöberte. Bis dahin waren von Aristoteles nur die Logik und Dialektik bekannt, „propädeutische“ Schriften gewissermaßen. Insofern war dann auch die Wiederbelebung der Antike im 14. und 15. Jahrhundert (Renaissance) nur auf dem Hintergrund der spanisch-arabischen Vermittlung möglich.

Es ging nicht nur um die „alten“ griechischen Philosophen. Es ging um  das gesamte griechisch-hellenistische Erbe und seine Weiterentwicklung im arabisch-islamischen Kulturraum. Nachdem der oströmische Kaiser Theodosius 391/392 der griechisch-„heidnischen“ Tradition den Kampf angesagt und die griechische Philosophie unter Kaiser Justinian 590 verboten wurde (Schließung der „Akademie“ Athen), war das griechisch-römische Erbe mehr oder weniger verwaist. Die (uns heute völlig unbekannt gewordenen) islamischen Philosophen waren es, die sich dieses Erbes annahmen, es pflegten und weiter entwickelten: Alkindi (†873), Alfarabi (†950), Avicenna (†1037), Avepacem (†1138), Averroës (†1198) u.a.m. waren bedeutende Denker und Wissenschaftler, zum Teil Ärzte, in Bagdad, Teheran, Cordoba, Malaga, Fez, welche die Grundlagen für das mittelalterliche Denken und Wissen im Abendland legten. Ihre Schriften, besonders die Aristoteles-Kommentare des Averroës, wurden „Standardliteratur“ in dem geistesgeschichtlichen Aufholprozess des Abendlandes, der unter anderem in die sogenannte „Scholastik“, also „Schulphilosophie“, führte.

Das Denken und die Schriften der mittelalterlichen „Großen“ wie Thomas von Aquin (Rom, Neapel), Duns Scotus (Paris), Albert dem Großen (Köln) und Meister Eckhart (Erfurt, Straßburg, Paris) gründete auf der arabisch-griechische Philosophie und / oder stand in steter Auseinandersetzung mit ihr. Noch ein Nikolaus Cusanus (†1464), der als Ausklang des Mittelalters und Wegbereiter der europäischen Neuzeit gilt, fußt auf den Traditionen Avicennas und Averroës‘. Dies ist alles seit Jahrzehnten bekannt und wird entsprechend selbstverständlich seit langem in Philosophie und Geschichtswissenschaft diskutiert. Der „deutsche Mystiker“ Eckhart ist längst als Phantasieprodukt einer nationalen Romantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts entlarvt. Das Mittelalter und seine „Aufklärung“ im 13. Jahrhundert war sehr anders und viel lebendiger, als es uns heute meist im Gedächtnis ist (wenn überhaupt).

Die abendländische kulturelle Tradition speist sich also aus sehr unterschiedlichen Quellen und Strömen, das jüdische Erbe gehört dazu, das hellenistisch-römische, das islamisch-arabische, das christliche, um nur die Hauptlinien zu nennen. Darum ist es für das Verständnis und für die Kennzeichnung unserer abendländischen Tradition, ihrer Denkweisen und Werte, allererst abzuklären, welche Rolle das spezifisch Christliche dabei gespielt hat. Diese Rolle dürfte nüchtern betrachtet sehr viel negativer und ambivalenter ausfallen, als es der heutige Sprachgebrauch vermuten lässt. Die Spanier in Andalusien schicken sich an, ihr Geschichtsbild neu zu schreiben und das Erbe von Al-andalus wieder zu entdecken.

Dasselbe täte uns im Großen und Gesamt Europas not. Die abendländische Tradition ist ungemein vielfältig, widersprüchlich und verschlungen, viele uns heute selbstverständliche Denkweisen mussten oft erst gegen die „Mächte“ (vor allem Roms) errungen werden. Das „christliche Abendland“ ist ein apologetisches Zerr- oder Wunschbild (je nach Standpunkt) unserer Neuzeit. Zur Gewinnung einer sachlichen, nüchternen und religions-neutralen Betrachtung aber ist eine Revision unseres traditionellen Geschichtsbildes erforderlich. Es ist dran. Es täte uns  auch hinsichtlich der gegenwärtigen Diskussion um „Christentum“ und „Islam“ nur gut. Es wäre die Wiedergewinnung einer säkularen Geschichtsinterpretation.

 2. Oktober 2012  Posted by at 18:03 Europa, Geschichte, Kultur, Moderne, Neuzeit, Philosophie, Religion, Rom Katholisch, Wissen Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Revision eines Geschichtsbildes
Jun 072012
 

„Es gibt keinen Gott im Netz.“ Na sowas! Das hat man doch immer so geglaubt, oder nicht? Über etwas Abseitiges in der Netzdiskussion. Über das Gewicht der Religion. Und über Wichtigeres für die politische Diskussion.

Ach ja, die Religion, noch immer treibt sie ihr Unwesen… (großer Seufzer) und wird noch immer nicht / immer weniger in ihrer Funktionsweise verstanden (noch größerer Seufzer). Wer offenkundig überhaupt nichts davon versteht, ist Sascha Lobo. In seiner jüngsten Spiegel-Online-Kolumne „Mensch – Maschine“ legt er in breiten Ausführungen beredt davon Zeugnis ab, dass er in Sachen Religion ein völliger Ignorant ist. Es geht um die in den letzten Woche durchs Netz geisternde Diskussion um den „quasireligiösen“ Charakter des Internet-Wunderglaubens mancher Nerds oder auch nur Technik-Freaks und ihrer politischen Ableger (Piraten). Andrian Kreye und Matthias Matussek hatten davon gesprochen und provokant, aber begründet darauf aufmerksam gemacht, dass manche Meinungen und Haltungen von Internet-„Anhängern“ (eben nicht nur „usern“) das Netz als neues Heilsversprechen begreifen, das die Übelkeiten der jetzigen Welt (Kapitalismus, Intransparenz, Unwissen) schlagartig beseitigen könne. Die Technikgeschichte zeigt immer wieder, wie das säkulare Bewusstsein im Glauben an die Macht der Technik religiöse Elemente eines Heilsglaubens übernimmt und „säkularisiert“. Dies geschieht immer wieder, und übrigens nicht nur im Bereich der Technik. Religion als Überwältigtwerden von etwas Größerem / Höherem (Schleiermacher sprach vom „Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit“) und Glaube an eine Erlösung aus allen Übeln ist offenbar tief im Menschen verwurzelt. Sie kann die unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen annehmen, dabei selten den Charakter eines unvermittelten Glaubens („ideologisch“) und eines tiefsitzenden Sendungsbewusstseins („missionarisch“) verleugnen. Dies könnte man vielmehr als die Erkennungszeichen religiöser Mentalitäten benennen. Dazu hat die Religionswissenschaft mit all ihren Spezialisierungen (Religionspsychologie, Religionssoziologie, Religionsphilosophie, Religionsgeschichte usw.) klärend beigetragen. Es ist durchaus bedeutsam, dass heute oftmals eher von Kulturwissenschaft gesprochen wird, weil „Religionswissenschaft“ zu unpräzise ist, um ein bestimmtes Gegenstands- und Aufgabenfeld zu beschreiben. Es ist vielmehr eine Querschnittsaufgabe anthropologischer Fundamentalwissenschaften, die Bedeutung der „Religion“, also religiöser Vorstellungen und Verhaltensweisen des Menschen, zu beschreiben, zu systematisieren und in ihren Formen und Wirkungen zu erkennen. Ins Blickfeld kommt dabei natürlich (!) Religion als ein mentales oder besser kulturelles Produkt des Menschen; etwas Übernatürliches ist im Bereich der Religions- und Kulturwissenschaften jedenfalls nicht zu finden.

Wenn nun Sascha Lobo den als Vorwurf verstandenen Aufweis religiöser Strukturen in Internet-Diskussionen und -Verheißungen mit dem Satz begegnen möchte „Im Internet gibt es keinen Gott“, dann ist das einfach dümmlich. Der Zusammenhang machts nicht besser:

Das gefährlich Religionsähnliche entsteht, wenn man vergisst, dass das Netz von Menschen absichtlich geschaffen ist und von Menschen gestaltbar. Jeder Pixel ist an seinem Platz, weil irgendjemand es so wollte (oder die Folgen nicht überblickte), irgendjemand ist verantwortlich, es gibt keinen Gott im Netz  und damit kein Schicksal, in das man sich klaglos fügen müsste. Es herrsche also der Zweifel, der Widerspruch: das Gegenteil des Glaubens. (Sascha Lobo, SpOn)

Nun, Glaube und Zweifel gehören immer zusammen, und „menschengemacht“ ist eben überhaupt kein Argument gegen Religion, sondern die heutige Beschäftigung mit Religion geht gerade davon aus, dass sie zum Menschen gehört wie Neugier, Sex und Wissenschaft. Ob der Einzelne den Gegenstand der Religion dann für sich selbst hypostasiert und subjektiv zu etwas Übernatürlichem erhöht, ist eine Frage der eigenen Befindlichkeit oder (salopp gesagt) des persönlichen Geschmacks. „Es gibt keinen Gott im Netz“ ist jedenfalls keine Aussage, die irgend etwas mit dem Nachweis religiöser Strukturen und Denkformen „im Netz“ zu tun hat. Auch der Atheist, der sagt: „Es gibt keinen Gott.“ kann zutiefst religiös sein; meist ist das religiöse „Objekt“ nur verschoben. So vertrackt ist das mit der Religion. Abgesehen von der Vielzahl religiöser und religiös-fundamentalistischer Webseiten (Religiöses steht da an zweiter, manche behaupten sogar an erster Stelle der Anzahl und Verbreitung von Webseiten) hat das auch niemand behauptet. [Nebenbei: Vielleicht ist nur der absolute Skeptiker, der für sich jeden, aber auch wirklich jeden gewissen Erkenntnis- und Lebens- Wert ausschließt, wirklich areligiös; aber obs den wirklich gibt, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.] Sich mit religiösen Strukturen und Verhaltensweisen im Netz und seitens der Netizens zu beschäftigen, ist also eine durchaus sinnvolle Aufgabe; sie geht natürlich weit über die knappen Bemerkungen von Andrian Kreye und Matthias Matussek hinaus. Wenn sich dann ein angeblich nüchtern-gottloser Netzaktivist von der Diskussion genervt wie folgt äußert, dann zeigt das nur, dass man mit dem Thema offensichtlich ins Schwarze getroffen hat.

„Nach der großen Spirtualität, dem AllEinen und diversen Analogien, die schwefliger und hinkender kaum sein können, wäre es jetzt an der Zeit, wenn die Phärisäer und die Sadduzäer des Internet ihre Brotzeit einpacken und weiterziehen zur Nanotechnologie, synthetischen Biologie oder sonstwohin. Ich kriege langsam Plaque wegen all diesem Gebelle.“ +Jörg Wittkewitz

Wie heftig Religionen unsere ach so säkularen Gesellschaften der Moderne (und meinetwegen auch der Postmoderne oder welcher Moderne auch immer) sogar im aufgeklärten Westeuropa gestalten, zeigt sich gerade heute wieder, an diesem merkwürdigen kirchlichen Feiertag Fronleichnam. Im Internet, zum Beispiel bei Wikipedia, aber auch an vielen anderen Stellen, kann man sich recht schnell darüber orientieren, dass dieses katholische Fest die Feier der Selbstermächtigung der römischen Kirche über Heil und Ewigkeit ist. Nach dem Anspruch der klerikalen Macht, durch den Priester das reale Brot in den ebenso realen „Leib Christi“ zu verwandeln (dogmatisiert auf dem IV. Laterankonzil 1215), folgte die Proklamation des Festes des „heiligen Leichnams“ auf dem Altar als allgemeiner Feiertag der katholischen Christenheit durch Papst Urban IV, 1264. Fronleichnam gehört damit seit Jahrhunderten zum Kernbestand katholischen Kirchen- und Heilsverständnisses. Während der Gegenreformation beim Trienter Konzil (1545 – 1563) wurde es nocheinmal betont als Abgrenzung gegen jeglichen „Protestantismus“. Fronleichnam gehört also zum „Markenkern“ der katholischen Kirche und Frömmigkeit. Das sei nur betont, damit mit niemand so tue, als ginge es heute bei den Prozessionen nur um frommes Brauchtum oder irgendein frömmlerisches Allotria. Fronleichnam ist nach kirchlichem Selbstverständnis immer eine Machtdemontration der römisch-katholischen Kirche (die Orthodoxie kennt ein solches Fest nicht), eine antisäkulare Selbstdarstellung des christlichen Glaubens römischer Provenienz in einer säkularen Welt. Noch knapp die Hälfte der Bundesländer in (Süd-) Deutschland begeht dieses Fest als gesetzlichen Feiertag. Wenn sich also jemand über das religiös-kirchliche „Gebelle“ (Wittkewitz) aufregen möchte, dann hätte er hier viel Gelegenheit dazu.

Aber dies ist nicht wirklich wichtig. Niemand will den katholisch-frommen Süddeutschen einen arbeitsfreien Tag madig machen. Irgendwann wird die teilweise immer noch „barocke“ Mentalität vieler kirchlichen Süddeutschen von selber auf den Trichter kommen, was ihnen die Kirchen eigentlich heute noch zumuten. Viel wichtiger sind Nachrichten, nur so zufällig heute Morgen herausgegriffen, wie diese: Die SCHUFA will mit Facebook-Datensammlungen so richtig Kasse machen. Datenbeauftragte und Verbraucherschützer sind entsetzt über diese „Grenzüberschreitung“. Astrid Kasper, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Schufa, kann dagegen nichts Schlimmes an der Ausforschung finden. Es gehe lediglich „um die wissenschaftlichen Möglichkeiten der Einsichtnahme, aber auch der Bewertung von Informationen aus dem Netz“. (so in der Berliner Morgenpost). Das wäre doch ein Punkt zum Nachdenken und zu kritischem Engagement, Freunde! (siehe +Christoph Kappes‘ besonnene Beurteilung dazu.) Oder auch diese Meldung hier: „Erde steht vor dem Kollaps.“ Es gibt also wahrlich genug Sinnvolles zu tun. Weniger das Göttliche im Netz als das Menschliche auf der Erde steht an. Und wenn das Netz dabei als Technik und Werkzeug helfen kann, umso besser!

UPDATE: Diskussion dazu bei Google+.

 7. Juni 2012  Posted by at 10:36 Internet, Kultur, Religion, Rom Katholisch Tagged with: , ,  1 Response »
Mrz 282012
 

Katholische Kirche aktuell – da fällt mir nichts mehr zu ein. Mein voriger Post war noch untertrieben und zu harmlos. Es fehlt mir einfach die Phantasie um vorzustellen, wozu die reaktionäre Papst-Mafia fähig ist.

Pädophile im Bistum Trier

Kinderschänder feiert Messe mit Kindern

Die Kirche beschäftigt einen wegen sexueller Übergriffe auf Kinder vorbestraften Priester nicht nur weiterhin, sie lässt ihn sogar Gottesdienste mit Kindern feiern. Als dies bekannt wird, erklärt das Bistum, man habe nicht gewusst, dass Kinder kommen würden.

Hier der ganze Artikel: n-tv Ganz klar, das ist kein Zufall, das hat System. Systemisch pervers und krank. OK.

 28. März 2012  Posted by at 21:04 Papst, Rom Katholisch Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Kindermesse mit Kinderschänder
Mrz 252012
 
Der Papst wird in Mexiko mit heftigen Vorwürfen der Missbrauchsopfer vergangener Jahre konfrontiert. Solange er dazu schweigt, wird jedes der salbungsvollen Papstworte unglaubwürdig, sind sie blanker Zynismus. Die Papstkirche ist systemisch krank, unbelehrbar, nicht reformierbar – organisierte Lüge und Vertuschung.

Man sollte meinen, das Thema sei nun hinreichend aufgeklärt. Zahllose Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche gegenüber ihr anvertrauten Kindern und Jugendlichen durch ihre eigenen Priester und Bischöfe weltweit und vor allem auch in Deutschland und Österreich sind vor wenigen Jahren aufgedeckt worden. Untersuchungskommissionen wurden gebildet, Berichte verfasst, Besserung gelobt, ein wenig Wiedergutmachung in Aussicht gestellt. Davon ist allerdings wenig geschehen. Die Kirche hat es weit von sich gewiesen, dass die Missbrauchsfälle etwas mit dem „System“ zu tun haben, mit dem Zölibat, mit der Sexualfeindlichkeit, mit der Verdrängung aller Aufklärung aus dem katholischen Raum. Das war zwar unaufrichtig und zeigte wenig wirkliche Einsicht in die Perversität des „Systems Kirche“, war aber kaum anders zu erwarten.

Und nun dies. Innerhalb von wenigen Tagen drei Meldungen, die so horribel sind, dass man sie kaum glauben mag. Alte Fälle zum Teil, aber auch erschreckende Heuchelei in der Gegenwart. Fangen wir mit dem letzten an. Da ist die Meldung, dass der katholische Missbrauchsbeauftragte, Bischof Ackermann (Trier), in seinem Bistum sieben als pädophil bekannte und teilweise verurteilte Priester weiterhin als Seelsorger beschäftigt:

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann beschäftigt nach SPIEGEL-Informationen in seinem Bistum sieben als pädophil aufgefallene Pfarrer. Einer von ihnen soll sexuelle Beziehungen zu einem Schüler gehabt haben, zwei weitere sind wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt. (Spiegel Online)

Da hat man offenbar den Bock zum Gärtner gemacht – in schamloser Offenheit. Noch unglaublicher sind Meldungen, dass von der katholischen Kirche in den fünfziger Jahren in den Niederlanden missbrauchte Jugendliche offenbar zur Strafe und Abschreckung, von sich aus an die Öffentlichkeit zu gehen, kastriert wurden. Einzelne Fälle können nun dokumentiert werden.

Laut dem Bericht des liberalen Handelsblad hatte Heithuis 1956 bei der Polizei Anzeige erstattet und angegeben, in dem Jungeninternat der katholischen Kirche in Harreveld in der Provinz Gelderland sexuell missbraucht worden zu sein. Statt die Vorwürfe zu untersuchen, wurde er nach seiner Aussage bei der Polizei in die psychiatrische Einrichtung „Huize Padua“ in der Provinz Nordbrabant eingeliefert. Diese Einrichtung wurde ebenfalls von katholischen Priestern geleitet. Hier wurde Henk Heithuis die Schuld am sexuellen Missbrauch angelastet. Es habe geheißen, er habe die Priester verführt, berichtet Cornelius Rogge.
Heithuis sei dann kastriert worden. Er sei total verstümmelt gewesen, berichtet Rogge. Der Eingriff sei vorgenommen worden, um Heithuis von seinen homosexuellen Neigungen zu heilen. Das Handelsblad verfügt nach eigenen Angaben über Hinweise, dass die katholische Kirche noch mindestens zehn Minderjährige in den 50er Jahren kastrieren ließ. (taz)

Es ist einfach unfasslich. Es wurde und wird totgeschwiegen. Nur mit Mühe lassen sich die alten Fälle unglaublicher Grausamkeit und eines kaum überbietbaren Zynismus aufdecken. Die römische Kirche trägt ihrerseits weiterhin zur Vertuschung bei. Informationen müssen recherchiert und der Amtskirche mühsam entlockt werden. Keine Stellungnahme. Keine Einsicht. Keine Reue. Kein Versuch der Selbstkritik. Immer sind es nur „Einzelfälle“. Die allerdings massenhaft und ebenso offensichtlich systematisch – im ursprünglichen Sinn des Wortes: vom System Kirche bedingt und verursacht.

Und nun heute die Meldungen über die Vorwürfe gegenüber dem Papst in Mexiko. Er hat als Chef der Glaubenskonkregation offenbar von den Missbrauchsfällen um den Ordensoberen Marcial Maciel (verst. 2008) genau Bescheid gewusst. Natürlich alles vertuscht und verleugnet. Heute klagen die Opfer Benedikt an, dass er so lange zu den Verbrechen dieses „Ordensbruders“ geschwiegen hat.

Opfer sexuellen Missbrauchs in Mexiko erhoben am Samstag schwere Vorwürfe gegen den Papst. Der 84-Jährige habe in seiner Zeit als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchskandals um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert, heißt es in einem Manifest. Einer der Betroffenen, José Barba, beklagte, dass sie über Jahre nicht gehört worden seien. Sie kritisierten zudem, dass das Thema beim Papstbesuch nicht zur Sprache kommen soll. Treffen von Benedikt XVI. mit Opfern pädophiler katholischer Priester wie in den USA oder Irland waren in Mexiko nicht geplant. (Focus)

Der Papst meidet das Thema. Treffen mit Opfern sind nicht geplant. Die Papstkirche hat nichts dazu zu sagen. Die Papstkirche hat nichts gelernt aus all den Verbrechen, dem Missbrauch, den Täuschungen, Lügen und Abstreitereien. Solange sich die katholische Kirche so zeigt und verhält, wird jedes der salbungsvollen Papstworte unglaubwürdig, ja sind sie nur blanker Zynismus. Der Katholizismus führt sich ad absurdum und widerlegt sich selbst. Diese Papstkirche ist systemisch krank, unbelehrbar, nicht reformierbar. Das Kürzel „RK“ für „römisch katholisch“ muss eher lauten „OK“: „Organisierte Kriminalität“ – organisierte Lüge und Vertuschung eigener Verbrechen.

Sep 252011
 

>Wie eine überaus passende Ergänzung zu meinem letzten Blog-Beitrag „Protestanten sind Protestanten“ erscheint mir der Artikel von Reinhard Bingener in der FAZ – soeben online verfügbar. Anders als Daniel Deckers begeisterte Zustimmung zum ‚heiligen‘ Benedikt in derselben Zeitung (online hier) durchweg aus katholischer Sicht zeichnet Bingener ein differenziertes Bild von Ratzingers Haltung, die ich voll und ganz teile. Dieser Papst weiß genau, was er tut, und er tut es gezielt und beharrlich: den ultrakonservativen Katholizismus stärken. Die Rücknahme der Exkommunikation des rassistischen Bischofs Williamson und die nachdrückliche Unterstützung der Pius-Bruderschaft waren kein dummer Zufall eines Unbedarften, wie oft vermutet, sondern offenkundig gezielte Strategie. Auch Ratzingers „Zurückhaltung“ gegenüber den Missbrauchs-Opfern entspricht seiner Auffassung einer in sich reinen und sündlosen römischen Kirche. Fehler gib ets nur vereinzelt und als Fehltritte einzelner, die nicht genug glauben und mit Rom „verbunden“ (= gehorsam) sind. Ratzingers Freiburger Rede lässt keinen Zweifel an seiner abgrundtiefen Verachtung für alles Neuzeitliche, Freie und Individuelle. Recht setzt nach ihm nur die römische Kirche; alles andere ist weltliches Unrecht, Beliebigkeit, Irrung und Wirrung. Da fügt sich sein Verhalten gegenüber der protestantischen Delegation nahtlos ein: es war ein glatter Affront, Und das passt in Ratzingers Welt- und Kirchenbild, wie Bingener schreibt:

„Und ähnlich wie seine Regensburger Rede konnte man auch seine Rede im Bundestag so lesen, dass es letztlich der Protestantismus ist, auf den die liberalen Verirrungen zurückgehen. Man mag das für unzutreffend oder eine Überschätzung des religiösen Moments halten. Aber es erklärt, warum der Papst im Verhältnis zu den evangelischen Kirchen nicht die Übereinstimmung, sondern die Abgrenzung sucht.“

Es ist wiederum kein Zufall, dass sich dieser Papst der ebenfalls autoritären östlichen Orthodoxie mit ihren mittelalterlichen Strukturen und Riten viel mehr verbunden weiß. Auch mit dem Islam kommt er ja gut klar, denn den „Gottesstaat“ , siehe Vatikan, und die Scharia, in seinem Fall der Corpus Iuris Canonici, das römische Kirchenrecht, beanspruchen beide die Regelung aller Lebensbereiche und die Ablehnung des „westlichen“ Liberalismus mit seiner „dekadenten“ Lebensweise. Da haben sich bei diesem Papst Seelenverwandtschaften aufgetan, die einen nur erschrecken lassen. Man kann darum heute zugespitzt formulieren: Islamismus und Katholizismus sind strukturell derselbe religiöse Fundamentalismus!

 25. September 2011  Posted by at 17:42 Fundamentalismus, Islamismus, Papst, Protestantismus, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert für >Neo-Fundamentalismus
Sep 252011
 

>Protestanten haben von einem Papst nichts zu erwarten, von diesem Benedikt nicht, wohl auch von keinem anderen; er müsste denn aufhören, Papst zu sein.

Allzu leicht wird im sogenannten „ökumenischen Dialog“, also auch auf wohlmeinender römisch-katholischer Seite ebenso wie auf engagierter evangelischer Seite verkannt, dass es zwischen Evangelischen und Katholiken gar nicht ausschließlich und vielleicht nicht einmal in erster Linie um Fragen des Glaubens geht, sondern viel  mehr um Struktur- und Machtfragen, um Fragen der Deutungsmacht in Sachen des Glaubens und Denkens und um Herrschaftsstrukturen innerhalb der Kirche: um Macht über Geldmittel (Kapital) und Seelen (Gewissen). Diese Fragen waren der wesentliche Anlass für die „Protestation“ der evangelischen Stände gegen die erneute Inkraftsetzung des Wormser Edikts (1521) und damit gegen die kompromisslose Durchsetzung des Vormacht- und Herrschaftsanspruchs der katholischen Stände, vor allem der „geistlichen“ Reichsfürsten, im Namen des römischen Papstes und seines Kaisers Karl V. auf dem Reichstag zu Speyer 1529. Von da an wurden die Gegner des Papstes, die sich auf das Evangelium und ihr Gewissen beriefen, „Protestanten“ genannt. Ein guter Name für eine Reformbewegung, deren Wesenskern die fundamentale Neubestimmung der Religion und des Einzelnen in der Neuzeit einleitete.

Der Papst Ratzinger nahm jetzt in Erfurt bei seinem Gespräch mit den Protestanten Bezug auf Luthers Frage, die da laute, „wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott?“. Dies sei eine „brennende Frage“, betonte der Papst, sie „muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden“. Das war alles. Bernd Buchner von der offiziellen Internetplattform evangelisch.de beschreibt klar und deutlich, „wie die evangelischen Erwartungen enttäuscht wurden“. Nun, viele Erwartungen waren und bleiben einfach eine Illusion. „Der Papst hielt zwei Reden, eine im geschlossenen Kreis, eine in der Öffentlichkeit. In der ersten ging er auf Luther ein, würdigte Luthers lebenslange Suche nach einem gnädigen Gott. Kein Wort aber zur Reformation als solcher, ebenso wenig in der öffentlichen Predigt, in der auch Luther nicht mehr vorkam.“ Und Buchner spricht zu Recht von einer „schallenden Ohrfeige“, die der Papst den protestantischen Gesprächspartnern verpasste: „Mehr noch: Benedikt XVI. ging von sich aus auf das vermeintliche „ökumenische Gastgeschenk“ ein und schmetterte jenen, die auf derlei gehofft hatten, ein klares „Nein“ entgegen. Der Glaube könne nicht auf Kompromissen beruhen, auf der Abwägung von Vor- und Nachteilen. „Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos“, so der Papst.“ Das ist seit Jahrhunderten die Sicht der römischen Kirche, die von „Kirche“ übrigens stets in der Einzahl spricht: Es gibt aus päpstlicher Sicht eben nur eine Kirche, die römisch-katholische. Mag ein Papst auch Luthers Frage nach dem „gnädigen Gott“ würdigen und betonen, wie wichtig doch die lebenslange Suche nach Gott sei, besonders in einer säkularen Welt, so weiß er doch immer schon die Antwort, und sie schwingt in allen Äußerungen eines, dieses Papstes mit: Gefunden wird die Antwort nur „in der Gemeinschaft der Kirche“, sprich im Schoße der römischen Papstkirche. Alles andere, liebe Protestanten, ist eben „ein selbstgemachter Glaube“, sprich Irrtum, Lüge. Da kann es für einen römischen Oberhirten keinen Kompromiss geben, jetzt nicht und in Zukunft nicht. Wer anderes hofft, hängt einer Illusion an.

Luthers theologische Erkenntnisse, die „reformatorische Entdeckung“ im Römerbrief, die unter anderem in der objektiven Gerechtigkeit Gottes gipfelte, nach der Gott seine Rechtfertigung frei und voraussetzungslos schenkt, die der Mensch dann im Glauben nur anerkennen kann, diese Entdeckung ist ja nur die eine Seite Luthers. Die andere große, für Luther viel niederschmetterndere Entdeckung war, dass er den Hauptgegner  der evangelischen Wahrheit, des christlichen Glaubens überhaupt, dass er diesen endzeitlichen Feind, den „Antichrist“, mitten in der Kirche vorfand, auf dem Stuhle Petri sitzend. Der Papst, der Papst, das ist der Antichrist, schrie und schrieb Luther wieder und wieder. Das monarchische Episkopat mit Rom an der Spitze, die bedingungslose Gewalt („Schlüsselgewalt“), die jeder Papst über die Seelen seiner Gläubigen beansprucht, die durchgesetzte Weltherrschaft mittels Geld und Soldaten und ihm willfährigen Kaisern (wie es Karl V. zumindest zeitweise war), – all dies war neben den bekannten „Missständen“ in den Klöstern und bei den sog. Bettelmönchen der Hauptgrund für Martin Luther, sich dem Kampf gegen die „Papstkirche“ zu verschreiben. Es war sehr bald kein Eintreten mehr für eine Kirchenreform, es wurde spätestens ab dem Reichstag zu Worms 1521 ein Kampf um die wahre Kirche, um den rechten Glauben, um die Freiheit der Gewissen und um den Vorrang der Vernunft des Einzelnen vor den autoritären und mächtigen Institutionen wie Papst und Konzil. Hatte Luther noch 1517 beim Thesenanschlag (allerdings in der überlieferten Form wohl nicht historisch gesichert) an ein allgemeines Konzil appelliert, so entdeckte und bekannte er bald, dass auch Konzilien irren können (Leipziger Disputation 1519) und im Falle Johann Hus 1415 in Konstanz auch geirrt hätten. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 formulierte er nach den Reichstagsakten so: „„… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“ Das war nicht nur ein Bruch mit der bisherigen kirchlichen Tradition, das war zugleich die Kampfansage an die verfasste Papstkirche. Genau so wurde seine Erklärung auch richtig verstanden. Und genau dies gilt auch heute noch mit gleicher Deutlichkeit.

Der „Antichrist“ in der Kirche, formulieren wir es weniger chiliastisch, dramatisch: der Widersacher des christlichen Glaubens und eines freien Bekenntnisses mitten in der Kirche – das war ein Schock, für Luther damals, und trotz aller ökumenischen Begeisterung, das gilt auch noch heute. Denn die Papstkirche hat sich keineswegs verändert, eher das Gegenteil ist eingetreten. Seit dem Konzil von Trient (1545 – 1563) ist die Macht der Päpste noch stärker geworden, bekräftigt und ausgebaut. Auf dem 1. Vatikanischen Konzil 1870 ließ Papst Pius IX. Glaubens- und Lehrentscheidungen des römischen Papstes als „unfehlbar“ dogmatisieren. Mittels dieses Dogmas wurde 1950 (!) durch Papst Pius XII. die „leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“ dekretiert und als unfehlbares Dogma zur Glaubenspflicht aller römisch-katholischen Christen erklärt. Versuche von Papst Johannes XXIII., durch das 2. Vatikanische Konzil (1962 – 1965) den Gedanken einer kollegialen Führung der römischen Kirche neu zu beleben, führten letztlich zu keiner Veränderung. Unter Papst Johannes Paul II. (Wojtyla) und jetzt unter Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. ist eher wieder eine Stärkung des monarchischen Episkopats und der alleinigen Autorität Roms festzustellen. Der Impuls vom Vatikanum II ist völlig ins Leere gelaufen.

Fragen des Glaubens und der Theologie sind längst nicht mehr „kirchentrennend“: Es gibt innerhalb der protestantischen Theologie ebenso viele Spiel- und Denkarten (von streng-lutherisch bis liberal reformiert) wie auf katholisch-theologischer Seite. Karl Rahner und Hans Küng sind als Theologen oft ebenso „evangelisch“ wie „katholisch“. Sich um die Rechtfertigungslehre zu streiten und um Kompromissformeln zu bemühen wie in der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 (die zudem nie ratifiziert wurde und damit unverbindlich blieb) ist völlig müßig und durch die Zeitläufe überholt. Der „Knackpunkt“ zwischen römischen Katholiken und Protestanten ist und bleibt der Papst: nicht nur das Bischofsamt, sondern dessen monarchisch-autoritäre Form; nicht nur ein Papst als oberster Repräsentant einer Kirche, sondern der Papst als Feudalherrscher über Seelen und Gewissen, mit angemaßter Gewalt über ewigen Frieden und Seligkeit; nicht nur ein Kirchenstaat à la Vatikan, sondern ein multinationaler Konzern („Weltkirche“) mit mafiösen Strukturen und Praktiken, die nahe ans Kriminelle grenzen; nicht nur die Starrheit und Unbelehrbarkeit der römischen Kirchenoberen, sondern deren kriminelle Vertuschung des weltweit verbreiteten Missbrauchs von Kindern und Abhängigen; gerade Letzteres macht die römisch-katholische Kirche zu einer Art „organisierter Kriminalität“ – nicht „rk“, sondern „OK“.

Liest man die große Reportage des SPIEGEL (19.09.1911 Nr. 38: „Der Unbelehrbare“) über das Vordringen des rechts-konservativen Katholizismus und seiner Bischöfe in Ämtern und Positionen hierzulande und weltweit, so kann einem nur das Gruseln kommen. Mag der Artikel auch einseitig sein, so sind die berichteten Fakten eben doch mindestens die eine Seite, bei diesem Ratzinger-Papst sogar die dominierende; es ist halt doch der ehemalige Chef der „Heiligen Inquisition“, neuerdings „Glaubenskongregation“ genannt, der hier Papst geworden ist: der Wolf im Schafspelz.

Es ist gut, dass es gegenüber diesem römischen Machtapparat und seinem vorneuzeitlichen Feudalismus eine große Gruppe von reformatorischen Kirchen gibt, die sich dem religiösen Diktat und Machtanspruch Roms widersetzen, die gegen den Fundamentalismus und die Doktrination, gegen die Gewissensknechtung und die Heuchelei, eben gegen die anti-freiheitliche und anti-moderne Papstkirche eines Ratzingers „protestieren“.

Eben drum: Protestanten sind Protestanten – und das ist auch gut so.

 25. September 2011  Posted by at 08:50 Neuzeit, Papst, Protestantismus, Religionskritik, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert für >Protestanten sind Protestanten!
Aug 282011
 

>Das ist mal eine positive Nachricht: gut 60 % ist es wurscht, ob der Papst kommt oder nicht.

Wunsch nach ReformenMehrheit ist Papst-Besuch egal

Lies hier den Artikel.

Vielleicht gibt es dann diesmal weniger Zirkus um den Papstbesuch hierzulande. Immerhin erschreckend, dass noch 31 % diesen Besuch begrüßen, aber auch das wird sich allmählich ändern. Schlimm genug, dass dieser erzkonservative Knochen, der Reaktionär Ratzinger, irgendwo auch für „Deutschland“ steht, für das katholische jedenfalls. Wird Zeit, dass sich auch die Katholiken von den üblen Machtstrukturen ihrer Amtskirche und dem Gehabe ihrer Oberen abwenden und anfangen, selber zu denken und zu handeln. Aufklärung nennt man so etwas. Es täte der katholischen Kirche bitter Not.

Vom Papst ist allerdings nichts zu erwarten. Wer dort hingewählt wird, muss schon das dunkelste Violett tragen und geistig scheintot sein. Schließlich wählen die Kardinäle einen aus ihrer Mitte.

Der Besuch dieses „Kirchenfürsten“ trägt also hoffentlich auch in Deutschland zu seiner Entzauberung und zu einer Ernüchterung und zu mehr Vernunft und Realismus in der katholischen Kirche bei – sofern das überhaupt möglich ist.

 28. August 2011  Posted by at 06:41 Kirchen, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert für >Hoffnungsvoll: Papst egal
Aug 182011
 

>Es ist schon atemberaubend, mit welcher Dreistigkeit eines der reichsten Weltunternehmen, der Vatikan oder mit frommer Titulatur, die römisch-katholische Kirche, sich die Ausrichtung ihrer riesigen Werbeveranstaltung, des „Weltjugendtages“ in Madrid durch den „gastgebenden“ Staat Spanien bezahlen lässt. 50 Millionen kostet es den klammen spanischen Staatshaushalt. Zu Recht protestieren dagegen zahlreiche vor allem auch junge Menschen in Spanien.

Da wird etwas subventioniert, was nur den Eigeninteressen des Unternehmens Kirche dient. Regierungen sollten da zumal in Zeiten ausufernder Staatsverschuldung etwas sensibler sein. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich die römisch- katholische Kirche (rkK) ohnehin immer wieder fragen lassen müssen, ob man sie nicht zutreffender mit „OK“ abkürzt.

UPDATE:
Laut FAZ werden die 50 Mio Euro durch Spenden aufgebracht:
„Was die Finanzierung betrifft, fällt die Kritik am Weltjugendtag schnell in sich zusammen. Die fünfzig Millionen Euro Gesamtkosten werden vor allem durch Beiträge der Pilger, Privatspenden und Sponsorengelder aufgebracht. In die Kassen von Madrider Hotels, Gaststätten und Geschäften werden in einem traditionell ruhigen Monat zusätzlich hundert Millionen Euro gespült. Der sozialistische Verkehrsminister José Blanco sagte knapp: „Der Weltjugendtag ist gut für die Kirche, gut für Spanien und gut für die spanische Wirtschaft.“

 18. August 2011  Posted by at 06:15 Kirchen, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert für >Skandalöser Papst-Besuch ?
Aug 152011
 

>“Mariä Himmelfahrt“ – was für ein Name, was für ein merkwürdiger Feiertag! Es gibt ihn in Deutschland als gesetzlichen Feiertag uneingeschränkt nur im Saarland und in Bayern, dort „nur“ in den 1700 überwiegend katholischen Kommunen, in den 356 evangelischen dagegen nicht (Bevölkerungsstand maßgeblich nach Volkszählung 1987 – siehe heutige Info des Bayerischen Rundfunks). Nicht einmal im katholischen Rheinland oder Münsterland, auch nicht im katholischen Mainz oder Aachen wird dieser Tag als „gesetzlicher“ Feiertag begangen. Es ist auch absolut nicht einzusehen, warum eine konfessionelle „Sonderlehre“ mittelalterlichen Gepräges zum für alle verbindlichen gesetzlich geschützten (denn das bedeutet es ja, siehe das gültige Feiertagsgesetz des Saarlandes von 1976 und das bayerische Feiertagsgesetz in der Fasung von 2006) Feiertag dekretiert wird. Hier hat die katholische Kirche ihren machtvollen Einfluss noch einmal durchsetzen können, zumindest in 2 Bundesländern – typisch könnte man sagen.

Die dahinter stehende Glaubenslehre einer „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ ist abenteuerlich und, was das Weltbild angeht, mittelalterlich. Man kann sie tatsächlich nur als Aberglauben und frommes Märchen  bezeichnen, auch wenn das röm.-katholische Dogma, dass die „Gottesmutter“ Maria „nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit“ aufgenommen worden sei, erst 1950 durch Papst Pius XII. (ja, der zweifelhafte Nazi-Papst) verkündet wurde, also zu dem gemacht wurde, was für alle katholischen Kirchenmitglieder zu glauben heilsnotwendig ist. Es war eine der jüngsten „unfehlbaren“ „Ex-Kathedra-Entscheidungen“ eines Papstes. Ob Pius aus theologischer Überzeugung handelte oder eher aus kirchen-, d.h. machtpolitischen Erwägungen heraus (nämlich durch Instrumentalisierung der Marienfrömmigkeit im Kampf der kath. Kirche gegen den atheistischen Kommunismus), sei einmal dahin gestellt.

Die besondere Marienverehrung, die hinter der Lehre und schließlich auch dem Dogma der leibhaften „Himmelfahrt“ Marias steht, ist in der römischen Kirche seit Jahrhunderten verbreitet, und auch dieser Feiertag ist schon im 6. Jahrhundert bezeugt. Um eine theologische Bewertung hat sich die katholische Kirche aber immer wieder gedrückt. Ihre Theologen schwanken zwischen einer Behauptung als „Glaubenstatsache“ und einer mehr symbolischen Deutung. Jedenfalls ist heute sogar manchen Klerikern bei diesem und ähnlichen Dogmatisierungen etwas mulmig geworden. – Mit diesem Feiertag hat sich – wie üblich- allerlei Brauchtum (Kräutersegungen) verbunden.

Es ist schon merkwürdig und äußerst fragwürdig, in einer angeblich aufgeklärten und säkularen Gesellschaft einen solchen speziellen römischen Feiertag gesetzlich zu begehen; von einer gewissen Ambivalenz zeugt ja auch das bayerische Feiertagsgesetz, das seinen evangelischen Bürgen diesen Tag als gesetzlich verordnet nicht zumuten möchte. Aber was ist eigentlich mit den nichtchristlichen Mitbürgern? Es gibt zunehmend konfessionslose Menschen, sogar in Bayern, von Angehörigen anderer Religionen und religösen Überzeugungen einmal ganz abgesehen. Man sieht: Das Feiertagsgesetz bedarf dringend einer Überarbeitung und Anpassung an die heutige Welt. Da wünscht man sich auf jeden Fall mehr Trennung von Kirche und Staat. Man könnte ja für diesen Feiertag, um ihn den Arbeitnehmern nicht wegzunehmen, einen säkularen Gehalt geben, Tag der Kinder zum Beispiel (nach Vatertag und Muttertag), dann aber gesetzlich gültig für alle Bürger!

Allerdings ist damit wohl vorerst in Bayern nicht zu rechnen; der Katholizismus hier ist noch zu mächtig und einflussreich, als dass eine „bürgerliche“ Staatsregierung, zumal eine von der CSU getragene, hier Konflikte suchen würde. Der Katholizismus in Bayern ist schon von einer besonderen Ausprägung in einer (un-)heiligen Allianz mit vielfältigem Brauchtum, wie ich es weder aus dem katholischen Rheinland noch aus Westfalen kenne (Münster, Paderborn!). Die Inflation von Bergmessen, vor denen es kein Entkommen zu geben scheint, zeugt ebenfalls davon. Ich kann diesen Katholizismus nur als fundamentalistisch bezeichnen, wenn ich (nur als Beispiel) an eine Leserbriefkampagne denke, die just vor einem Monat in der hiesigen Allgäuer Zeitung zum Thema Fronleichnam geführt wurde. Der evangelisch-freikirchlicher Pfarrer und Buchautor Horst Stricker hatte öffentlich die Fronleichnamsprozessionen kritisiert, sie förderten „Aberglaube und Magie“ (vgl. Bericht und Leserbriefe in der AZ Mitte Juli fast täglich, leider sind sie nicht im Internet zugänglich). Es gab wütende Proteste, die, und vor allem deren Begründungen, einen daran zweifeln lassen, dass hier noch vernünftig Menschen denken und schreiben. Dass Bayern beim aufgedeckten Missbrauch in kirchlichen Internaten deutschlandweit an der Spitze liegt, ist gewiss auch noch in Erinnerung. Eifernden Fundamentalismus gibt es wahrhaftig nicht nur im Islam. Und mittelalterlich, will sagen vor-aufgeklärt antisäkular, möchten die römischen Katholiken unter Papst Ratzinger ja gerne wieder sein.

(c) KNA

 15. August 2011  Posted by at 09:11 Fundamentalismus, Kirchen, Rom Katholisch Kommentare deaktiviert für >Merkwürdiger Feiertag
Nov 242010
 

>Neueste Äußerungen des Papstes, die als Vorabmeldungen der jüngsten Buchveröffentlichung von Interviews mit dem Papst (Peter Seewald, „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“) ein lautes Rascheln im Pressewald verursacht haben, lassen den Beobachter zwar aufhorchen, aber doch gleich wieder fassungslos den Kopf schütteln. Man liest es, denkt nach und hält es für schlicht unfassbar. Von den Jubeltönen der katholischen Kommentatoren, dies Interview zeige die Wendung des Papstes zur Moderne und die Fixierung auf Kondome sei „lächerlich“, will ich gar nicht erst reden.

Der Zusammenhang und genaue Wortlaut der Ratzinger-Äußerung ist wichtig. In begründeten Einzelfällen könne es männlichen Prostituierten als „ein erster Schritt … auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität“ erlaubt sein ein Kondom zu benutzen, um die HIV-Ansteckungsgefahr zu verringern.  Dies könne helfen ein Bewusstsein zu entwickeln, „dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will“ (aus n-tv). Hat Ratzinger wirklich „männliche Prostituierte“ gesagt? Wird die HIV-Erkrankung also wieder „nur“ als „Schwulen-Seuche“ eingeordnet? Der Vatikan beeilt sich, Erklärungen nachzuschieben, dass das alles nicht so gemeint sei, sondern generell auch für „hetero- und transsexuelle Prostituierte“ gelte, so Vatikansprechener Lombardi. Immerhin macht sich der FAZ-Redakteur Christian Geyer viele kluge Gedanken über den Zusammenhang dieser Papstäußerung mit dem Verhältnis der kath Kirche zur Homosexualität – die kurz gefasst in purer Homophobie besteht. (Spannend sind die in dem Artikel referierten Äußerungen von David Berger über den „schwulen“ Aspekt der alten Tridentiner Liturgie! Das nur nebenbei.) Nicht nur in dieser Hinsicht gibt das Papstwort Rätsel auf. Handelt es sich wirklich um eine „katholische Wende“ oder doch nur um einen kleinen Spalt einer Türöffnung aufgrund römischer Kasuistik und Sophistik? Letzteres scheint mir der Fall zu sein. Denn an der Grundaussage katholischer Lehre, dass der Gebrauch empfängnisverhütender Maßnahmen moralisch nicht erlaubt sei, hat sich eben nichts, aber auch gar nicht geändert. Die neuesten „Lesehilfen“ des Vatikan wollen vielmehr die Kontinuität der Papstäußerung zur bisherigen Lehre der Kirche deutlich machen. Ein wenig Annäherung an die Wirklichkeit mag in den Ratzinger-Worten enthalten sein, aber was für eine verquere! Nun, ein Kleriker, zumal ein Papst, muss allein aufgrund seiner jahrelangen Erziehung und dogmatischen „Formung“ als erheblich milieugeschädigt gelten. Was sonst?

Sexualität kommt in der katholischen Lehre eigentlich gar nicht vor. Die „heilige“ Maria ist „Mutter Gottes“ und jungfräulich, also zwar nicht ganz geschlechtslos, aber weiblich doch nur in der Form verhinderter Sexualität. Jesus, der Gottessohn, ist es mindestens ebenso, zwar ein Mann, aber doch jenseits der Geschlechterrolle, also auch mit verhinderter oder nicht vorhandener Sexualität. Biblische Zeugnisse über Jesu Nähe zu Frauen und seine „Liebe“ zu Maria Magdalena oder den Jünger Johannes (ja, was denn nun?) werden konsequent im Sinne rein platonischer Liebe, also Enthaltsamkeit, weg erklärt und entschärft. Irgend woher muss die lange kirchlich-dogmatische Tradition der Ehelosigkeit der Priester, also der moraltheologischen „reinen“ sexuellen Enthaltsamkeit, ja herkommen, ebenso die Wertschätzung der dogmatisch asexuellen Mönche und Nonnen. Das gilt natürlich nur theoretisch, denn praktisch verbirgt sich hier nur eine abgrundtiefe Doppelmoral, die für die katholische Lehre und Kirche durchgängig kennzeichnend ist – erneut sichtbar geworden in der jüngsten Aufdeckung der unerträglichen zahlreichen Missbrauchsfälle.

Aber so könnte man einwenden, was ist dann mit der katholischen Hochschätzung von Ehe und Familie, speziell der dogmatischen Verklärung der Ehe zum „Sakrament“? Denn dieses besteht nach römischer Auffassung je gerade darin, dass sich die vor Gott einigen Mann und Frau das Sakrament der Ehe gegenseitig „spenden“, ja dass erst im – nun ja, wie genant! – geschlechtlichen Vollzug dieses erst zur wirksamen Vollendung kommt. Platt formuliert: gab es keinen Geschlechtsverkehr, dann wurde die Ehe nie vollzogen und kann mit höchstem kirchenamtlichem Segen anulliert werden – oftmals geschehen und immer noch gängige, zumindest theologisch anerkannte Praxis in der katholischen Kirche. Zugespitzt gedacht kann demnach ein reger Gebrauch des Kondoms bei Eheleuten deren Ehe nichtig machen, wenn es nie zum „Vollzug“ kommt mit entsprechender Empfängnis, denn sie allein, die Zeugung, ist der einzige Sinn und Zweck des ganzen sexuellen Unternehmens. Spaß dabei hindert nur den höheren Zweck, ist demnach ganz gewiss vom Teufel.

Das zum dogmatischen Hintergrund. Und nun diese neuen Äußerungen zum Kondom! Nun ja, der Papst kommt an der Realität nicht ganz vorbei, wie Christian Geyer heute aufklärt: Für die aufgebrachten Traditionalisten liefert Benedikt an anderer Stelle des Buches den großen, das Verhältnis von Säkularität und Religion betreffenden Zusammenhang der leidigen Gummi-Frage nach: „Das Christliche darf nicht zu einer archaischen Schicht werden, die ich irgendwie festhalte und gewissermaßen neben der Modernität lebe. Es ist etwas seltsam Lebendiges, etwas Modernes, das meine gesamte Modernität durchformt und gestaltet – und sie insofern regelrecht umarmt.“ Nicht ganz archaisch, aber doch immer noch reichlich archaisch genug – und bigott! Dazu passen die Aussagen zur Homosexualität – alles wie gehabt: So ist zum Beispiel Homosexualität mit dem Priesterberuf unvereinbar, sagt der Papst mit aller Autorität. „Denn dann hat ja auch der Zölibat als Verzicht keinen Sinn. Es wäre eine große Gefahr, wenn der Zölibat sozusagen zum Anlass würde, Leute, die ohnehin nicht heiraten mögen, ins Priestertum hineinzuführen, weil letztlich auch deren Stellung zu Mann und Frau irgendwie verändert, irritiert ist, auf jeden Fall nicht in Schöpfungsrichtung steht“. Alles altbekannt, vormodern, verquer. Man fasst es nicht. In der Realität angekommen? In welcher? In der des Vatikan?

Dazu passt da andere Thema Ratzingers, das in den News-Schatten der „Gummi-Frage“ geriet: sein Bedauern über die Aufhebung der Exkommunikation Bischof Richard Williamson am 24.09.2009 – ja, so lange ist das schon her. Wenn er gewusst hätte, dass der Bischof die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnet, hätte er ihn nicht teilrehabilitiert, wird der Papst zitiert. Wenn er es gewusst hätte! Es war ja auch völlig unbekannt, was Williamson 2008 in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen rausposaunt hatte – das ging durch die gesamte Presse. Niedlich fast und völlig unbedarft klingt es da, wenn nun Ratzinger weiter zitiert wird: Der Papst hätte diese Entscheidung nicht getroffen, schreibt er bei Seewald, wenn er Kenntnis davon gehabt hätte, dass Williamson die Existenz von Gaskammern in nationalsozialistischen Lagern leugne. „Dann hätte zunächst der Fall Williamson abgetrennt werden müssen“, wurde der Papst am Montag zitiert: „Aber leider hat niemand bei uns im Internet nachgeschaut und wahrgenommen, um wen es sich hier handelt.“ (FAZ vom 23.11.2010 S. 5). Na so was, sie haben im Vatikan nicht im Internet nachgeschaut, das ist es also! Nicht zu fassen. Liest dort keiner Zeitung oder hört Radionachrichten? Gibt es dazu keine Akten und Referenten, die darüber ein Dossier erstellt haben? Entscheidet der Papst einfach nach Gusto? Wie dumm ist Ratzinger wirklich – oder für wie dumm will er das staunende Publikum verkaufen?

Zumindest weit abgehoben von der Wirklichkeit lebt dieser Papst in seinem mittelalterlichen Gepränge im Vatikan, einem Monarchen aus vergangenen Jahrhunderten gleich. Dieses feudale Kirchenoberhaupt weiß entweder gar nicht, was es sagt, oder es will die „Schäfchen“, also die Menschen unserer Zeit, ganz harmlos und dumm halten. Das hätte allerdings auch eine lange katholische Tradition.

 24. November 2010  Posted by at 11:29 Moderne, Papst, Rom Katholisch, Sexualität Kommentare deaktiviert für >Der Papst – unfassbar