Jul 012012
 

Veränderungen in der intellektuellen Arbeitsweise sind schleichend gekommen, aber unübersehbar und unverzichtbar geworden. Es hat dabei eine Vielzahl „kleiner Revolutionen“ gegeben. Ein persönlicher Rückblick.

Letztens fiel mir fast beiläufig auf, wie sehr sich meine Arbeitsweise in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Das ist wohl allen intellektuellen Schreibtisch-Schaffenden meiner Generation so ergangen. Es scheinen Welten zwischen den Anfängen wissenschaftlichen Arbeitens und der heute üblichen Arbeitsweise zu liegen. Ich finde diesen Wandels bemerkenswert und zeichne den Weg einmal nach.

Während des Studiums in den sechziger Jahren waren die Bücher in den Bibliotheken bzw. den „PräBi’s“ (Präsenzbibliothek ohne Ausleihe) mit ihren jeweils aktuellen „Apparaten“ (=Literatur-Zusammenstellungen) für Seminararbeiten die Arbeitsbasis, die jeweilige Seminarbibliothek der wichtigste Arbeitsraum. Gut, wenn man dort als „HiWi“ einen reservierten Platz beanspruchen konnte. Sich Bücher selber zu kaufen, war fast immer viel zu teuer. Das änderte sich erst mit den „Raubdrucken“ (nicht lizensierte Nachdrucke mittels Xero-Kopien) der linken „Klassiker“, vor allem der Frankfurter Schule, die auf Büchertischen vor und in den Mensen reichlich und ungehindert angeboten wurden. Dadurch wurde das Angebot wissenschaftlicher Basis-Literatur in der Form preiswerter Taschenbücher beschleunigt, vor allem natürlich durch den Studenten-Boom nach den universitären Neugründungen, die so erst einen relevanten Markt hervor riefen. – Arbeitsmittel waren der Bleistift, Kugelschreiber, Schreibblock und (neueste Mode damals) Karteikarten. Man exzerpierte, notierte wichtige Gedanken aus dem Gelesenen, schrieb Zitate und Fundstellen ab. Auch die eigenen schriftlichen Arbeiten wurden zunächst noch handschriftlich erstellt; meine erste Proseminar-Arbeit in einem exegetischen Fach (Theologie)  habe ich tatsächlich handschriftlich verfasst und abgeliefert.

Dann ersetzte die Schreibmaschine („Tippa“) die handschriftliche Fassung, was allerdings immer noch hieß, dass man seine eigene Arbeit handschriftlich zumindest skizzierte, wenn nicht gar als ganzen Entwurf verfasste, um diesen dann maschinell abzuschreiben. Das konnte man gut zu Hause machen, wie sich überhaupt mit den Verbesserungen der Bibliotheks-Ausleihe, mit der wachsenden Zahl eigener Bücher und eben den selber angelegten „Zettelkästen“ der Arbeitsplatz stärker ins eigene Studierzimmer verlagerte. Der Arbeitsvorgang selber blieb aber ziemlich unverändert: Lesen, exzerpieren, diskutieren (im Seminar, mit Kommilitonen, privat), Ideen skizzieren, Gliederung entwerfen, Zitate sammeln und zuordnen, erste (hand-) schriftliche Fassung einer wissenschaftlichen Arbeit. (Man erkennt schnell: Auch plagiieren blieb mühselig…)

Das änderte sich mit dem allmählichen Aufkommen von Personal Computern. Mein erster IBM-286 in den achtziger Jahren war zwar ein technischer, zumal teurer Luxus mit damals atemberaubenden Fähigkeiten, aber das Schreibprogramm „Textomat“ ersetze doch bestenfalls die Schreibmaschine. Nur der Ausdruck der Nadeldrucker ließ mit ihren Pünktchen-Buchstaben gegenüber einer guten Schreibmaschine noch sehr zu wünschen übrig. Das Tollste an dem Computer-Schreibprogramm war dreierlei: die Möglichkeit des „Formatierens“ des Textes unmittelbar beim Schreiben (wenngleich mit eigens zu erlernenden „Steuerzeichen“), die unglaublich bequeme eigenhändige Text-Korrektur (die einfache „backspace“ – Taste im Vergleich zum „TippEx“-Verfahren an der mechanischen Schreibmaschine) und endlich das bequeme Speichern auf Floppy-Disk, von der man dann den Text beim nächsten Mal einfach laden konnte. Das war schon alles genial, aber doch noch recht verspielt, wie überhaupt die neuartige Computertechnik damals noch kräftig zum Schrauben und Löten einlud. Ein Effektivitätsgewinn machte sich erst allmählich bemerkbar. Denn beachte: Ich habe die Funktion „Copy&Paste“ noch nicht erwähnt, sie konnte ihr wahrhaft revolutionäres Potential noch nicht richtig entfalten, denn was und woher hätte man kopieren sollen? Die Funktion diente anfangs allenfalls für das eigene Umsortieren von Textteilen innerhalb des Gesamttextes – auch schon eine weiterführende Möglichkeit. Dies war in etwa der technische Stand, als ich meine Doktorarbeit schrieb: Die wissenschaftliche Arbeitsweise war immer noch dieselbe wie 10 Jahre vorher, aber der PC bot sich doch als eine neue Technik an. Meine Diss Anfang der achtziger Jahre ist allerdings noch komplett auf der Schreibmaschine entstanden. Doch sehr bald wurden Arbeitspapiere für Oberseminare und Kolloquien am PC verfasst und ausgedruckt: Der PC diente nun als „intelligente“ Schreibmaschine (und Spielzeug natürlich: Knowy, Sokoban!).

Die größte Veränderung in der tatsächlichen Arbeitsweise ist erst in den vergangenen 10 Jahren mit der rasanten Ausbreitung des Internet eingetreten. Was war „dazwischen“? Nun, es passierte eine Menge: Der Mac war da mit grafischer Oberfläche, wow, daraufhin Windows 95 mit Word und DBase (ich kenne beides noch als DOS-Programme), die nun „im Fenster“ liefen, das waren schon deutliche Verbesserungen, die aber immer noch sehr viel Puzzelei und Fisselarbeit erforderten und dadurch für den eigenen Arbeitsplatz am Schreibtisch kaum Effizienzgewinne brachten. Auch erste online „Communities“ verbreiteten sich, allerdings noch nicht über das Internet, sondern, wie die Newsgroups, zuerst im Newsnet oder im hierarchisch strukturierten Fido-Net. Als „Node“ konnte man dort erste Erfahrungen mit demjenigen Phänomen sammeln, das man Jahre später in breiter Form als social media kennen lernte.

Der Internet-Browser (erst Mosaic, dann Netscape und die „Schlacht“ um den Internet Explorer) öffnete dann tatsächlich die Tür zu neuen Welten. Email war bis dahin in meiner Erinnerung weniger wichtig, weil wer hatte schon eine Email-Adresse und konnte damit auch umgehen? Auch das „Surfen“ zu interessanten Webseiten war schon doll, aber es blieb mühselig, sich all die wichtigen Webadressen zu notieren, denn Bookmarks waren beim allfälligen Computer-Absturz verschwunden. Das, was dann aus meiner Sicht zu einer völlig veränderten intellektuellen Arbeitsweise, ja zu einer praktischen Revolution am Schreibtisch (jetzt mit unverzichtbaren PC) führte, war – Google. Diese Suchmaschine war der Hammer. Sie machte die bis dahin so wichtigen Linksammlungen und thematischen Linkverzeichnisse, auch Themenportale wie Yahoo Schritt für Schritt immer überflüssiger. Google machte das WWW überhaupt erst zugänglich und benutzbar: man konnte und lernte „googeln“. – Der zweite Name, der zu dieser Mini-Revolution gehört, lautet für mich Wikipedia: eine freie, sehr schnell wachsende Enzyklopädie des weltweiten Wissens. Das waren wirklich ungeahnte Möglichkeiten, die sich nun auftaten! Der Rest ist nun bekannt. Das Web, online Communities, Social Media wie Twitter, Facebook und Google+ sind nicht mehr wegzudenken.

Heute sieht meine Arbeitsweise so aus, dass ich ständig zwischen Büchern, Texten im Netz, eigenen Skizzen und Entwürfen am Computer, zum wachsenden Teil ebenfalls „im Netz“, hin und her wechsle. Solange wissenschaftliche Bücher und Fachliteratur noch nicht als eBooks zu haben sind (Fachaufsätze teilweise schon), wird das auch so bleiben. Ich empfinde das auch nicht als Hindernis, sondern als sinnvolle und unverzichtbarte Ergänzung. Die Arbeitsweise mit Büchern für sich genommen hat sich bei mir kaum verändert, gelernt ist halt gelernt: lesen, exzerpieren, Notizen sammeln usw. Immer öfter tritt allerdings, ich bekenne es, der Scanner hinzu, um Textschnipsel und Zitate digital verfügbar zu haben. Denn das „Produkt“ entsteht nun vollständig digital. Entscheidend kommt hinzu, dass nun die aktuelle Diskussion aus Zeitungen, Zeitschriften, Diskussionsforen und online Medien sowie Darstellungen von einschlägigen Webseiten einen wesentlichen Bestandteil des Jetztzeit- und Umwelt-Horizontes darstellen, also die tägliche „Referenz“ geworden sind, von der her und auf die hin sich die intellektuelle Arbeit bezieht und auf die sie auch immer stärker orientiert ist. Bücher alleine reichen mir für meine heutige Arbeitsweise schon längst nicht mehr, aber auf das im Buch (gerne dann auch digital) geronnene, konzentrierte und strukturierte Wissen verzichten könnte ich dennoch nicht. Das ist vielleicht eine generationsbedingte Gewohnheit, vielleicht aber auch mehr. Denn es geht doch darum, bei allen aktuellen Verknüpfungen, bei allem Fließen der Meinungen und Argumente, bei der „Verflüssigung“ des Wissens selber auch einmal inne halten zu können und ein Problem, eine Sache, eine Fragestellung sozusagen „eingefroren“ auf den gerade zufälligen Ist-Stand fest zu schreiben, darzulegen und zu beschreiben. Oft werden erst durch dieses temporäre Innehalten, durch dieses objektivierende Zurücktreten und durch eine methodisch erzwungene Sachlichkeit und Nüchternheit Konturen und Strukturen sichtbar, die im oft schrillen Getümmel der Meinungen und Äußerungen überlagert und verdeckt werden. Insofern bleibt meine, ich möchte vermuten „die“ intellektuelle Arbeitsweise weiterhin auf den eigenen Platz, das Studierzimmer und den Schreibtisch mit Büchern und Computer bezogen.

Das Schöne ist: Ich kann mich zeitweise vom Netz ausklinken, kann den Computer und das Smartphone abschalten. Ist manchmal nötig. Aber das Netz reicht bis zu mir an den Schreibtisch; die „fließende Welt“ ist unglaublich nah und direkt und intensiv geworden. Dies ist vielleicht die größte Veränderung bei aller intellektuellen Tätigkeit. Das „stille Kämmerlein“ gibt es nur noch sehr begrenzt. Vielleicht ist das gut so.

 1. Juli 2012  Posted by at 13:02 Computer, Geschichte, Google, Internet, Wissenschaft, WWW Tagged with: , ,  Kommentare deaktiviert für Kleine Revolutionen
Mrz 302012
 
Die kulturelle Revolution ausgelöst durch das Internet ist Fakt. Die Chancen und Folgen für Teilhabe und Transparenz sind immens.  Negative Aspekte wie Nationalisierung und Fragmentierung des Netzes und der Gesellschaft kommen dabei oft zu kurz. Wer definiert, was das Web 2.0 sein soll?

Das „Web 2.0“, d.h. die Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten des digitalen Zeitalters stellen eine kulturelle Revolution dar. Es wird zu Recht unermüdlich (bisweilen mit fast missionarischem Eifer) in den Kreisen der Netzdiskussion auf die enormen Chancen und Veränderungen hin gewiesen, die mittels der Techniken das Internets eingeleitet sind. Dass es nicht nur um den Gebrauch einer „neuen Technik“ geht, man auch nicht mehr „ins Netz“ geht, so wie man einst telefonierte, (Th. Knüwer), sondern dass es sich um ein vernetztes soziales Verhalten handelt; dass es nicht nur um „facebook for fun“ geht, sondern um die Nutzung einer neuartigen „Plattform“ der Teilhabe (Stichwort „Plattformneutralität, wie M. Seemann nicht müde wird zu betonen); dass auf dem Hintergrund der digitalen „Medien“ (besser: Beiträge eines jeden Wort- und Bild- und Ton-Produzenten) um ein völliges Neudenken des „Verwertens“ und des sog. Copyrights geht (Stichwort: Urheberrecht, siehe z.B. M. Beckedahl); dass es – mit einem treffenden Wort der Piraten, schlicht um ein neues „Betriebssystem“ unserer Gesellschaft geht (M. Weisband) mit den Werten der gleichberechtigte Teilhabe, Netzneutralität, umfassenden Bildung, Transparenz und (basis)demokratischer Willensbildung und Beteiligung; dass es mithin um einen Schub an Demokratisierung in unserer Gesellschaft mit dem Aufbrechen überkommener Machtverkrustungen geht, gar um das Entlarven der „Nachhaltigkeitslüge“ (S. Nerz), um mehr Beteiligung, Mitbestimmung, Offenheit, Authentizität im Miteinander, dass also das Web 2.0 dazu beitragen kann, es gar bewirken kann, dass die negativen Folgen der industriellen Moderne durch einen Schwung positiver Möglichkeiten der netzaffinen Postmoderne überwunden werden können – all dies ist gut und richtig und aller Mühe wert, weiter durchdacht, gemacht, ausprobiert zu werden. Diese positive Sicht des Web 2.0 hat zu einer ungeahnten Aufbruchsstimmung geführt, siehe die „Piraten“.

Was das „Internet“ für die politischen Institutionen bedeuten kann oder muss, das wird in der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“ verhandelt und ist in einer öffentliche Anhörung zum „Strukturwandel der politischen Kommunikation und Partizipation“ am 19. März thematisiert worden. Der ausführliche Beitrag von Christoph Kappes zum Thema dieser Anhörung gehört zum Besten, was derzeit dazu zu lesen ist. So weit, so gut. Ich selber teile weithin den Enthusiasmus über all das, was derzeit im Netz und durch das Netz geschieht; es sind wirklich spannende Zeiten!

Ja, nun kommt das Aber. Denn mir kommen in dieser Diskussion gerade von seiten der „Netzgemeinde“ (bei aller Problematik, dieser Begriff ist als Kürzel einfach brauchbar…) einige Aspekte zu kurz. Es ist vielleicht die Begeisterung über die Chancen des Neuen, dass da weniger auf das Negative geschaut wird. Aber es gibt nichts von Menschen Gemachtes, das nicht stets zwei Seiten hätte. Das Augenmerk auf beide Seiten zu legen, trägt zur Nüchternheit und zum Realismus bei.

Erhellend ist für mich die jüngste Sinus-Studie zum Thema „Vertrauen im Internet im Internet“ im Auftrag der DIVSI. „Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland leben komplett oder nahezu komplett ohne Internet. Damit sind hierzulande fast doppelt so viele Personen offline wie bislang angenommen.“ Es ist die Gruppe der sog. Digital Outsiders: „Die Digital Outsiders sind entweder offline oder stark verunsichert im Umgang mit dem Internet. Das Internet stellt für sie eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen und zu der sie keinen Zugang finden.“ Dazu werden mehr als ein Drittel der Bevölkerung gerechnet. Dass weitere 40% als digital affin („natives“) und aktiv („immigrants“) verortet werden, mag trösten. Dennoch besteht ein gewaltiger „digitaler Graben“ in unserer Gesellschaft, der nur zum Teil auf fehlender Bildung und Unvermögen beruht; zum geringeren Teil ist es auch eine Haltung bewusster kritischer Abstinenz. Dies gilt es recht zu bedenken und ernst zu nehmen.

Diese Kritik in Sachen ‚Internet und Web 2.0‘ könnte sich an folgenden Punkten fest machen. Ich zähle stichwortartig einige negative Aspekte auf, die mir in der engagierten Netzdiskussion oft zu kurz kommen:

1. Kontrollierung des Netzes und seiner Standards durch dominante Internet- u. Medienkonzerne (Google, Facebook, Fox-TV u.a., sämtlich in USA)
2. Fragmentierung des Web: WWW ist faktisch US-W oder WW = westliches Web. Staaten wie China, Iran und andere islam. Staaten haben sich ausgeklinkt.
3. Nationalisierung des Netzes durch einzelstaatliche Reglementierung und “Zensur” (-> Frankreich; Australien)
4. Algorithmen gesteuerte Überwachung des Einzelnen (z.B durch DHS in den USA); präemtives Profiling
5. Apple-Effekt: Torwächter-Monopole; was das iPad nicht darstellt, ist im Web “nicht vorhanden”.
6. Es gibt kaum einen länderübergreifenden Diskurs; “Netzgemeinde” = nationale Blase?
7.  Bereitschaft zum politischen Diskurs, zu aktiver Beteiligung bleibt gering (siehe Jugend-Studie); Netz-„Konsumenten“ dominieren über „Netz-Gestaltern“.
8. Die Tendenzen zur Kontrolle des Netzes nehmen eher zu als ab. Sicherheit vor „Kontrollverlust“. Industrie dominiert; Macht vor Recht?
9. Die Verletzbarkeit und Störanfälligkeit des Netzes nimmt durch monopolartige Zugangs-Strukturen und durch Instabilität der ‚Energieversorung und -netze zu.
10. Wie schafft man den Spagat zwischen Transparenz und Vertrauen, zwischen Offenheit und Persönlichkeitsschutz, zwischen technisch Machbaren und human Wünschbaren?

Mit den Fragestellungen des letzten Punktes wird der Bereich geöffnet zu dem weiten Feld an Problematiken, die sich aus den vielfältigen technischen und industriellen Möglichkeiten der „Postmoderne“ ergeben. Ulrich Beck hat vorausschauend darauf hin gewiesen, was es bedeutet, in der „Weltrisikogesellschaft“ zu leben, auch wenn er in dem gleichnamigen Buch (2008) noch kaum auf die digitale Herausforderung Bezug nimmt. Seine kritischen Analysen können auch die Diskussion um „das Netz“ hilfreich aufklären. „Definitionsverhältnisse sind Machtverhältnisse.“ Einer seiner Kernsätze. Wer also definiert, was das Web 2.0 ist, sein wird, was es kann und soll?

UPDATE:

Ich finde eben den Beitrag von Constanze Kurz (CCC) im FAZ-Blog über das ungelöste Problem der Wahl-Computer, die dennoch nach und nach die großen Demokratien erobern und Wahlen der manipulativen Undurchschaubarkeit ausliefern – ein weiterer kritischer Aspekt.

 30. März 2012  Posted by at 09:55 Demokratie, Internet, Moderne, Netzkultur, Revolution, Sicherheit, social media, WWW Tagged with: , ,  Kommentare deaktiviert für Brave New World 2.0
Mrz 112009
 

>Ich musste selber staunen: 20 Jahre World Wide Web! 20 Jahre erst? Tatsächlich, erst 20 Jahre ist es her, dass ein damals unbekannter junger Wissenschaftler am CERN namens Tim Berners-Lee ein Thesenpapier zum besseren Informationsaustausch an diesem Institut und zwischen den in der Welt verstreuten Atomphysikern verfasste: eine Skizze dessen, was dann als WWW bekannt wurde. Auf dieses Dokument gehen die Definition der Internetsprache HTML, des Internetprotokolls HTTP und der Internetadressen URI und URL zurück. Drei Jahre später stellte das CERN diese neu geschaffenen Grundlagen eines weltweiten Computernetzwerkes der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung. Ein Jahr später, 1994, wurde in den USA das World Wide Web Consortium „W3C“ zur Standardisierung und Überwachung der Regeln des WWW gegründet. Erst danach konnte das beginnen, was wir in den letzten Jahren als Internetboom erlebten. Ich reibe mir die Augen: Keine 20 Jahre ist das erst her?

Das eigene Erstaunen macht deutlich, wie sehr das Internet und seine Möglichkeiten in wenigen Jahren in unsere Lebenswirklichkeit eingedrungen ist und den Alltag verändert hat. Vieles ist gar nicht mehr weg zu denken: Emails, schnell verfügbare Infos, Online-Bestellungen und -Käufe, Finanzgeschäfte und Transaktionen mit einem „Mausklick„. Zu einem erheblichen Teil ist das, was wir auch Globalisierung nennen, erst durch das weltweite Netz und seine Verzweigungen möglich geworden. Eine Googlesuche mit dem Stichwort „Wirtschaftsnetze“ zeigt, wie sehr der Netzwerkgedanke in den Alltag der Wirtschaftsläufe Eingang gefunden hat, beispielhaft zu Geld und Erfolg gebracht durch das größte „Wirtschaftsnetzwerk“ Bloomberg. Natürlich gibt es Schattenseiten des Internetbooms , natürlich gibt es Missbräuche und erhebliche kriminelle Energie im Internet, aber das ist bei einer derart umfassenden Erfindung kaum vermeidbar, schließlich ist es Menschenwerk. Das Internet schafft aber eine digitale Welt, in die unsere junge Generation wie selbstverständlich hineinwächst und die den Älteren oft immer noch Schwierigkeiten bereitet. Inzwischen nutzen Alltagsdinge wie Telefone, Radio und Fernsehen, Kinos, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und nicht zuletzt Computerspiele immer stärker und ausschließlicher die vernetzte digitale Form: Die digitale Netzwelt legt sich als ein alle Lebensbereiche durchdringendes Feld der Wirklichkeit über unsere „Realwelt“ – allein dieser Begriff macht den fundamentalen Wandel deutlich. Es ist eine zweite Welt in unserer Wirklichkeit entstanden, besser gesagt eine völlig neue Weise, an unsere Welt heranzugehen, sie zu betrachten und zu gestalten. Wenn dies keine kulturelle Revolution ist, dann weiß ich nicht, was dieses Wort sonst bedeuten soll. 
Dabei stehen wir erst am Anfang. Das Internet ist noch keine 20 Jahre alt und hat doch schon solch eine Revolution der Lebens- Arbeits- und Denkweise hervorgebracht: nicht absichtlich und programmatisch, sondern automatisch und allmählich. Man kann nur staunen, was in einer derart kurzen Zeit in und mit dem Internet bewegt worden ist. Was mag noch kommen? Das intelligente Netz? das semantische Netz? das superschnelle Hypernetz? Aufmerksam wird man zum Beispiel bei der Ankündigung einer ganz neuen Präsentation von Anfragen im Netz, bisher die Domäne von Google. „Wolfram Alpha“ verspricht manches, wovon der Internetnutzer bisher vergeblich träumt. Es zeigt, wie sehr wir da noch am Anfang stehen, wie sehr noch alles im Fluss ist: 20 Jahre nach Erfindung des Automobils war die Autowelt auch noch nicht perfekt!
 Das World Wide Web ist ein unverzichtbarer Teil unserer Lebenswelt geworden, auch meiner – sonst könnten Sie dieses Blog nicht lesen! Ist es gut? Ist es schlecht? Es ist genau das, was wir daraus machen. Es hat in jedem Falle das Potential, unsere Welt und unsere Lebensweise dauerhaft so zu verändern, wie es kaum eine andere  Entwicklung seit Erfindung des Buchdrucks vermocht hat. Ich bin gespannt und neugierig, was da noch kommt – und wie immer: think positive!
 11. März 2009  Posted by at 07:24 digital, Internet, Revolution, WWW Kommentare deaktiviert für >Eine erfolgreiche Revolution