Mrz 032013
 

Kaum ist man ein paar Tage weg, schon tritt der Papst zurück. Sollte ich öfter verreisen?- Anyway. Anlässlich des Machtwechsels in der katholischen Kirche gerät das Christentum für einen Moment in den medialen Fokus. Ein guter Zeitpunkt, einige immer wieder geäußerte Irrtümer über das Christentum aufzuklären. Manche dieser Irrtümer sind derart verbreitet, dass sie sogar von den Kritikern der Kirchen geteilt werden. Mit „Irrtümern“ meine ich nicht die christlichen Glaubensinhalte, denn die sind eben eine Sache des Glaubens und nicht des Wissens. Ein Glaube kann darum nicht eigentlich „irren“. „Irrglaube“ ist ein Widerspruch in sich, wird aber gerne als Begriff zur Denunziation von Gegnern der jeweiligen Glaubensrichtung benutzt. Mir geht es um die Dinge, die historisch gut belegt sind und deren Tatsächlichkeit aufklärbar ist.

Ein erster, sehr genereller Irrtum ist die Aussage, es gäbe „das Christentum“.  Es gibt dagegen sehr verschiedene Spielarten einer Glaubensrichtung, die sich mehr oder weniger ausdrücklich auf einen „Christus“ beruft, an den sich bestimmte Glaubensinhalte heften. In den Hauptrichtungen des „Christentums“ findet sich zwar eine recht große Schnittmenge von Gemeinsamkeiten, aber die Menge der Unterschiede ist von erheblicher Größe. Je nachdem man nur auf Glaubensformeln oder auch auf Traditionen, Lebensweisen und innerreligiöse Machtverhältnisse abhebt, können diese Unterschiede eher größer als die Menge der Gemeinsamkeiten sein. Dies gilt schon für die Hauptströmungen (siehe unten) der römisch-katholischen, der orthodoxen und der reformatorischen Glaubensrichtungen („Kirchen“), erst recht für die viel zahlreicheren Nebenströmungen (siehe unten) der „erwecklichen“, „pfingstlerischen“, rigoristisch-ethischen oder neo-gnostischen bzw. dualistischen Ausprägungen des Christentums. Das, was wir im Allgemeinen „Christentum“ nennen, war von Anfang an ein bunter Strauß sehr unterschiedlicher religiöser Glaubensformen mit einigen gemeinsamen Bezugspunkten („Christus“, „Offenbarung“).

Die üblich gewordene Redeweise von „Kirchenspaltungen“ ist eine sehr tendenziöse Ausdrucksweise jeweils aus der Sicht derer, die sich als die einzig richtige, darum „rechtgläubige“ Hauptrichtung verstehen. Die von mir verwandten Begriffe „Haupt- bzw. Nebenströmung“ beziehen sich ausschließlich auf die geschichtliche Ausprägung von quantitativ unterschiedlich zu gewichtenden Glaubensformen des Christlichen, unabhängig vom jeweiligen Selbstverständnis, die allein „rechtgläubige“ und darum legitime Verkörperung des Christentum zu sein. Denn dieses Selbstverständnis haben alle Strömungen des Christentums, gerade auch ohne Berücksichtigung der zahlenmäßigen Größe: Auch die kleinsten Gruppen können sich zu den „einzig wahren“ Christen radikalisieren. Die Unterscheidung „Haupt-“ und „Neben-“ trägt also nur der historischen Faktizität Rechnung, dass es zahlenmäßig besonders bedeutsame Gruppierungen gibt, die sich gegeneinander als „allumfassend“ (=katholisch), als „rechtgläubig“ (=orthodox) oder als „evangelisch“ (= dem Evangelium gemäß) verstehen. „Reformatorisch“ oder „protestantisch“ sind dagegen Selbstbezeichnungen bestimmter abendländischer „Kirchen“, die auf die Interpretation ihrer Entstehungsgeschichte („Reformbewegung“) oder auf bestimmte historische Fakten (Reichstags-Protest) abheben.

Dieser mainstream des Christentums hat sich aber keineswegs, wie stets behauptet, als die „wahre Kirche“ aufgrund ihrer „Wahrheit“ durchgesetzt, sondern vielmehr unter jeweils sehr unterschiedlichen geschichtlichen Bedingungen aufgrund von sehr konkreten Machtverhältnissen, Machtansprüchen oder Koalitionen mit den jeweils Mächtigen. Damit ist zugleich das weite Feld äußerst verwickelter Interessenkollisionen und / oder -koalitionen unter den jeweiligen kulturellen und politischen Machtverhältnissen angesprochen. Die Christen haben das auch oft genug offen zugegeben, diese Tatsachen aber religiös uminterpretiert durch die schon dem „Kirchenvater“ Augustin zugeschriebene Formel „confusione hominum, Dei providentia“, das heißt „trotz Irrtümer der Menschen durch Gottes Vorsehung (geschehen)“. Die „Vorsehung“ war dann stets auf der Seite der siegreichen Partei. Dass sich die genannten drei Hauptströmungen des Christentums durchgesetzt haben, hat also mit sehr konkreten „Verbandelungen“ mit den Interessen der jeweils Mächtigen zu tun und zum geringsten Teil mit dem vermeintlichen „Wahrheitsanspruch“. Immerhin war der noch heute allgegenwärtige Augustin zu seiner Zeit ein recht umstrittener und als eigensinnig verschriener Bischof (siehe Kurt Flasch, Augustin). Die geschichtlichen Bedingungen der Durchsetzbarkeit der römisch-katholischen, der orthodoxen und der reformatorischen Glaubensrichtungen waren sehr unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen aber die Übereinstimmung mit den Herrschenden bzw. einer Gruppe von Herrschenden zu ihrer Zeit. Geschichtsmächtig wurde also das, was in der Geschichte die Macht auf seiner Seite hatte. Das gilt nicht nur für die Ausformungen der christlichen Religion(en), aber für diese ganz bestimmt.

Im Interessenkonflikt von Macht und Politik haben sich nicht nur organisatorische Strukturen (Cäsaropapismus, Vorrang des römischen Bischofs als „Papst“, der Sum-Episkopat der Fürsten) der heute verbreiteten christlichen „Kirchen“ durchgesetzt, sondern de facto auch ihre Glaubenslehren. Das beginnt bei dem oft zitierten gemeinsamen „Glaubensbestand“ der altkirchlichen „ökumenischen Konzilien“ immerhin mit den zentralen Dogmen der Trinität und der „tatsächlichen“ Gottessohnschaft des Christus, setzt sich in dem sich während des Mittelalters herausbildenden Machtprimat des römischen Papstes (nicht nur eines „Ehrenprimats“) fort und findet unter dem russisch-orthodoxen „revival“ unter Jelzin – Putin noch lange nicht sein Ende. Die derzeit anstehende Papstwahl in Rom ist in erster Linie mitnichten ein „geistliches“, d.h. spirituelles Ereignis, sondern eines von extremer machtpolitischer Relevanz. Liest man dazu die derzeit einschlägigen Berichte, dann gibt es im Vatikan wieder einmal ein großes Hauen und Stechen, Tricksen und Treten. Genau dies hat über Jahrhunderte Tradition – und führte nicht zuletzt zu langjährigen Doppel- ja Dreifach-Päpsten. Der Vatikan setzt nur auf die Vergesslichkeit der Gläubigen – und auf eine perfekt inszenierte „Heiligkeit“. De facto verbirgt sich im römischen Katholizismus ein heute fast unglaublicher machismo , ein Kampf alter Männer um die Macht innerhalb und außerhalb der „Kirche“ (Finanzwelt). Ähnliches ließe sich für die orthodoxen Gruppen zeigen, die stets einen Hang zu den Mächtigen hatten, ob es nun Russen, Serben oder Griechen während der Militärdiktatur waren bzw. sind.

Will man erkennen, was sich sonst noch alles unter dem Sammelbegriff „Christentum“ an interessanten und kuriosen Blüten finden lässt, dann muss man sich denjenigen Gruppen zuwenden, die von den machtvollen Hauptvertretern des Christentums als „Sekten“ oder „Ketzer“ diffamiert und ausgegrenzt wurden. Auch dies begann gleich von Beginn dessen an, was wir Christentum nennen. Schon in der „Bibel“, dem energisch formierten Erfolgsbuch der Mehrheitschristen, lassen sich Spuren ernster Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen (Pauliner, Petriner, Jakobus-Anhänger, Johannes-Christen) finden. Das setzt sich fort mit den Gnostikern, den Thomaschristen, den Apokalyptikern, den Arianern, den Marcioniten, den Manichäern, den Miaphysiten, den – springen wir über die Jahrhunderte, weil die Liste sonst zu lang würde – den Katharern (aus denen eben die „Ketzer“ wurden), den Averroisten, den Armutschristen, – und wieder später den Mennoniten, den Adventisten, den Mormonen, den Waldensern, den vielen Alt-, Neu-, Frei-Kirchen. Ein Buch über das Christentum müsste all diese Bewegungen und Glaubensrichtungen mit im Blick haben, wenn man die religiöse Breite dessen darstellen will, was sich unter dem Dach „Christentum“ finden lässt. Die Konzentration auf die „geschichtsmächtig“ gewordenen Hauptströmungen ist durch nichts anderes als durch eine machtpolitische Perspektive der Kirchenhistoriker bedingte, interessegeleitete Verengung, Zuspitzung, Auswahl.

Es gehört zu den unausrottbaren Irrtümern der Zeitgenossen, das Christentum nur aus dem Blickwinkel der großen Kirchen zu betrachten. Diese legen es allerdings gerade darauf an und prägen auf diese Weise noch Blickwinkel und Zugangswege auch der Kritiker. Christentum ist weit mehr als seine Machtorganisationen und Hauptströmungen. Eigentlich ist die interessanteste Geschichte des „Christentums“ seine „Ketzergeschichte“. Aber auch die sogenannten Ketzer sind keineswegs „die Guten“, sind ebenso selbstgerecht und unduldsam, eigensinnig und rechthaberisch („wahre Kirche“) wie der mainstream. Aber oftmals finden sich bei ihnen verschüttete Gedanken und Impulse, die sich mit entsprechenden Erfahrungen anderer Religionsformen als der christlichen berühren, überschneiden, befruchten und so die Vielfalt religiöser Ausdrucks- und Lebensformen im Verlauf der menschlichen Kulturgeschichte zeigen.

Es gibt nicht die „wahre Religion“, auch nicht diejenige (humanistische) Religion aus Lessings „Ringparabel“. Der Wahrheitsanspruch ist schon der verkehrte Weg. Ob dieser exklusive und gewalttätige Wahrheitsanspruch erst durch die monotheistischen Religionen in die Welt gekommen ist, wie eine interessante These behauptet (Jan Assmann, Die mosaische Unterscheidung), oder ob das Rechthabenwollen („Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein.“) doch mehr zum Fundament des Menschlichen gehört, kann dahin gestellt bleiben. Religion als ein eigenständiger Bereich des Menschlichen kann das Leben des Einzelnen bereichern und erfüllen, kann auch Sinn und Hoffnung vermitteln, kann Impulse zu solidarischem Handeln geben, überhaupt Verantwortung und Gemeinschaft stiften. Darum sollte man Religionen, auch das „Christentum“, eben nicht nur kirchenhistorisch (dominante Sicht der Mehrheit) und auch nicht nur religionshistorisch, (verengt auf eine religiöse Geschichte ohne ihre Interessen an Macht, Geld und  Einfluss) betrachten, sondern allgemein kulturgeschichtlich, soziologisch, psychologisch, sozialgeschichtlich mit all den dort zur Verfügung stehenden Methoden und Modellen.

Bischöfe

Ein letzter Irrtum als aktuelle Zuspitzung. Wenn in Rom ein neuer Papst gewählt wird, so geht es um handfeste Machtpolitik, auch wenn viele Katholiken kindlich von einem neuen „heiligen Vater“ träumen. Die Machtstrukturen der römischen Kirche erfordern deren Selbsterhalt, und sei es um des Selbsterhaltes willen: wegen der Privilegien, der Finanzströme, der Abhängigkeiten, der „Leichen“ und Skandale, die unter Verschluss gehalten werden müssen. Damit steht diese „Weltkirche“ tatsächlich repräsentativ für das offizielle „Christentum“ da: Das Christentum ist die geschichtlich vielleicht wirkungsvollste religiöse Form politischer Macht – und die politische Form religiöser Macht überhaupt. Da ist der theokratische Islam im Iran oder in Saudi Arabien nur ein schwacher Abklatsch, wie überhaupt der Islam vom Christentum machtpolitisch viel gelernt hat. Mag einem manche Struktur überholt, „von gestern“ und im Niedergang begriffen erscheinen, so sollte man die Virulenz der „alten Männer“, ihrer Dogmen und Herrschaft über die „Seelen“ nicht unterschätzen. Christentum ist geschichtliche Gestalt gewordene institutionelle religiöse Macht in unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen. Sie teilt mit aller Macht und allen Mächtigen die Fähigkeit, sich in eigenem Interessen zu wandeln, zu transformieren, selbst unter dem Deckmantel der Tradition. Genau diese Fähigkeit hat den tatsächlichen Erfolg des Christentums begründet. In dieses Schema muss und wird auch der neue „Papst“ passen.

 3. März 2013  Posted by at 12:44 Geschichte, Kirchen, Kultur, Religion Tagged with: , , ,  Kommentare deaktiviert für Irrtümer des Christentums
Feb 222013
 

Der Senat tritt im Capitol zusammen, um eine Gesetzesvorlage zu beraten. Senat? Capitol? Gesetze? Klar, Washington, US – Politik. Oder doch Rom, zum Beispiel im Jahr 79 v.u.Z.? Und der Regierungschef hieß nicht Obama, sondern Sulla? Allerdings hielt auch dieser eine Rede von der Art „State of the Union“ und zog sich dann auf seinen Landsitz zurück. Sullas „Camp David“ lag in Puteoli. Worin besteht die Gemeinsamkeit, oder sind es nur die zufällig gleichen Namen? Nein, zufällig ist hier nichts. Namen sind Programm. Und die Gemeinsamkeiten gehen weit über diese Namen hinaus. Wenn man in Washington auf die Architektur der Regierungsgebäude blickt, kommt einem fast zwangsläufig Rom in den Sinn, – anders natürlich, irgendwie „neo-klassizistisch“. Auch da wird ein Anspruch deutlich: Ein Imperium, das neue Rom. Das aber wollten schon viele sein: Byzanz, Alexandria, Moskau…

Bei aller Faszination, die solche Vergleiche ausüben und die darum immer wieder angestellt werden, ist doch große Vorsicht geboten. Über zweitausend Jahre Zeitunterschied sind kein Pappenstiel, der „garstige Graben der Geschichte“ ist nicht einfach feuilletonistisch zu überfliegen. Dennoch kann man natürlich Linien aufzeigen, die sich über die Zeiten hinweg, wenn auch gebrochen, durchgehalten haben, Einflüsse, Auswirkungen, Fernwirkungen, Übereinstimmungen und Abgrenzungen, bewusst oder unbewusst. Umgekehrt gilt auch, dass immer wieder versucht wurde, an „Rom“ anzuknüpfen und das „neue Rom“ zu sein, und sei es auch nur religiös, „Rom“ als Mittelpunkt einer Weltkirche. Das Römische Reich als Republik, als Kaiserreich, als Militärdiktatur, bis hin zu seinem Niedergang, hat immer wieder als (vermeintliche) Vorlage gedient, um jeweils aktuelle Interessen und Ansprüche „historisch“ zu legitimieren. Und wenn US-Senatoren einen US-Präsidenten an der Leine des „Filibusters“ zappeln lassen, so werden auch darin uralte Konfliktmechanismen zwischen einem gleichnamigen Kollegial- und dem Exekutivorgan sichtbar.

Maccari-Cicero-Senate

Römischer Senat (Maccari – Wikipedia)

Vom „Imperium Romanum“ haben wir noch viel mehr geerbt als das Capitol, den Senat und den imperialen Anspruch „Roms“. Auch die „Republik“ (res publica) kommt aus der römisch-lateinischen Tradition, wohingegen die Demokratie auf ihre Ursprünge in der griechischen Polis verweist. Die Unterscheidung von öffentlich und privat kommt aus dem römischen Recht, auch die Zivilgesellschaft ist ein Erbe der römischen „civitas“, des „civis romanus“. Der römische Bürger, welch Privileg, ist allein Teilhaber der römischen Civitas und lebt soziokulturell im Raum dessen, was man später mit „romanitas“, Romanität, bezeichnet hat. Beiläufig habe ich eben das römische Recht erwähnt, das noch in unserer Zeit eine wesentliche Rechtsquelle des Bürgerlichen Gesetzbuches darstellt. Nicht zufällig ist darin so viel von Eigentum, Besitz und der Unterscheidung dieser beiden Begriffe die Rede.

Sozialgeschichtliche Studien sind faszinierend, insbesondere zum Römischen Reich. Man lernt dabei nicht nur die Ursprünge des „Populismus“ kennen, sondern auch des „Plebejers“ und sogar des „Proleten“: Der „proles“ hatte nämlich nichts an Besitz als nur seine Nachkommen, die Kinder. Marxistische Geschichtsschreibung hat darum immer wieder versucht, die Sozialgeschichte Roms als die Ursprünge einer Klassengesellschaft zu beschreiben. Das mag einen nicht unbedingt überzeugen, aber dieser Nachdruck, der in dieser weltanschaulichen Betrachtung auf die Sozialgeschichte gelegt wurde, hat doch sehr viel Erhellendes und Wichtiges angestoßen und zu Tage gebracht. Schaut man heute auf die durchaus aktuelle Literatur zur Sozialgeschichte des Römischen Reiches, so kann man damit bzw. mit den zahlreichen Einzelstudien Bibliotheken füllen. Wer die Mühe nicht scheut, das umfangreiche deutschsprachige Standardwerk von Géza Alföldy (G. Alföldy, Römische Sozialgeschichte, 4. Aufl. 2011) zu lesen, wird reich belohnt. Es erschließt sehr anschaulich einen großen Teil der sozialen Wirklichkeit des Römischen Reiches.

Die Verführung, Verbindungen zur Jetztzeit zu ziehen und entsprechende Vergleiche anzustellen, ist groß. Tut man dies mit der gebotenen Vorsicht, eben nicht vorschnell Ungleiches gleich zu setzen, so eröffnen sich vielfältige Perspektiven auf unsere politischen Wirklichkeiten, die zeigen, dass Vieles gar nicht so neu ist, dass es tatsächlich vergleichbare Strukturen und Verhaltensweisen gibt über die Jahrtausende hinweg. Vor allem im Blick auf den Umgang mit Macht lässt sich viel Erkenntnis gewinnen. Hier fällt das Gleichartige besonders in die Augen. Was zu Beginn der Renaissance Niccolò Macchiavelli in seinem „Il Principe“ auf den Begriff gebracht hat, galt schon Jahrhunderte vorher – und gilt offenbar ebenso Jahrhunderte nach ihm. Es gibt offenbar so etwas wie Grundstrukturen des Umgangs der Menschen mit Macht und Gewalt, die sich trotz Humanismus und Aufklärung kaum geändert haben. Wen das erschreckt, der hat sich offenbar bisher über die Grundstrukturen des Menschlichen getäuscht. Jedenfalls gibt es keinen Anlass, erst das 20. Jahrhundert als das „Jahrhundert der Gewaltexzesse“ zu kennzeichnen. Massive Gewalt zur Durchsetzung von Macht ist offenbar zu allen Zeiten erste Wahl derer, die herrschen (wollen).

Öffentlichkeit, Demokratie, bürgerschaftliche Diskurse, Zivilgesellschaft, Kommunikation durch neue Medien – auch dies ist als Gegengewicht gegen die Gewalt der Mächtigen stets in irgend einer Form da gewesen, heute hoffentlich kraftvoller als früher. „Hoffentlich“, schreibe ich, denn sicher bin ich mir da keineswegs. Die römische Gesellschaft baute auf Besitz, auf Grundbesitz, und schon damals floß Geld zu Geld. Auch heute noch ist „Grundbesitz“ eine wesentliche Ressource des Reichtums, wenn auch nicht die einzige und auch nicht mehr in Form „preußischer Junker“, sondern als BHP, Exxon und Gazprom – und all derer, die sich daran teilhabend bereichern. Wie Reichtum entsteht und bewahrt, wie er geraubt und verteidigt wird, das zeigen sozialgeschichtliche Studien mit aller Deutlichkeit. Man müsste sich dazu mehr Gedanken machen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 22. Februar 2013  Posted by at 12:09 Geschichte, Politik, Rom Tagged with: , , , ,  Kommentare deaktiviert für Unvergleichliche Geschichte
Feb 112013
 

Zweimal im Wochenabstand hat Günther Jauch das Thema Katholische Kirche in seiner Sendung gehabt. Den thematischen Anlässen gilt mein Zwischenruf nicht. Dazu hat heute Morgen zum Beispiel in FAZ Online Frank Lübberding Treffendes und Treffliches geschrieben. Ich wende mich vielmehr der Zurückhaltung des EKD-Ratspräsidenten Nikolaus Schneider zu. Er vertrat „den“ Protestantismus in der Runde. Seine Loyalitätsadresse (so muss man es ja wohl nennen) an den katholischen „Partner“ ist mir unangenehm aufgestoßen. Wenn ein Protestant nicht mehr zu dem aktuellen Zustand des Katholizismus zu sagen hat, dann ist das recht erbärmlich. Höflichkeit in allen Ehren, aber ein klarer Standpunkt hätte in der Runde durchaus vertreten werden dürfen. Vielleicht fühlt sich der EKD-Ratspräsident aber ebenfalls viel zu sehr in der Defensive seines Glaubens, als dass er gegenüber diesem Katholizismus noch aufzumucken wagte.

Jauch

Jauch

Es sei nur daran erinnert, dass sich das Wort „Protestant“ vom Protest, vom Widerstand der „Evangelischen“ Reichsstände gegen die katholische Mehrheit auf dem zweiten Reichstag in Speyer 1529 herleitet. Kaiser Karl V. hatte hier den aufweichenden Beschluss des ersten Speyrer Reichstages bezüglich des Wormser Edikts (1521, Reichsacht über Martin Luther) durch eine harte, konservative Regelung rückgängig machen wollen. Dagegen protestierten die evangelischen Fürsten und Reichsstädte. Das war die Geburtsstunde zumindest der Bezeichnung „Protestanten“. Der Sache nach traf das aber viel tiefgründiger. Aus unterschiedlichsten Interessen heraus hatten sich der Reformator Martin Luther mit seinen Anhängern und eine Reihe von Reichsfürsten und freien Reichsstädten gegen die katholische Mehrheit verbündet. Man lese Einzelheiten dazu an geeigneter Stelle nach (Wikipedia zum Beispiel). Es hatte dem theologisch und biblisch begründeten Widerstand Luthers gegen den herrschenden römischen Katholizismus eine wirkungsvolle politische Basis verliehen. Aus dem „kleinen Mönchlein“ aus Erfurt bzw. Wittenberg war eine machtpolitische Größe geworden, ohne die die Entstehung des Protestantismus und der protestantischen (Landes-) Kirchen nicht möglich gewesen wäre. Ohne hier auf die kontrovers diskutierten verwickelten geschichtlichen Verhältnisse und Prozesse der „Reformationszeit“ eingehen zu können bzw. zu wollen, kann man doch so viel sagen: Keimzelle des Protestantismus war das Aufbegehren, der innerkirchliche und dann sogar machtpolitische Widerstand gegen eine als verrottet und unreformierbar erlebte römisch-katholische Kirche.

Nun, damit sind wir bei allen Unterschieden der heutigen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, in denen sich Katholizismus und Protestantismus arrangieren, gar nicht so weit von der Zeit vor 500 Jahren entfernt. Heute deutlicher als noch vor wenigen Jahrzehnten wird die Katholische Kirche in großen Teilen als ein moralisch verrottetes, konservativ verknöchertes, offenbar dem puren Selbsterhalt der kirchlichen Macht alter Männer dienendes System sichtbar. Wahrlich ein Anlass zu „Protestation“ und Widerstand! Die faktische Bedeutungslosigkeit und Selbstüberschätzung der katholischen Amtsträger beschreibt Lübberding sehr zutreffend: „Im Grunde nimmt man ihn [den kath Klerus] nur noch ernst, weil er halt noch da ist.“ Offenbar sind heute Journalisten und Medienleute die besseren und sachgerechteren „Protestanten“. Den Auftritt von Nikolaus Schneider empfand ich als „Protestant“ nur als peinlich berührendes Wegducken. So kann man auch als Protestant heute keinen Blumentopf gewinnen.

Der Protestantismus wollte bei seinem Aufbruch die „bessere“ christlich-kirchliche Alternative sein. Ob ihm das in knapp 500 Jahren gelungen ist, mag man mit Fug und Recht bezweifeln. Zumindest war er aber oft genug der Stachel im Fleisch einer saturierten und strukturell erstarrten Christenheit, wie sie sich im zumal deutschen Katholizismus zeigte und zeigt. Es wäre an der Zeit, gerade auch im Blick auf das 2017 anstehende Reformationsjubiläum, als Protestant christlich und kirchlich, freiheitlich und persönlich (auch personell!) „klare Kante“ zu zeigen, insbesondere gegenüber dem morbiden römischen Katholizismus. Unsere Gesellschaft hätte das durchaus nötig, das heutige Christentum sowieso. Den typischen Katholizismus, zu allerletzt den eines Martin Lohmann, haben sie, haben wir aber wirklich nicht verdient.

 

UPDATE 13:00h

Mein Zwischenruf wird von der Wirklichkeit überholt: Papst will zurücktreten
http://www.n-tv.de/panorama/Papst-Benedikt-XVI-gibt-Pontifikat-auf-article10098531.html

 11. Februar 2013  Posted by at 11:50 Katholisch, Kirchen, Protestantismus Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Zwischenruf: Religion bei Jauch
Dez 072012
 

In den letzten Jahren liest man im Blick auf das „alte“ Europa viel vom Niedergang des Christentums im Allgemeinen und der Kirchen im Besonderen. Desinteresse und Skandale, ein verändertes Lebensgefühl und gewandelte Wertvorstellungen haben zu einem drastischen Schrumpfen der großen christlichen Kirchen beigetragen. Engagierte Mitglieder und Funktionäre der Kirchen merken das alljährlich deutlich an den schrumpfenden Budgets und der sinkenden Personaldecke. Deutschland – ein christliches Land? Diese Aussage scheint der Vergangenheit anzugehören. Nur noch 62% aller Bundesbürger gehören einer christlichen Konfession an, 59% einer der beiden großen Kirchen (katholisch bzw. evangelisch). [Hier und im Folgenden beziehe ich mich auf die bei Wikipedia zusammen gestellten Zahlen, Aktuelleres findet man unter dem Stichwort Statistik auf den Webseiten der Deutschen Bischofskonferenz, der EKD sowie des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes REMID.] In den östlichen Bundesländern im Bereich der ehemaligen DDR sind es gar nur noch um die 20%, Ausnahme Thüringen mir etwas über 30% Kirchenmitgliedern. Da alle übrigen Religionsgemeinschaften kaum 7% der Bevölkerung erreichen (davon allein 4 Mio. = 5% Muslime), sind inzwischen rund ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands „konfessionslos“. Die weiterhin sinkenden Mitgliederzahlen der Großkirchen, schubweise durch Skandale und kontinuierlich durch die demographische Entwicklung verursacht, scheinen den Trend der Entkirchlichung oder gar der Entchristlichung des Kontinents Europa unumkehrbar zu machen. Deutschland, das Land der Reformation, wird zum christlich-kirchlichen Problemfall, sogar zum Sonderfall, denn weltweit sieht die Bilanz der christlichen Konfessionen ganz anders aus, nämlich zahlenmäßig positiv wie in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Da passt es denn, dass hierzulande alljährlich darüber geklagt wird, wie sinnentleert und „unchristlich“ doch das Weihnachtsfest als reines „Konsumfest“ geworden sei.

Man kann diese Zahlen und Fakten aber auch ganz anders sehen.

Die Katholische Kirche und die Evangelischen Kirchen haben derzeit jeweils rund 24 Millionen Mitglieder, das sind 59% der Bevölkerung. Weitere christliche Kirchen und Gemeinschaften machen ca. 2 Millionen aus, so dass man auf knapp 62% Mitglieder christlicher Kirchen und Gemeinschaften in Deutschland kommt. Regional ist das natürlich recht verschieden (Bayern: 76% Kirchenmitglieder, Sachsen-Anhalt 18% Kirchenmitglieder). Aber schauen wir einmal nur auf die Gesamtzahl in Deutschland. Mit jeweils 24 Millionen = zusammen 48 Millionen Mitgliedern sind die beiden traditionellen Kirchen die mit Abstand größten gesellschaftlichen Organisationen überhaupt. Die nächst größere Organisation dürfte der Deutsche Sportbund sein, der 27 Millionen Mitglieder vertritt (Wikipedia). Danach kommt der  ADAC mit über 18 Millionen Mitgliedern (Wikipedia). Dann kommt wieder lange gar nichts, und danach folgen die Gewerkschaften, die 6,2 Millionen Mitglieder (DGB) repräsentieren. Und noch einmal mit deutlichem Abstand folgen die politischen Parteien, die insgesamt ca. 1,2 Millionen Mitglieder vertreten. Das zeigt überdeutlich: Die christlichen Kirchen mit ihrem hohen Organisationsgrad haben in unserer Gesellschaft die mit großem Abstand meisten Mitglieder. Sie sind zudem der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem Öffentlichen Dienst mit 1,3 Millionen Beschäftigten bei Kirchen und ihren Wohlfahrtsverbänden (Caritas, Diakonie). Insofern ist es keineswegs übertrieben zu sagen, dass die christlichen Kirchen in Deutschland mit Abstand die zahlenmäßig größten und gesellschaftlich bedeutendsten Organisationen sind. „Unchristliches“ Deutschland?

Christentum

Christentum (Wikipedia)

Man mag einwenden, dass hier Äpfel und Birnen verglichen werden, dass die bloßen Zahlen wenig über die tatsächliche Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz aussagen. Der Einwand ist nur zum Teil berechtigt, denn natürlich bewegen sich Kirchen, Sportler, Gewerkschaften und Parteien in recht verschiedenen Feldern der Gesellschaft. Zudem mag man erklären, dass die Parteien laut Grundgesetz an der „politischen Willensbildung“ mitzuwirken haben und damit in gewisser Weise dem Gemeinwohl verpflichtet sind; das versuchen sie zumindest in ihrer Programmatik abzubilden. Doch Sportvereine sind ja nicht in erster Linie Produzenten von Leistungssport, sondern Aktionsfeld des Breitensports, der Freizeitgestaltung, der Gesundheitsvorsorge, der Geselligkeit und Freundschaften. All dies gehört wohl auch zum „Gemeinwohl“. Selbst eine Interessenvertretung wie der ADAC mit seiner enormen Mitgliederzahl repräsentiert eine große Gruppe in der Bevölkerung, für die autofahrende Mobilität beruflich und privat wichtig ist – und wer wollte bestreiten, dass Verkehr und Mobilität gesellschaftlich „relevante“ Aufgabenbereiche sind? Ähnliches gilt ja für die Gewerkschaften, die zwar auch „nur“ Partikularinteressen vertreten, aber eben die der in ihnen organisierten Arbeitnehmer, deren Interessen sich mit der noch viel größeren Zahl der Nichtorganisierten zumindest überschneiden. Die „Tarifautonomie“ gehört unbestritten zu den Errungenschaften unserer freiheitlichen Demokratie, ergo gesellschaftlich relevant und insgesamt ebenfalls im Interesse des Gemeinwohls.

Und die Kirchen? Abgesehen davon, dass sie in den vielfältigen Aufgabenbereichen der sozialen Dienste in Caritas und Diakonie wichtige gesellschaftliche Funktionen wahrnehmen, dass sie im Bereich von Erziehung und Bildung insbesondere bei Kindergärten / Kindertagesstätten, aber auch im Bereich von Schulen und Hochschulen engagiert sind, scheinen sie zudem immerhin die religiösen Bedürfnisse des größten Teiles der Bevölkerung erfolgreich zu befriedigen – „erfolgreich“ im Blick auf die Zahlen. Platt gesagt: Wenns nicht „erfolgreich“ wäre und also keine Nachfrage befriedigte, würden noch mehr Menschen austreten. Tun sie nicht, also in diesem Sinne „erfolgreich“ oder „positiv“. Alles Nörgeln und Kritisieren der angeblichen Rückständigkeit und Traditionsverhaftung der Kirchen führt nicht an der Erkenntnis vorbei, dass die Großkirchen nach wie vor eine gesellschaftliche Macht erster Ordnung darstellen. Sie klein oder schlecht zu reden offenbart nur einen erheblichen Mangel an Wahrnehmung und / oder in der Einschätzung der mit Zahlen belegten Fakten. Ich wende mich damit keineswegs gegen mögliche und nötige Kritik, im Gegenteil. Sie sollte aber fundiert sein und die nach wie vor gültige gesellschaftliche Kraft und Bedeutung der christlichen Kirchen und damit des Christentums bei uns sachgemäß einschätzen. Der Abgesang kommt jedenfalls zu früh.

Ein kleines Gedankenspiel zum Schluss: Was würde diese Erkenntnis der Relevanz der aufgeführten gesellschaftlichen Gruppen beispielsweise für die Besetzung der Rundfunkräte bedeuten? Derzeit sollen die politischen Vertreter verringert, aber die parteiangehörigen Vertreter beibehalten werden, dabei haben die Vertreter politischer Gremien wenigstens eine gesellschaftliche Legitimation, die Parteienvertreter dagegen kaum. Eigentlich müssten dort, wenn es nur um die größenmäßige gesellschaftliche Relevanz von Gruppen geht, viel mehr Vertreter von Kirchen, Sport und ADAC sitzen… Das ist gesellschaftlich aus gutem Grund so nicht gewollt. Das Beispiel soll nur zeigen, welche Relevanz gesellschaftliche Organisationen haben könnten, wenn wir auf ihre zahlenmäßig belegte Bedeutung schauen. Und es zeigt: Unsere Wahrnehmung ist da bisweilen etwas verzerrt, quantitativ unterbelichtet gewissermaßen.

 7. Dezember 2012  Posted by at 13:51 Gesellschaft, Kirchen, Religion Tagged with: , , , , ,  Kommentare deaktiviert für Gesellschaftliche Macht
Okt 022012
 

Wir haben uns daran gewöhnt, in einer „christlich – abendländischen“ Tradition zu leben. Unsere europäische Welt ist aus dem „christlichen Abendland“ hervor gegangen, heißt es. Manche bezeichnen auch die Gegenwart noch als geprägt durch die „christlich-abendländischen Werte“. Dies wird mit besonderer Emphase gegen den Satz ins Feld geführt, der Islam gehöre zu Deutschland. Ganz abgesehen davon, dass es ziemlich unklar bleibt, welches denn die christlich-abendländischen Werte eigentlich sind, denen man sich verpflichtet fühlt, dient der Begriff „christliches Abendland“ eher als Parole in einem kulturpolitischen Abwehrkampf denn als klare Beschreibung einer geschichtlichen Wirklichkeit. Das so oft bemühte Bild vom „christlichen Abendland“ bedarf einer grundlegenden Revision.

In einem Kommentar von Thomas Urban in der heutigen Süddeutschen Zeitung (02.10.12 S. 3) über das Streben einiger spanischer Regionen nach Unabhängigkeit lese ich folgendes:

Auch im heißen Andalusien, der bevölkerungsreichsten Region Spaniens, hat sich ein starkes kulturelles Bewusstsein entwickelt. Es schöpft seine Kraft aus der Rückbesinnung auf das maurische Erbe. Dieses wurde jahrhundertelang im katholischen Spanien zerstört und aus dem Gedächtnis gestrichen. Doch nimmt ein wachsender Teil der heutige Elite Andalusiens das Kalifat von Córdoba und das Sultanat von Granada als Hochkultur wahr, die von Kastilien brutal zerschlagen wurde.

Averroes, aus Wikipedia

Genauer gesagt: Vom katholischen Kastilien wurde im Namen der Päpste und wiederholt unter dem Titel eines „Kreuzzuges“ das Unternehmen „reconquista“ durchgeführt (Hauptphase im 11. Jhdt.) zur „Rückeroberung“ Spaniens von den Mauren. Dies klingt nach einer Episode spanischer Geschichte in einem „Winkel“ Europas. Das Gegenteil ist der Fall. Die „Mauren“ in Spanien haben in einem kaum hoch genug zu schätzenden Ausmaß Wissenschaft, Denken und Kultur Europas insgesamt geprägt und beeinflusst, ja man kann zuspitzen: überhaupt erst ermöglicht.

Die Entwicklung des abendländischen Denkens ist ohne die Rezeption der arabisch-islamischen Kultur überhaupt nicht zu verstehen. Die Kenntnis der griechischen Philosophie, der indischen Mathematik, der morgenländischen Medizin und Astronomie gelangte ausschließlich über das maurische Spanien, also über Al-Andalus zu uns. Die Wiederentdeckung des Aristoteles war überhaupt erst möglich, seit man seine Schriften zuerst aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzte (Übersetzer-„Schule“ von Toledo), ehe man Jahrhunderte später während der Renaissance nach den griechischen Originalen stöberte. Bis dahin waren von Aristoteles nur die Logik und Dialektik bekannt, „propädeutische“ Schriften gewissermaßen. Insofern war dann auch die Wiederbelebung der Antike im 14. und 15. Jahrhundert (Renaissance) nur auf dem Hintergrund der spanisch-arabischen Vermittlung möglich.

Es ging nicht nur um die „alten“ griechischen Philosophen. Es ging um  das gesamte griechisch-hellenistische Erbe und seine Weiterentwicklung im arabisch-islamischen Kulturraum. Nachdem der oströmische Kaiser Theodosius 391/392 der griechisch-„heidnischen“ Tradition den Kampf angesagt und die griechische Philosophie unter Kaiser Justinian 590 verboten wurde (Schließung der „Akademie“ Athen), war das griechisch-römische Erbe mehr oder weniger verwaist. Die (uns heute völlig unbekannt gewordenen) islamischen Philosophen waren es, die sich dieses Erbes annahmen, es pflegten und weiter entwickelten: Alkindi (†873), Alfarabi (†950), Avicenna (†1037), Avepacem (†1138), Averroës (†1198) u.a.m. waren bedeutende Denker und Wissenschaftler, zum Teil Ärzte, in Bagdad, Teheran, Cordoba, Malaga, Fez, welche die Grundlagen für das mittelalterliche Denken und Wissen im Abendland legten. Ihre Schriften, besonders die Aristoteles-Kommentare des Averroës, wurden „Standardliteratur“ in dem geistesgeschichtlichen Aufholprozess des Abendlandes, der unter anderem in die sogenannte „Scholastik“, also „Schulphilosophie“, führte.

Das Denken und die Schriften der mittelalterlichen „Großen“ wie Thomas von Aquin (Rom, Neapel), Duns Scotus (Paris), Albert dem Großen (Köln) und Meister Eckhart (Erfurt, Straßburg, Paris) gründete auf der arabisch-griechische Philosophie und / oder stand in steter Auseinandersetzung mit ihr. Noch ein Nikolaus Cusanus (†1464), der als Ausklang des Mittelalters und Wegbereiter der europäischen Neuzeit gilt, fußt auf den Traditionen Avicennas und Averroës‘. Dies ist alles seit Jahrzehnten bekannt und wird entsprechend selbstverständlich seit langem in Philosophie und Geschichtswissenschaft diskutiert. Der „deutsche Mystiker“ Eckhart ist längst als Phantasieprodukt einer nationalen Romantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts entlarvt. Das Mittelalter und seine „Aufklärung“ im 13. Jahrhundert war sehr anders und viel lebendiger, als es uns heute meist im Gedächtnis ist (wenn überhaupt).

Die abendländische kulturelle Tradition speist sich also aus sehr unterschiedlichen Quellen und Strömen, das jüdische Erbe gehört dazu, das hellenistisch-römische, das islamisch-arabische, das christliche, um nur die Hauptlinien zu nennen. Darum ist es für das Verständnis und für die Kennzeichnung unserer abendländischen Tradition, ihrer Denkweisen und Werte, allererst abzuklären, welche Rolle das spezifisch Christliche dabei gespielt hat. Diese Rolle dürfte nüchtern betrachtet sehr viel negativer und ambivalenter ausfallen, als es der heutige Sprachgebrauch vermuten lässt. Die Spanier in Andalusien schicken sich an, ihr Geschichtsbild neu zu schreiben und das Erbe von Al-andalus wieder zu entdecken.

Dasselbe täte uns im Großen und Gesamt Europas not. Die abendländische Tradition ist ungemein vielfältig, widersprüchlich und verschlungen, viele uns heute selbstverständliche Denkweisen mussten oft erst gegen die „Mächte“ (vor allem Roms) errungen werden. Das „christliche Abendland“ ist ein apologetisches Zerr- oder Wunschbild (je nach Standpunkt) unserer Neuzeit. Zur Gewinnung einer sachlichen, nüchternen und religions-neutralen Betrachtung aber ist eine Revision unseres traditionellen Geschichtsbildes erforderlich. Es ist dran. Es täte uns  auch hinsichtlich der gegenwärtigen Diskussion um „Christentum“ und „Islam“ nur gut. Es wäre die Wiedergewinnung einer säkularen Geschichtsinterpretation.

 2. Oktober 2012  Posted by at 18:03 Europa, Geschichte, Kultur, Moderne, Neuzeit, Philosophie, Religion, Rom Katholisch, Wissen Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Revision eines Geschichtsbildes
Jun 292012
 

Drei Bemerkungen und eine Anregung zur weitergehenden Diskussion über das Kölner Beschneidungsurteil.

Die teilweise heftigen Reaktionen und Diskussionen auf die Berichterstattung zu dem Beschneidungs-Urteil der Kölner Richter (siehe vorigen Beitrag hier im Blog) offenbaren die erwartbaren Positionen. Da sind auf der einen Seite die Vertreter der Religionsgemeinschaften, insbesondere der betroffenen Juden und Muslime, die wie Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, oder Sprecher islamischer Verbände nach einem religiösen Ausnahmerecht rufen um der „Religionsfreiheit“ willen, übrigens in letzthin öfter gesehener Allianz mit der Katholischen Bischofskonferenz. Da sind auf der anderen Seite die zahlreichen Verteidiger des Urteils, überwiegend unter Berufung auf die allgemeine Verbindlichkeit und Gültigkeit der Menschenrechte, in diesem Falle des Rechts auf körperliche Unversehrtheit, und / oder auf die Grenzen, die auch der Religionsfreiheit gesetzt sind, die ja eine Freiheit des selbstbestimmten Einzelnen sei und nicht die vermeintliche Freiheit von Religionsgemeinschaften gegenüber dem Gesetz.

Drei Bemerkungen dazu:

1) Die Rufe nach einem Sonderrecht für Religionsgemeinschaften (Scharia?) sind schon etwas abenteuerlich, denn wodurch sollte ein solches Sonderrecht begründet werden? Allein die bestehenden Sonderrechte (Kirchen als Körperschaften Öffentlichen Rechts, Kirchensteuereinzug durch den Staat, Sonderrolle der Kirchen beim Arbeitsrecht, Eigenständigkeit eines Kirchenrechts „nach innen“) sind schon problematisch genug. Ihre Aufrechterhaltung nach 1945 ist nur aus der besonderen geschichtlichen Situation nach dem Ende des Nationalsozialismus zu erklären. Hier sind aber aufgrund der völlig veränderten gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen heute eher Veränderungen im Sinne der weiteren Begrenzung dieser Sonderrechte (vor allem im Arbeitsrecht) zu erwarten und zu wünschen, und keinesfalls eine Ausweitung.

2) Sowohl der Strafrechtler Putzke (siehe voriger Beitrag) als auch der ihn unterstützende Beitrag von Markus C. Schulte von Drach in der SZ (Gegenposition zu M. Drobinski) heben stark auf den „archaisch rituellen“ Charakter der Beschneidung ab. Hier gehe es um ein blutiges „Gottes-Opfer“ aus dem Kontext einer Gesellschaft vor über 4000 Jahren, das eine nicht rückgängig zu machende „Bevormundung“ der unmündigen Kinder darstelle und der aufgeklärten „Freiheit der mündigen Bürger“ widerspricht. Abgesehen davon, dass die Beschneidung religionsgeschichtlich weniger ein Gottesopfer als vielmehr ein Initiationsritus ist, dessen Schmerzhaftigkeit und prägender Erinnerungscharakter (Trauma) gerade ursprünglicher Sinn der Handlung ist, zeigt die sich in diesen Voten ausdrückende Haltung eine gewisse rationalistische Überheblichkeit gegenüber den Religionen. Wer einem religiösen Glauben anhängen möchte, darf das eigentlich nur als voll eigenverantwortlicher Erwachsener -, als sei religiöse Verbindlichkeit ein etwas antiquierter Makel, den man vernünftigen Menschen und kleinen Kindern schon gar nicht zumuten dürfe. Die Vertreter dieser Position sollten sich vielleicht etwas ernsthafter mit dem Phänomen der Religion und dem Sinn der Riten der Religionen beschäftigen. Die Tatsache, dass die Kirchen Mitglieder verlieren, bedeutet noch keineswegs, dass unsere Gesellschaft religionsloser würde: Im Gegenteil, die bunte Vielfalt religiöser Gruppen und Gemeinden und die Verbreitung esoterischer Interessen widerlegt den angeblichen areligiösen „Rationalismus“ unserer Gesellschaft augenscheinlich. Inwiefern diese Lebenswirklichkeit der Religionen mit der zu fordernden „weltanschaulichen Neutralität“ des Staates immer wieder kollidiert und die Grenzlinie zwischen Staat und Religion / Weltanschauung demnach immer wieder neu bestimmt werden muss, steht auf einem anderen Blatt. Es ist eine offenbar nie erledigte Aufgabe.

3) Unbehagen bereitet mir das Insistieren auf der „körperlichen Unversehrtheit“. Kein Missverständnis: das ist ein absolut wichtiges Grundrecht, dessen Beachtung und ggfls. strafrechtliche Durchsetzung für unsere Gesellschaft wesentlich ist. Aber die unbestrittene Rechtsnorm ist das eine, die faktische Erzwingung das andere. Warum sehen Rechtswissenschaftler und Richter jetzt den Zeitpunkt für gekommen, das, was „bisher [unter] einem gewissen Schutz … relativ ungestört vollzogen werden konnte“ (Putzke), nun vor den Schranken des Gerichts auszutragen? Die Feststellung, dass die Beschneidung „medizinisch sinnlos und unnötig sei“, kann allein der Grund kaum sein, denn das ist früher auch schon vertreten worden, oder ist man erst heute so weit, einer sehr eng geführten rein somatischen Konzeption von Gesundheit und Unversehrtheit entsprechen en zu können? Was ist mit der seelischen  Gesundheit und Unversehrtheit? Gehört die nicht zum „Körperlichen“? Bleibt ein umfassenderes psycho-somatisches Verständnis von Gesundheit und Unversehrtheit der Person nunmehr ausgeschlossen? Das wäre allerdings eine ganz erhebliche Gewichtsverlagerung, vielleicht sogar ein Paradigmenwechsel. Spielt da die weltanschauliche Dominanz des „physikalischen Realismus“ und die durch die Hirnforschung ausgelöste Debatte um „Geist und Gehirn“ eine Rolle? Welche durch diese juristische Neubestimmung damit zugunsten einer einseitigen Körper-Hirn-Ausschließlichkeit entschieden wäre?  Sicher ist jedenfalls, dass ein Verständnis von „körperlicher Unversehrtheit“, das auch die seelische, also psychische Gesundheit mit einbezieht, sehr viel schwieriger zu fassen und wahrscheinlich überhaupt nicht justitiabel wäre. Wie sollte man „Geborgenheit“, „Akzeptanz“, „Liebe“, „Zuwendung“ denn juristisch in der fälligen Beweisaufnahme fassen und bewerten? Oder ist der jetzt eingeschlagene Weg des Gerichts nur der Weg des geringsten Widerstands, der meint, dem „wissenschaftlichen Fortschritt“ entsprechen zu müssen?

Fazit: Vielleicht wäre das Kölner Gericht doch gut beraten gewesen, so weise zu entscheiden wie die Bundesrichter beim Verfassungs- und Verwaltungsgericht in der Frage des Schächtens (siehe voriger Beitrag). Denn hier wurde die Norm zwar behauptet, aber dennoch der Weg zu einer praktikablen und auflagenbewehrten Ausnahmeregelung für Religionsgemeinschaften beschritten. Könnte dieser Weg nicht auch in der Frage der Beschneidung gangbar sein? Wir werden sehen. Möglicherweise wird demnächst das Bundesverfassungsgericht zu entscheiden haben. Der gesellschaftliche Diskurs zu diesem Thema „Sinn und Grenzen der Religionen“ sollte weitergehen.

UPDATE 30.06.

Erstaunlich, auch in Israel gibt es eine kleine Bewegung gegen die Beschneidung, und das, wo das Judentum Staatsreligion und die Beschneidung gesetzliche Pflicht ist. Hier der FAZ-Artikel dazu.

UPDATE 01.07.

Ein differenziert argumentierender Beitrag von Marina Weisband mit einer recht typischen wenig ergiebigen Internet-Diskussion.

 29. Juni 2012  Posted by at 13:38 Freiheit, Geist, Gesellschaft, Hirnforschung, Kirchen, Kultur, Menschenrechte, Religion, Vernunft, Wissenschaft Tagged with: , ,  Kommentare deaktiviert für Reaktionen auf das Beschneidungsurteil
Jun 072012
 

„Es gibt keinen Gott im Netz.“ Na sowas! Das hat man doch immer so geglaubt, oder nicht? Über etwas Abseitiges in der Netzdiskussion. Über das Gewicht der Religion. Und über Wichtigeres für die politische Diskussion.

Ach ja, die Religion, noch immer treibt sie ihr Unwesen… (großer Seufzer) und wird noch immer nicht / immer weniger in ihrer Funktionsweise verstanden (noch größerer Seufzer). Wer offenkundig überhaupt nichts davon versteht, ist Sascha Lobo. In seiner jüngsten Spiegel-Online-Kolumne „Mensch – Maschine“ legt er in breiten Ausführungen beredt davon Zeugnis ab, dass er in Sachen Religion ein völliger Ignorant ist. Es geht um die in den letzten Woche durchs Netz geisternde Diskussion um den „quasireligiösen“ Charakter des Internet-Wunderglaubens mancher Nerds oder auch nur Technik-Freaks und ihrer politischen Ableger (Piraten). Andrian Kreye und Matthias Matussek hatten davon gesprochen und provokant, aber begründet darauf aufmerksam gemacht, dass manche Meinungen und Haltungen von Internet-„Anhängern“ (eben nicht nur „usern“) das Netz als neues Heilsversprechen begreifen, das die Übelkeiten der jetzigen Welt (Kapitalismus, Intransparenz, Unwissen) schlagartig beseitigen könne. Die Technikgeschichte zeigt immer wieder, wie das säkulare Bewusstsein im Glauben an die Macht der Technik religiöse Elemente eines Heilsglaubens übernimmt und „säkularisiert“. Dies geschieht immer wieder, und übrigens nicht nur im Bereich der Technik. Religion als Überwältigtwerden von etwas Größerem / Höherem (Schleiermacher sprach vom „Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit“) und Glaube an eine Erlösung aus allen Übeln ist offenbar tief im Menschen verwurzelt. Sie kann die unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen annehmen, dabei selten den Charakter eines unvermittelten Glaubens („ideologisch“) und eines tiefsitzenden Sendungsbewusstseins („missionarisch“) verleugnen. Dies könnte man vielmehr als die Erkennungszeichen religiöser Mentalitäten benennen. Dazu hat die Religionswissenschaft mit all ihren Spezialisierungen (Religionspsychologie, Religionssoziologie, Religionsphilosophie, Religionsgeschichte usw.) klärend beigetragen. Es ist durchaus bedeutsam, dass heute oftmals eher von Kulturwissenschaft gesprochen wird, weil „Religionswissenschaft“ zu unpräzise ist, um ein bestimmtes Gegenstands- und Aufgabenfeld zu beschreiben. Es ist vielmehr eine Querschnittsaufgabe anthropologischer Fundamentalwissenschaften, die Bedeutung der „Religion“, also religiöser Vorstellungen und Verhaltensweisen des Menschen, zu beschreiben, zu systematisieren und in ihren Formen und Wirkungen zu erkennen. Ins Blickfeld kommt dabei natürlich (!) Religion als ein mentales oder besser kulturelles Produkt des Menschen; etwas Übernatürliches ist im Bereich der Religions- und Kulturwissenschaften jedenfalls nicht zu finden.

Wenn nun Sascha Lobo den als Vorwurf verstandenen Aufweis religiöser Strukturen in Internet-Diskussionen und -Verheißungen mit dem Satz begegnen möchte „Im Internet gibt es keinen Gott“, dann ist das einfach dümmlich. Der Zusammenhang machts nicht besser:

Das gefährlich Religionsähnliche entsteht, wenn man vergisst, dass das Netz von Menschen absichtlich geschaffen ist und von Menschen gestaltbar. Jeder Pixel ist an seinem Platz, weil irgendjemand es so wollte (oder die Folgen nicht überblickte), irgendjemand ist verantwortlich, es gibt keinen Gott im Netz  und damit kein Schicksal, in das man sich klaglos fügen müsste. Es herrsche also der Zweifel, der Widerspruch: das Gegenteil des Glaubens. (Sascha Lobo, SpOn)

Nun, Glaube und Zweifel gehören immer zusammen, und „menschengemacht“ ist eben überhaupt kein Argument gegen Religion, sondern die heutige Beschäftigung mit Religion geht gerade davon aus, dass sie zum Menschen gehört wie Neugier, Sex und Wissenschaft. Ob der Einzelne den Gegenstand der Religion dann für sich selbst hypostasiert und subjektiv zu etwas Übernatürlichem erhöht, ist eine Frage der eigenen Befindlichkeit oder (salopp gesagt) des persönlichen Geschmacks. „Es gibt keinen Gott im Netz“ ist jedenfalls keine Aussage, die irgend etwas mit dem Nachweis religiöser Strukturen und Denkformen „im Netz“ zu tun hat. Auch der Atheist, der sagt: „Es gibt keinen Gott.“ kann zutiefst religiös sein; meist ist das religiöse „Objekt“ nur verschoben. So vertrackt ist das mit der Religion. Abgesehen von der Vielzahl religiöser und religiös-fundamentalistischer Webseiten (Religiöses steht da an zweiter, manche behaupten sogar an erster Stelle der Anzahl und Verbreitung von Webseiten) hat das auch niemand behauptet. [Nebenbei: Vielleicht ist nur der absolute Skeptiker, der für sich jeden, aber auch wirklich jeden gewissen Erkenntnis- und Lebens- Wert ausschließt, wirklich areligiös; aber obs den wirklich gibt, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.] Sich mit religiösen Strukturen und Verhaltensweisen im Netz und seitens der Netizens zu beschäftigen, ist also eine durchaus sinnvolle Aufgabe; sie geht natürlich weit über die knappen Bemerkungen von Andrian Kreye und Matthias Matussek hinaus. Wenn sich dann ein angeblich nüchtern-gottloser Netzaktivist von der Diskussion genervt wie folgt äußert, dann zeigt das nur, dass man mit dem Thema offensichtlich ins Schwarze getroffen hat.

„Nach der großen Spirtualität, dem AllEinen und diversen Analogien, die schwefliger und hinkender kaum sein können, wäre es jetzt an der Zeit, wenn die Phärisäer und die Sadduzäer des Internet ihre Brotzeit einpacken und weiterziehen zur Nanotechnologie, synthetischen Biologie oder sonstwohin. Ich kriege langsam Plaque wegen all diesem Gebelle.“ +Jörg Wittkewitz

Wie heftig Religionen unsere ach so säkularen Gesellschaften der Moderne (und meinetwegen auch der Postmoderne oder welcher Moderne auch immer) sogar im aufgeklärten Westeuropa gestalten, zeigt sich gerade heute wieder, an diesem merkwürdigen kirchlichen Feiertag Fronleichnam. Im Internet, zum Beispiel bei Wikipedia, aber auch an vielen anderen Stellen, kann man sich recht schnell darüber orientieren, dass dieses katholische Fest die Feier der Selbstermächtigung der römischen Kirche über Heil und Ewigkeit ist. Nach dem Anspruch der klerikalen Macht, durch den Priester das reale Brot in den ebenso realen „Leib Christi“ zu verwandeln (dogmatisiert auf dem IV. Laterankonzil 1215), folgte die Proklamation des Festes des „heiligen Leichnams“ auf dem Altar als allgemeiner Feiertag der katholischen Christenheit durch Papst Urban IV, 1264. Fronleichnam gehört damit seit Jahrhunderten zum Kernbestand katholischen Kirchen- und Heilsverständnisses. Während der Gegenreformation beim Trienter Konzil (1545 – 1563) wurde es nocheinmal betont als Abgrenzung gegen jeglichen „Protestantismus“. Fronleichnam gehört also zum „Markenkern“ der katholischen Kirche und Frömmigkeit. Das sei nur betont, damit mit niemand so tue, als ginge es heute bei den Prozessionen nur um frommes Brauchtum oder irgendein frömmlerisches Allotria. Fronleichnam ist nach kirchlichem Selbstverständnis immer eine Machtdemontration der römisch-katholischen Kirche (die Orthodoxie kennt ein solches Fest nicht), eine antisäkulare Selbstdarstellung des christlichen Glaubens römischer Provenienz in einer säkularen Welt. Noch knapp die Hälfte der Bundesländer in (Süd-) Deutschland begeht dieses Fest als gesetzlichen Feiertag. Wenn sich also jemand über das religiös-kirchliche „Gebelle“ (Wittkewitz) aufregen möchte, dann hätte er hier viel Gelegenheit dazu.

Aber dies ist nicht wirklich wichtig. Niemand will den katholisch-frommen Süddeutschen einen arbeitsfreien Tag madig machen. Irgendwann wird die teilweise immer noch „barocke“ Mentalität vieler kirchlichen Süddeutschen von selber auf den Trichter kommen, was ihnen die Kirchen eigentlich heute noch zumuten. Viel wichtiger sind Nachrichten, nur so zufällig heute Morgen herausgegriffen, wie diese: Die SCHUFA will mit Facebook-Datensammlungen so richtig Kasse machen. Datenbeauftragte und Verbraucherschützer sind entsetzt über diese „Grenzüberschreitung“. Astrid Kasper, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Schufa, kann dagegen nichts Schlimmes an der Ausforschung finden. Es gehe lediglich „um die wissenschaftlichen Möglichkeiten der Einsichtnahme, aber auch der Bewertung von Informationen aus dem Netz“. (so in der Berliner Morgenpost). Das wäre doch ein Punkt zum Nachdenken und zu kritischem Engagement, Freunde! (siehe +Christoph Kappes‘ besonnene Beurteilung dazu.) Oder auch diese Meldung hier: „Erde steht vor dem Kollaps.“ Es gibt also wahrlich genug Sinnvolles zu tun. Weniger das Göttliche im Netz als das Menschliche auf der Erde steht an. Und wenn das Netz dabei als Technik und Werkzeug helfen kann, umso besser!

UPDATE: Diskussion dazu bei Google+.

 7. Juni 2012  Posted by at 10:36 Internet, Kultur, Religion, Rom Katholisch Tagged with: , ,  1 Response »
Mai 012012
 
Walpurgisnacht und Hexenverfolgung, zwei Themen, die eng zusammen gehören und zeigen, dass die Kirchen ihre Schularbeiten in Sachen Bewältigung schuldvoller Vergangenheit immer noch nicht gemacht haben.

Die Nacht zum 1. Mai, „Walpurgisnacht“, ist dieses Jahr offenbar in den Großstädten friedlich abgelaufen. Sehr erfreulich, denn ausgelassenes Feiern war von jeher ein Kennzeichen der Walpurgisnächte und den losen und frivolen Tagen des Monats Mai. Erst die kirchliche Verdammung und Verleumdung dieser Frühlingsfeiern als „Hexensabbat“ hat die negative Bewertung begründet. Und in den vergangenen Jahren kam in den einschlägig bekannten Stadtvierteln der ideologische Missbrauch mit der Lust zum Krawallmachen hinzu.

Interessant ist der ausführliche Beitrag in Welt Online zur Erklärung der Herkunft des „Hexensabbat“. Das Kapitel Hexen und Hexenverfolgung gehört nun wahrlich nicht zum Ruhmesblatt der Kirchengeschichte, dabei lassen sich die Bräuche der keltisch-germanischen Walpurgisnächte ohne weiteres mit den klerikalen Usancen zu Fronleichnam vergleichen: Über Glaube und Aberglaube entscheidet bekanntlich nur der sachlich nicht aufzuklärende eigene Standpunkt.

Wie wenig sich die Kirchen mit der Skandalgeschichte der Hexenverfolgung auseinander gesetzt haben, zeigt ein kurzer Blick auf die offiziellen Webseiten: Bei der Suche auf der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz findet sich zum Begriff „Hexenverfolgung“ nur ein Eintrag: In einer Predigt vom 23.09.2004 vertrat Erzbischof Schick die Ansicht, dass der Kritiker nur „die Hexenverfolgungen kennt – und das noch einseitig – und nichts von den Segnungen des Christentums und der Kirche im Schul- und Erziehungswesen, im Krankenhaus- und Sozialwesen, bei der Formulierung und Inkraftsetzung der Menschenrechte weiß?“ Ja, zu dumm, dass man über die Hexenverfolgungen nur „einseitig“ informiert wird. Übrigens ist es falsch, diese Verfolgungen ins „finstere Mittelalter“ zu verlegen. Sie geschahen im Zeitalter der Barock, im 17 bis ins 18. Jahrhundert hinein, also schon mitten in der glorreichen Neuzeit.

Auf den Webseiten der Evangelischen Kirche (EKD) finden sich zum Suchbegriff „Hexenverfolgung“ vierundzwanzig Einträge zu jüngeren Texten, die sich mit der (selbst)kritischen Aufarbeitung der Hexenverfolgung befassen. Immerhin, denn dieser Hexenwahn wurde auch von evangelischen Geistlichen befördert. Noch radikaler geht die Berner Pfarrerin Renate von Ballmoos mit der Walpurgisnacht um, wenn sie in diesem Jahr mit einer Kollegin dazu aufruft, die Walpurgisnacht als Fest der Frauen und der Lebensfreude zu feiern und es so begründet:

„Die Walpurgisnacht ist ein Fest, an dem man traditionellerweise die weibliche Kraft feierte. Dabei geht es um Fruchtbarkeit, Sexualität und Lebensfreude, was in jeder patriarchalisch geprägten Religion verpönt war. Deshalb ist die Walpurgisnacht, oder Beltane wie das Fest bei den Kelten hiess, auch das einzige der acht Jahreskreisfeste, das die Kirche nicht übernommen hat.“

Ja ihr Lieben, das hat was! Das unterscheidet sich wohltuend von dem etwas gequälten Umgang mit Walpurgis und Lebensfreude und Fruchtbarkeit, das noch der frühere EKD-Bischof Huber an den Tag legt, wenn er in seinen Gedanken zum 1. Mai  2007 erklärte:

„Erich Kästner nennt den Mai den „Maler des Kalenders“; denn kein anderer Monat hält schönere Farben bereit. Manche verbrämen den „Tanz in den Mai“ zu einer pseudoreligiösen „Walpurgisnacht“-Party. Als ob sie die hellen Farben des Frühlings nicht aushalten könnten!“

So schnell kommt der Klerikale nicht aus seiner weltfremden und sexfeindlichen Haut, auch nicht auf protestantischer Seite, obwohl man es hier besser wissen müsste, was das Symbol der „Fleischwerdung “ auch bedeuten könnte, siehe Frau von Ballmoos. Da kommt der frauenfeindliche Katholizismus natürlich nicht mit, der sich nach wie vor schwer tut, seine eigenen pädophilen Priester in Zaum zu halten. Gerade erst wurde wieder ein Bamberger Domkapitular, also ein höherer katholischer Amtsträger, wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen von einem Kirchengericht (!) in den Ruhestand versetzt. Warum eigentlich Kirchengericht und nicht ziviles Gericht? Ach ja, in Bayern ticken die Uhren immer noch anders – kerikal verstellt.

Es ist sehr zu unterstreichen, was der eingangs zitierte Welt-Artikel von Claudia Becker eindrucksvoll beschreibt:

„Was die verschiedenen Bürgerinitiativen und Vereine aber von den Kommunen und Kirchen verlangen, ist die Ehrenrettung der Frauen und Männer, die der Verfolgung zum Opfer gefallen sind. 1996 machte die hessische Stadt Idstein den Anfang. Eine Gedenktafel wurde am Hexenturm angebracht, bei einem ökumenischen Gottesdienst bekannte die Kirche, dass hier großes Unrecht geschehen war. … Ein Stein, das ist vielen Kämpfern für die Ehrenrettung der vermeintlichen Hexen nicht genug. Zu ihnen gehört der evangelische Theologe Hartmut Hegeler. Der pensionierte Pfarrer aus Unna, Gründer des „Arbeitskreises Hexenprozesse“, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren mit Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen für das Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung.“

Das wäre ein angemessenes Thema für kirchliche Gedanken zur Walpurgisnacht!

 1. Mai 2012  Posted by at 10:35 Hexenwahn, Katholisch, Missbrauch, Protestantismus, Sexualität, Zivilgesellschaft Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Der Pakt mit dem Teufel
Apr 062012
 
Die  Kirchen sollten ihr Glaubensangebot etwas bescheidener als ein pluralistisches Sinnangebot unter vielen darstellen. Alles andere ist Dogmatismus oder schlimmer noch: christlicher Fundamentalismus. Ob nun evangelikal oder päpstlich: darin zeigt sich nur der arroganter Herrschaftsanspruch einer vormodernen Tradition. Dem sollte gerade zu Ostern widersprochen werden.

Es ist schon merkwürdig: Alle Jahre wieder zu den sogenannten „hohen“ christlichen Feiertagen machen sich die klassischen Medien Zeitung, Radio, Fernsehen zum Diener des Christenglaubens.  Da werden auf einmal in den Nachrichten Glaubensinhalte als „news“ verbreitet. Der Papst wäscht 12 Priestern die Füße, „so wie es der Überlieferung nach Jesus am Gründonnerstag beim Abendmahl getan hat“. So etwa wurden in der Tagesschau Bilder aus dem Petersdom kommentiert. Entsprechendes kann man dann zum Karfreitag und bei den Nachrichten über das Osterfest hören und sehen, wo Christen (immerhin, diese Einschränkung wird heute gemacht) „die Auferstehung Jesu feiern“. Das bedeutet die Vermischung von Glaubensaussagen mit Tatsachenbehauptungen. Und dies sollte es eigentlich in religiös neutralen Medien nicht mehr geben. Es ist nur Liebedienerei vor dem Universalanspruch des christlichen Weltbildes seitens der Kirchen und ihrer Amtsträger, insbesondere des Papstes.

Religiöse Weltbilder beruhen auf Glaubensinhalten, die sich entweder dem Bereich vernünftigen Weltzugangs entziehen und / oder im Bezug auf gegebene Wirklichkeit symbolischen Charakter haben, also Deutungsmuster der Wirklichkeit liefern. Glaubensinhalte haben es aber nie mit Tatsachen zu tun, die in Raum und Zeit eindeutig als Geschehen zuzuordnen sind. Wenn Religion dies tut, für ihre Glaubensgegenstände faktische Tatsächlichkeit im Sinne allgemein vernünftiger Zugänglichkeit und Verifizierbarkeit zu behaupten, dann begeht sie eine unzulässige Grenzüberschreitung. Religiöse Menschen und Funktionäre der Kirchen mögen das als legitim und ihrer „Sache des Glaubens“ gemäß ansehen, aber dagegen muss sich die säkulare, historisch aufgeklärte Vernunft entschieden wehren. Glaubensinhalte und sogenannte „Glaubenstatsachen“ können keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und vernünftige Anerkenntnis erheben. Was geglaubt wird, liegt im Bereich der Religionen und ihrer Anhänger. Die tatsächlichen Dinge, die eben als solche „der Fall sind“, gehören in den Bereich der menschlichen Ratio, des vernunftgeleiteten Weltzugangs und Weltwissens.

Beide Bereiche, in Stichworten „Glauben und Wissen“, eben gewissenhaft zu trennen und keine Übergriffe zu dulden, weder von Seiten des Glaubens in den Bereich z.B. der Naturwissenschaft noch von Seiten der Wissenschaft in den Bereich geglaubter Sinngehalte, gehört zu den Errungenschaften aufgeklärten Denkens und zu den Grundlagen der Neuzeit. Religion ist in Sachen des Glaubens so frei, wie es die Wissenschaft im Bereich der Vernunfterkenntnis und tatsächlicher Weltbewältigung ist. Ein Übergriff der säkularen Vernunft gegenüber dem religiösen Glauben welcher Provenienz auch immer wäre ein zu kritisierender rationalistisch-dogmatischer Säkularismus; ein Übergriff des Glaubens auf den Bereich vernünftiger Welterkenntnis und Weltbewältigung wäre ein ebenso zu kritisierender religiös-dogmatischer Fundamentalismus. Gerade die katholische Kirche tut unter ihren letzten Päpsten alles, um diesem religiösem Dogmatismus wieder zur Vorherrschaft zu verhelfen – denn um Herrschaft geht es dabei. Dem muss entschieden entgegengetreten werden.

Ebenso muss dem immer noch und immer wieder bemühten Eindruck begegnet werden, als handle es sich bei den „Osterereignissen“ der christlichen Religion um historische Tatsachen. Die historisch-kritische Erforschung der Bibel seit dem 18. Jahrhundert und ihre durchaus kritische Aneignung in der wissenschaftlichen Theologie der Neuzeit bis in unsere Tage hinein hat erbracht, dass die Schriften der Bibel eben nicht als „Tatsachenberichte“, sondern als Glaubensverkündigung gelesen sein wollen. Einigen der in den neutestatemtlichen Schriften geschilderten „Ereignisse“ mag jeweils ein historischer Kern oder besser Anlass zugrunde liegen, den herauszuarbeiten durchaus schwierig und oft strittig ist. Die Glaubensgeschichte selber aber hat und braucht keinerlei Anhalt an historischer Tatsächlichkeit, bestenfalls deutet und interpretiert sie „Geschichte“, d.h. bestimmte historische Geschehnisse.

Die Vermischung von Glaubensgeschichte und historischer Tatsächlichkeit führt zu solch merkwürdigen Nachrichten-Meldungen und Kommentaren, wie wir sie immer an den christlichen Feiertagen erleben. Unerlaubte Grenzüberschreitungen sind es, die nur eine Grunderkenntnis verwischen, dass nämlich Glaubensinhalte und historische Ereignisse zwei ganz verschiedene Dinge in zwei ganz unterschiedlichen Bereichen der Wirklichkeit sind. Es sollte inzwischen auch in den Redaktionen von Zeitungen, Radio und Fernsehen zum Allgemeinwissen gehören, dass die christliche „Passionsgeschichte“ nur eine besondere Art religiöser Legende ist. Über ihren Sinn mag man trefflich streiten und sich darüber austauschen. Tatsächlichkeit zu behaupten ist Unfug. Allenfalls das reine Dass des gewaltsamen Todes eines gewissen Jeshua kann als historisch einigermaßen gesichert gelten, alles weitere ist religiöse Deutung und dogmatisches Interpretament. In Sachen „Schöpfungslehre“ und Evolution ist die missbräuchliche Grenzüberschreitung und Kategorienvermischung mindestens ebenso deutlich und verhängnisvoll; dies wird durch den Trick der Rede vom „intelligent design“ nur bewusst verschleiert. Aber das ist ein anderes Thema.

Es wäre schon viel gewonnen, wenn man sich in den öffentlichen Medien zu Ostern einer klaren begrifflichen weil sachlichen Trennung bewusst wäre. Man würde dann nicht mehr so naiv einer Historisierung von Glaubensinhalten Vorschub leisten. Denn das ist nur Volksverdummung, die leider die Kirchen im Interesse der Vorherrschaft ihres Weltbildes immer wieder betreiben.

 6. April 2012  Posted by at 12:25 Aufklärung, Dummheit, Fundamentalismus, Geschichte, Kirchen, Nachrichten, Neuzeit, Papst, Religionskritik, Vatikan Tagged with: , ,  Kommentare deaktiviert für Arroganz der Religion
Mrz 282012
 

Katholische Kirche aktuell – da fällt mir nichts mehr zu ein. Mein voriger Post war noch untertrieben und zu harmlos. Es fehlt mir einfach die Phantasie um vorzustellen, wozu die reaktionäre Papst-Mafia fähig ist.

Pädophile im Bistum Trier

Kinderschänder feiert Messe mit Kindern

Die Kirche beschäftigt einen wegen sexueller Übergriffe auf Kinder vorbestraften Priester nicht nur weiterhin, sie lässt ihn sogar Gottesdienste mit Kindern feiern. Als dies bekannt wird, erklärt das Bistum, man habe nicht gewusst, dass Kinder kommen würden.

Hier der ganze Artikel: n-tv Ganz klar, das ist kein Zufall, das hat System. Systemisch pervers und krank. OK.

 28. März 2012  Posted by at 21:04 Papst, Rom Katholisch Tagged with: ,  Kommentare deaktiviert für Kindermesse mit Kinderschänder