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>Fröhliche Zeiten

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Man fasst es nicht: Der Papst und seine Vatikan-Berater wollen von den merkwürdigen Auffassungen der vier „traditionalistischen“, will sagen bekanntermaßen ultrakonservativen bis  reaktionären Bischöfe aus dem Dunstkreis Lefebvres nichts gewusst haben. Die hätten sich wohl damals nach dem II. Vaticanum „nur mal so“, weil ihnen die lateinische Messe so gut gefiel, aus der Mutterkirche verabschiedet. Von der engen Verquickung Lefebvres zum Beispiel mit der argentischen Militär-Junta hat man nichts mitgekriegt? Äußerungen von „Bischof“ Williamson und seinen Kumpanen, die Judenvernichtung habe es nie gegeben, hat man überhaupt nicht gekannt? Nachgefragt hat im Vatikan, der doch sonst so gut informiert ist, auch keiner? Was tun die da denn eigentlich, außer Messen zu zelebrieren? Nach dem gut katholischen Motto: Wer (s) glaubt, wird selig.

Dann Davos. Ach ja! Erdogan, wärst du nur sitzen geblieben. Aber so ist er aus dem Saal und der Live-Übertragung herausgestürmt wie ein wütender Pennäler. Was hat er denn von einer Diskussion mit Schimon Peres erwartet? Dass er die israelische Militäraktion gegen die Hamas als Missverständnis bedauert? Machen das die Diplomaten nicht so, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? Nein, Erdogan rennt wutentbrannt und schimpfend aus dem Saal. Starker Auftritt – nein, Abgang… (Und die Türken feiern!)
Dann war da noch die Finanzkrise, die Weltwirtschaftskrise. Weil die Banker das alles so toll gemanaged haben, müssen sie am Ende doch belohnt werden! Nicht nur in den USA haben sie wieder Rekord-Boni eingefahren. Der Staat leistet Milliarden Unterstützung für notleidende Banken und gibt Garantien in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar und Euro ab, und die Herren und Damen Banker streichen in aller Seelenruhe ihre Boni (das sind Extravergütungen im Erfolgsfall!) ein: allein in den USA mehr als 18 Milliarden Dollar zum Jahresende 2008. Wenigstens Obama tobt

Was gibt es noch? Generalstreik in Frankreich; alle Räder stehen still, weil der vereinte Arm der Gewerkschaften es will. Sarkozy muss schon viel leiden, der Arme. Bisher machte es so viel Spaß, Präsident zu spielen! Er mault und zieht sich schmollend in die Ecke zurück: „Frankreich ist nicht das einfachste Land, zu regieren“, sagte er, „es ist ein eruptives Land.“ Aha. Aus dem präsidialen Schmollwinkel. Aber irgendwie echt Sarkozy…
 „Mein Besuch in Deutschland bereitet mir wirklich eine gute Laune“, meinte gestern zu alledem der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao. Kann man gut verstehe bei solchen Nachrichten aus einer verrückten Welt!

Manchmal sind die Nachrichten eines Tages Realsatire pur. Ach, was sag ich: Das Leben ist knackiger als alle Satire…

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