Sep 042011
 

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„Die Eliten müssten die von ihnen selbst propagierte Weltanschauung radikal in Frage stellen… “ „Den hartnäckigsten Widerstand gegen ein Verlernen leisten die wirtschaftswissenschaftlichen Eliten, schließlich haben sie das marktreligiöse Weltbild mit in langer Arbeit restauriert.“ „Die besonders von Deutschland geforderte Politik auf den Punkt gebracht: „Die Regierung nimmt es für sich als Erfolg in Anspruch, dass sie rechtzeitig und als erste im Kreise der großen Nationen mit entscheidenden Sparmaßnahmen in den öffentlichen Ausgaben begonnen hat“. Und der Finanzminister fügt hinzu: „Die Dinge liegen an sich eher einfach: Der oberste Grundsatz für die Finanzpolitik jedes Staates ist der, dass nicht mehr ausgegeben werden kann als eingenommen wird“. Dies erklärten nicht Merkel und Schäuble, sondern Reichkanzler Brüning und der preußische Finanzminister Klepper im Jahr 1931.“ „Tatsächlich ist die Vorstellungwelt der Brüning’schen Sparpolitik, der „Schwäbischen Hausfrau“ und der Schuldenbremse ident. Das Eingebunden-Sein der Staatsfinanzen in die Dynamik der Gesamtwirtschaft war in 40 Jahren Restaurationsarbeit am „Laissez-faire-Modell“ langsam vergessen worden. Die große Krise bestätigt die systemischen Hauptursachen der Schuldendynamik, die Finanzspekulation, die (deshalb) manisch-depressiven Schwankungen der Vermögenspreise und die Ausweitung des Zins-Wachstums-Differentials: Zwischen 2003 und 2007 bauen drei Bullenmärkte (Aktien, Immobilien, Rohstoffe) ein enormes Absturzpotential auf. Dieses wird 2007 zunächst für Immobilien aktiviert, danach für Aktien und die Rohstoffpreise: Ab Sommer 2008 werden die drei wichtigsten Vermögensarten gleichzeitig entwertet (erstmals seit 1929). Die Unternehmen und Haushalte schränken ihre Nachfrage ein, das Staatsdefizit steigt. Zusätzlich werden enorme Finanzmittel werden zur Bankenrettung und Konjunkturstabilisierung aufgewendet (kurzfristig wurde das Langzeitgedächtnis aktiviert).“ „Viertens: Verbot bzw. Einschränkung jener Praktiken der Finanzakrobaten, die erwiesenermaßen den Implosionsprozess beschleunigt haben wie etwa der exzessive Aufbau von „short positions“, insbesondere durch „naked CDS“. Fünftens: Einführung einer generellen Finanztransaktionssteuer in der EU oder auch nur im Euroraum. Diese dämpft die schnellen Spekulationen und würde den öffentlichen Haushalten erhebliche Erträge bringen. Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer realkapitalistischen „Spielanordnung“: Die Lernschwäche der Ökonomen.“

„Die Geister, welche sie vor 40 Jahren gerufen hatten, werden sie so schnell nicht los. Anders gesagt: Ärzte, deren Therapie Teil der Krankheit ist, verstärken lieber die Dosis.“

MEHR DAVON HIER IN DER FAZ ! Der kluge und schreibgewandte Autor: Stephan Schulmeister, Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO).

 4. September 2011  Posted by at 17:03 Euro, Europa, Schulden, Wirtschaft

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