Sep 252011
 

>Wie eine überaus passende Ergänzung zu meinem letzten Blog-Beitrag „Protestanten sind Protestanten“ erscheint mir der Artikel von Reinhard Bingener in der FAZ – soeben online verfügbar. Anders als Daniel Deckers begeisterte Zustimmung zum ‚heiligen‘ Benedikt in derselben Zeitung (online hier) durchweg aus katholischer Sicht zeichnet Bingener ein differenziertes Bild von Ratzingers Haltung, die ich voll und ganz teile. Dieser Papst weiß genau, was er tut, und er tut es gezielt und beharrlich: den ultrakonservativen Katholizismus stärken. Die Rücknahme der Exkommunikation des rassistischen Bischofs Williamson und die nachdrückliche Unterstützung der Pius-Bruderschaft waren kein dummer Zufall eines Unbedarften, wie oft vermutet, sondern offenkundig gezielte Strategie. Auch Ratzingers „Zurückhaltung“ gegenüber den Missbrauchs-Opfern entspricht seiner Auffassung einer in sich reinen und sündlosen römischen Kirche. Fehler gib ets nur vereinzelt und als Fehltritte einzelner, die nicht genug glauben und mit Rom „verbunden“ (= gehorsam) sind. Ratzingers Freiburger Rede lässt keinen Zweifel an seiner abgrundtiefen Verachtung für alles Neuzeitliche, Freie und Individuelle. Recht setzt nach ihm nur die römische Kirche; alles andere ist weltliches Unrecht, Beliebigkeit, Irrung und Wirrung. Da fügt sich sein Verhalten gegenüber der protestantischen Delegation nahtlos ein: es war ein glatter Affront, Und das passt in Ratzingers Welt- und Kirchenbild, wie Bingener schreibt:

„Und ähnlich wie seine Regensburger Rede konnte man auch seine Rede im Bundestag so lesen, dass es letztlich der Protestantismus ist, auf den die liberalen Verirrungen zurückgehen. Man mag das für unzutreffend oder eine Überschätzung des religiösen Moments halten. Aber es erklärt, warum der Papst im Verhältnis zu den evangelischen Kirchen nicht die Übereinstimmung, sondern die Abgrenzung sucht.“

Es ist wiederum kein Zufall, dass sich dieser Papst der ebenfalls autoritären östlichen Orthodoxie mit ihren mittelalterlichen Strukturen und Riten viel mehr verbunden weiß. Auch mit dem Islam kommt er ja gut klar, denn den „Gottesstaat“ , siehe Vatikan, und die Scharia, in seinem Fall der Corpus Iuris Canonici, das römische Kirchenrecht, beanspruchen beide die Regelung aller Lebensbereiche und die Ablehnung des „westlichen“ Liberalismus mit seiner „dekadenten“ Lebensweise. Da haben sich bei diesem Papst Seelenverwandtschaften aufgetan, die einen nur erschrecken lassen. Man kann darum heute zugespitzt formulieren: Islamismus und Katholizismus sind strukturell derselbe religiöse Fundamentalismus!

 25. September 2011  Posted by at 17:42 Fundamentalismus, Islamismus, Papst, Protestantismus, Rom Katholisch

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