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Vögel werden unterschätzt. Es ist noch kaum ins allgemeinde Bewusstsein gelangt, dass unsere heutigen Vögel eine sehr alte Stammeslinie haben, die auf die Reptilien und Saurier der Kreidezeit zurückgeht und darüber hinaus reicht. Statt „Jurassic Park“ sollte man also besser unsere Vogelwelt studieren. Sie repräsentieren eine Entwicklung, die von der der Säuger ganz verschieden ist. Das zeigte sich auch in der lange Zeit verbreiteten Fehldeutung des Vogelhirns. Man  verglich es mit dem Hirn der hochentwickelten Säuger, fand keinen Neocortex und hielt Vögel damit für dumm und unterentwickelt. Das Vogelhirn aber ist anders strukturiert. Inzwischen weiß man auch einen großen Teil des Vogelhirns besser zu deuten, der offenbar eine Vielzahl derjenigen Funktionen übernommen hat, die bei uns Primaten der Neocortex, die Großhirnrinde, erfüllt. Eine neue Interpretation der Funktionen des Gehirns der Vögel lässt den Schluss zu, dass Vögel zu weit höheren Intelligenzleistungen fähig sind als bisher geglaubt.

Die Anlage dazu findet sich seit neuesten Forschungen schon bei einem Vorläufer unserer Vögel, dem Archaeopteryx. Zwei kleine Wülste (Eminentia sagittalis) seines Verwandten, des Odontopteryx, lassen eine erweiterte Sinnes- und Hirnleistung vermuten, die es diesem Vorläufer der heutigen Vögel ermöglichte, das große Sterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren zu überleben. So angepasst konnten sich aus diesem Vogeltyp eine Vielzahl (60 %) unserer heutigen Vögel entwickeln. Sperlinge und Rabenvögel haben dabei die ausgeprägtesten Hirnwülste – und die verblüffendsten Intelligenzleistungen.
Diese Forschungsergebnisse dürfen ruhig als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Evolution noch immer Überraschungen bereit hält – und dass wir „Menschentiere“ uns nur nicht zu viel einbilden sollten…
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