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Amok Gewalt Winnenden

>Leider menschlich

>Trauer, Ohnmacht, Fassungslsoigkeit – Reaktionen auf den Amoklauf von Winnenden. Entsetzen, Ohnmacht, Fassungslosigkeit über eine Flut medialer Reaktionen: wer alles schuld sei (Lehrer, Eltern, Computerspiele, offener Waffenschrank), was man alles machen und verschärfen müsse (elektronische Einlasskontrollen an Schulen, schärfere Gesetze), warum das nicht habe verhindert werden können (fehlende Schulpsychologen, unvorbereitete Lehrer, tumbe Eltern). Erschreckend, diese wohlfeilen „Erklärungen“ und Ratschläge. Die Spitze schießt Stefan Dietrich im Leitartikel der heutigen FAZ ab. Sein letzter Satz als Fazit: „Lehrer, Eltern und Schüler werden lernen müssen, gefährliche Einzelgänger zu identifizieren, bevor sie zu Mördern werden.“ Lerne: Einzelgänger können gefährlich sein. Jeder Einzelgänger ein potentieller Mörder. Einzelgänger müssen sofort erkannt und behandelt werden. Das Erziehungspersonal muss Einzelgängertum als etwas zu vermeidendes erkennen. Es trägt den Samen der Gewalt in sich.

Mir wird schlecht von so viel Gedankenlosigkeit, Dummheit. Man sollte auch als bekannter Redakteur lieber schweigen, als solchen Unfug zu verzapfen. Es zeigt die mediale Hysterie, die regelmäßig nach ungeheurlichen Untaten ausbricht. Betroffenheit und Fassungslosigkeit der Angehörigen und der traumatisierten Helfer sind menschlich. Aber es ist leider auch allzu menschlich, dass es Untaten und Unglücke gibt, für die wir keine Erklärung haben. Sie geschehen, weil wir nur Menschen sind, oft genug mit unfassbaren Abgründen, und sie lassen sich nicht verhindern. Das einzugestehen, dass wir hier machtlos sind, dass es eine Grenze des Machbaren und Vermeidbaren gibt, das ist offenbar ein sehr schwerer Schritt. 
Alles tun, was möglich ist – und doch werden wir das unerklärlich Schreckliche solcher Taten nicht verhindern können. Weil wir nur Menschen sind, wird es auch „Winnenden“ wieder geben. Furchtbar, aber wahr.