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Amok Gewalt Mensch Natur Winnenden

>Gewalt – Mensch – Natur

>Gewalt gehört zur Natur des Menschen.
In der Natur, wie wir sie kennen, gibt es Gewalt.
Der Mensch ist und bleibt ein Stück Natur.
Darum gehört Gewalt auch zur Natur des Menschen.

Wenn Sozialingenieure oder Moralapostel Gewalt und Aggressionen aus dem menschlichen Leben wegschaffen wollen, versuchen sie den Menschen abzuschaffen, wie er ist. Es bleibt ein hoffnungsloses Unterfangen. Oft genug hat in der Geschichte der Menschheit der Versuch, einen „neuen Menschen“ zu schaffen, zu noch größeren Gewalttaten geführt. Gewalt im menschlichen Leben gilt es zu akzeptieren und zu kultivieren: Kultur allein kann Gewalt und Aggression in Schranken weisen. Kultur ist es, Bildung und Erziehung, die aus dem gewalttätigen Naturwesen ein reflektierendes soziales Wesen macht. Es kommt also auf den rechten Umgang mit der je eigenen Gewaltfähigkeit und Gewalttätigkeit an. Verdrängen hat selten geholfen; Computerspiele zum Beispiel als Ventile für Phantasien aber schon.

Der erste Schritt zur Abschaffung eines kritisierten Menschenbildes ist es, Individuen zu verunglimpfen und den gesellschaftlichen Durchschnittsmenschen zum Maßstab aller Dinge zu machen. Der Inidividualist, der Einzelgänger und bisweilen Sonderling ist aber mitnichten ein gesellschaftlicher Unfall, sondern ein Mensch auf einem besonders anspruchsvollen Weg, sein Menschsein zu finden und zu entfalten. Die Gesellschaft lebt in aller Regel von den bisher ungedachten und nonkonformen Gedanken und Ideen einzelner. Darum ist der Wert individueller Freiheit auch nicht hoch genug einzuschätzen.

Hilflos und bedauernswert sind nur diejenigen, die jetzt nach neuen Maßnahmen und Gesetzen schreien, die das verhindern wollen, was nicht zu verhindern ist, es sei denn um den Preis der Menschlichkeit. Zur Menschlichkeit gehört Endlichkeit, Begrenztheit, Natürlichkeit. Nur Hybris kann mehr vorgaukeln.

P.S.: Den einzigen lesenswerten Kommentar zu Winnenden habe ich in der NZZ gelesen. Leider ist er nicht online frei zugänglich. Ich zitiere darum aus dem Pressespiegel der heutigen FAZ: „Die „Neue Zürcher Zeitung“ äußert dazu: „Auch noch so umfassende Regularien vermögen solche Bluttaten nicht zu verhindern. Wer so tut, als könne die Politik einen wirksamen Schutz aufrichten, führt die Öffentlichkeit ebenso in die Irre wie jene, die behaupten, spektakuläre Verbrechen ließen sich mit dem Nationalcharakter erklären. Amokläufe wie in Winnenden oder gleichentags in Alabama zeigen nur, wozu Menschen selbst im tiefen Frieden und im vermeintlich schützenden Kokon der Zivilisation fähig sind. Auch in der modernen Welt, die tief durchdrungen ist von ihrem Glauben an die rationale Steuerbarkeit des Lebens, bricht immer wieder irrationale Gewalt – oder anders formuliert: das Böse – durch.““