Apr 192014
 

[Gesellschaft]

Zu einem Blogbeitrag von Klaus Kusanowski, Öffentlichkeit als Hoffnungsinstanz sowie nach einem Twitter-Geplänkel zum Thema öffentliche Meinung

  1. Die Bestreitung von „Öffentlichkeit“ bzw. öffentlicher Meinung“ ist eine steile, aber verfehlte These. Die Entgegnung, „dass jeder Nutzer zu jedem Zeitpunkt anderes wahrnimmt“, „öffentliche Meinung … überall sehr individuell ausfällt“ und daher (!?) „Öffentlichkeit den Status einer Imagination“ habe, ist entweder trivial oder sie schließt einseitig an die verbreitete These der „filter bubble“ an und spitzt sie individualistisch zu. Nicht „Öffentlichkeit“ ist ein Phantasieprodukt („Imagination“), vielmehr ist das uninformierte, subjektiv wahrnehmende und meinende Individuum eine Abstraktion.
  2. Öffentliche Meinung ist fassbar und quantifizierbar. Kurz gesagt ist es der gewichtete Querschnitt aus Themen, Nachrichten und Kommentaren bezogen auf Reichweite, Auflagenstärke (print) bzw. Nutzerzahlen. Dabei sind unterschiedliche Medien (traditionelle und online, also Portale, Blogs, Social media) entsprechend der quantifizierten Verbreitung in jeweils unterschiedlichen Bevölkerungs- / Altersgruppen relevant.
  3. Meinungsumfragen dokumentieren zu einem bestimmten Zeitpunkt quantifiziert und qualifiziert die Wirksamkeit der öffentlichen Meinung (Momentaufnahme) zu bestimmten Themen.
  4. Die sog „Filterblase“ bzw. der jeweils subjektive Blickwinkel und die eigenen Meinungsvorlieben werden durch die Äußerungen in der Öffentlichkeit nivelliert und rückgekoppelt. Die kontinuierliche Rückkopplung von Wahrnehmung anderer / öffentlicher Meinung und Bildung der eigenen individuellen Meinung kann als ein nichtlinearer Prozess in Netzwerken (nicht nur digitalen) beschrieben werden.
  5. Das Internet (Soc. Media, Foren, Kommentare) macht Interaktion leichter und schneller, verbessert aber nicht unbedingt Kommunikation [eigenes Thema]. Im Übrigen ergänzen / ersetzen soziale Medien die früheren Stammtische (gibt’s kaum noch) und Marktgespräche. Vielfach geschieht informeller Meinungsaustausch am Rande von Vereinsaktivitäten. (Das zu untersuchen wäre ein lohnendes Projekt.)
  6. Wie sehr die These der subjektiven Filterblase bzw. subjektiven Wahrnehmung zu korrigieren ist, beweist die neue Untersuchung von Matthew Gentzkow, Ökonom an der Universität Chicago, siehe FAZ-Blog von Patrick Bernau  [Hab ich extra bestellt … 😉 ]
Many people, flicke

Menschenmenge, by TheBigTouffe, flickr

 19. April 2014  Posted by at 11:16 Gesellschaft, Netzkultur Tagged with: , ,

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