In einem Podcast bzw. dem Bericht darüber in den Funke Medien Berlin vom 01.01.2026 erklärt Boris Palmer
Palmer besteht darauf, das N-Wort weiter zu verwenden. „Ich finde es problematisch, dass wir dieses Benutzen einzelner Worte moralisieren. Das macht Leute kirre, das treibt sie zur AfD, das macht sie wütend“, sagte er in dem Podcast. Es gebe keinen Grund, einzelne Wörter zu tilgen. „Und schon gar nicht zu behaupten, dieses eine einzige Wort – über das wir jetzt natürlich nicht reden – sei schlimmer als Hitler oder Holocaust. Warum denn eigentlich? Da sagen wir doch auch nicht H-Wort. Das ist absurd.“
https://www.wp.de/politik/article410699973/boris-palmer-ich-kann-jetzt-dinge-sagen-ohne-dass-jemand-ueber-mich-herfaellt.html
Klingt gut und liberal, ist es aber nicht. Es geht nicht um ein Verbot von einzelnen Wörtern, sondern um Respekt, Respekt gegenüber einzelnen Menschen, Respekt gegenüber bestimmten Gruppen. Wenn ich dunkelhäutige Menschen pauschal als „Neger“ bezeichne, verhalte ich mich extrem respektlos, geringschätzend und verachtend. Das „N-Wort“ selbst mag in speziellen Kontexten ironisch oder satirisch gebraucht werden, aber in einem offenen, respektvollen Gespräch zwischen Menschen über Menschen, also miteinander übereinander, sollte es klar sein, welche Bedeutung und Geringschätzung dieses Wort ausdrückt. Es ist eben sehr viel stärker von Vorurteilen belastet als meinetwegen „Spaghettifresser“ oder „krauts“: bei Letzteren weiß jeder, dass es überzeichnete Übertreibungen sind, – auch nicht gerade freundlich, aber doch umgangssprachlich zur Not hinnehmbar, wenn es mit einem Augenzwinkern geschieht. „Neger“ dagegen ist ein gezieltes und bewusstes Verächtlichmachen einer nahezu unbegrenzten Menschengruppe aufgrund ihrer angeblichen Hautfarbe. Wer sich durch Aufklärung über diesen schamlosen Gebrauch einer Herabwürdigung „kirre“ machen lässt, der hat offensichtlich mit seiner Selbsteinschätzung und seinen Wertvorstellungen ein erhebliches Problem. Dies sollte auch Palmer nicht ignorieren oder klein reden, womöglich um angeblich größerer Volksnähe willen. Wenn solche Volksnähe einem bewussten oder unbewussten Rassismus Vorschub leistet, ist sie politisch und moralisch unverantwortlich: Da wird nichts „moralisch aufgeladen“, das ist schlicht unmoralisch.
Zur Erinnerung:
Auf die Frage „Warum ist das Wort „Neger“ so belastet, antwortet Google KI richtigerweise so:
Das Wort „Neger“ ist historisch tief mit Rassismus, Kolonialismus und der Unterdrückung Schwarzer Menschen verbunden und gilt heute als eine schwere, menschenverachtende rassistische Beleidigung.
Hier sind die Hauptgründe für die starke Belastung des Begriffs:
- Historischer Kontext: Der Begriff leitet sich zwar ursprünglich vom lateinischen Wort niger für „schwarz“ ab, entwickelte aber im 18. Jahrhundert im Kontext von Kolonialismus, Sklaverei und der Entwicklung rassistischer „Rassentheorien“ eine zutiefst abwertende Bedeutung.
- Rechtfertigung von Unterdrückung: Das Wort wurde von weißen Kolonialherren verwendet, um Schwarze Menschen zu entmenschlichen (dehumanisieren) und als minderwertig, primitiv oder unrein darzustellen. Diese Abwertung diente der Rechtfertigung von Sklaverei und systematischer Unterdrückung.
- Verletzung und Trauma: Für Schwarze Menschen ist das Wort keine neutrale Beschreibung der Hautfarbe, sondern eine direkte Konfrontation mit diesen historischen und gegenwärtigen rassistischen Erfahrungen. Die Verwendung des Wortes bringt für Betroffene jedes Mal Trauma und Schmerz hoch.
- Abwertung durch Stereotype: Der Begriff ist untrennbar mit negativen Stereotypen verbunden, die Schwarze Menschen herabwürdigen. Er ist ein Symbol für rassistische Diskriminierung.
- Perspektive der Betroffenen: Die Entscheidung, ein Wort als rassistisch abzulehnen, liegt bei den Menschen, die direkt davon betroffen sind (People of Color/Schwarze Menschen). Für sie ist die diskriminierende Natur des Begriffs eine gelebte Realität und keine theoretische Debatte.
Aufgrund dieser historischen und sozialen Belastung wird der Begriff heute als „N-Wort“ umschrieben und seine Verwendung in den meisten Kontexten, insbesondere in den Medien und der Öffentlichkeit, strikt abgelehnt. Er gilt als Tabu und kann in Deutschland rechtliche Konsequenzen als Beleidigung nach sich ziehen.
Als Belegstellen werden genannt:
Erläuterung des historisch stark belasteten Begriffs Neger
GRA – Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus https://www.gra.ch › bildung › glossar › negerDas N-Wort stammt vom lateinischen Wort für «schwarz» (niger) ab und ist eine abwertende Bezeichnung für People of Colour.
„Warum sollte man das N-Wort nicht benutzen?“
Bundesprogramm „Demokratie leben!“ https://www.demokratie-leben.de › magazin › warum-sol…
Das Online-Magazin von „Demokratie leben!“ bietet vielfältige Einblicke in die Umsetzung des Bundesprogramms vor Ort.
Wieso das N-Wort nie die richtige Bezeichnung für …
Verfassungsblog https://verfassungsblog.de › wieso-das-n-wort-nie-die-ri…
20.07.2020 — Die Verwendung des Wortes perpetuiert diese Vorstellung über Schwarze Menschen noch heute. Zu behaupten, es handle sich um eine neutrale …
Neger – Wikipedia
Wikipedia https://de.wikipedia.org › wiki › Neger
Neger (entlehnt über französisch nègre und spanisch negro, „Schwarzer“, von lateinisch niger „schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig“) ist eine im 17. Jahrhundert …
Letztlich drückt sich in dem Wort „Neger“ ein andauerndes Überlegenheitsgefühl der sogenannten „Weißen“ aus, wie es latent verbreitet vorhanden ist und als affirmative Ideologie im „White Supremacy-Konzept“ (USA) öffentlich zum Ausdruck kommt – und als politischer Anspruch formuliert wird. Rassismus ist nicht gestrig, sondern hoch aktuell. Dass die derzeitige US-Regierung Rechte beschneidet und Gesetze aufhebt, welche die andauernde soziale und ökonomische Benachteiligung nicht-weißer gesellschaftlicher Gruppen in den USA zu mildern bzw. auszugleichen suchten, muss man wohl als eindeutig rassistisch einordnen. Die Begründung, „Weiße“ seien dadurch ständig benachteiligt worden und diese ‚Benachteiligung‘ müsse aufhören, ist eine geradezu zynische Umkehrung der gesellschaftlichen und ideologischen Verhältnisse. Rechtsextreme Bewegungen und Parteien hierzulande und in Europa insgesamt übernehmen diese ‚Argumente‘ zum Beispiel dann, wenn ausdrücklich ‚Bio-Deutsche‘ (entsprechend -Franzosen, -Österreicher usw.) zu bevorrechtigten oder gar zu einzig berechtigten Staatsbürgern erklärt werden. Dass es nur ‚Weiße‘ sein können, wird dabei vorausgesetzt. Übrigens wird dabei der Begriff „Weiße“ natürlich auch rassistisch überhöht und ideologisch bevorzugt in Anspruch genommen.
Palmer hat insofern recht, als nicht alles, was eine oftmals tatsächlich moralisch aufgeladene öffentliche Diskussion für nicht mehr tragbar hält, darum auch automatisch nicht mehr sagbar ist. Das sind Einseitigkeiten und Übertreibungen, die eine Minderheit derer, die sich alleine für ‚aufgeklärt‘ halten, der öffentlichen Diskussion aufdrücken und vorschreiben möchte. Alles und jedes Gesagte zu problematisieren (gender *) und auf Sagbarkeit zu überprüfen, macht tatsächlich „kirre“ und führt zu Protest. Vieles von dem, was von manchen sprachlich als störend empfunden wird, ist eben doch eine Ermessensache. Zudem gibt es Unterschiede zwischen dem, was öffentlich und offiziell gesagt und formuliert wird und dem, was im alltäglichen Umfeld privat oder halböffentlich (Kneipe) geäußert wird. Hier zu unterscheiden, ist immer wieder eine schwierige Aufgabe, die sich im Zeitverlauf auch noch fortwährend ändert. Politiker tun gut daran, in ihrem Reden „dem Volk aufs Maul zu schauen“ (Martin Luther), ohne zugleich dem „Volk“ (?) in der Öffentlichkeit nach dem Munde zu reden. Öffentliches Reden einer Politikerin muss anderen Bewertungen unterliegen als das, was Rede- und Gedankenfreiheit einem jedem Bürger und einer jeden Bürgerin zubilligt.
So viel Differenzierung sollte auch Herr Palmer können…
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