Mai 132010
 

>Spekulanten führten einen „Krieg gegen den Euro“ hört man, doch wer sind diese „Spekulanten“? Spekulanten haben nur eine Chance, wenn Staaten, Wirtschafts- und Währungsräume dafür eine Angriffsfläche bieten, liest man. Überschuldung und Wirtschaftsprobleme hätten den Euro angreifbar gemacht. Klingt plausibel, ist es aber nicht.

Thema Verschuldung: Die Staatsschuld Deutschlands beträgt 1.600 Milliarden Euro. Das sind 19.700 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Die Schuldenstandsquote betrug 2009  73,2 % vom BIP, die Defizitquote betrug 3,3 %; in diesem Jahr werden eine Schuldenstandsquote von 76 % vom BIP und 5 % Defizit erwartet. Für den Euro-Raum beträgt die Schuldenstandsquote 78,7 % bei einem Defizit von 6,3 % (letzte Zahlen von 2009).

Der Schuldenstand der USA 2009  betrug 8.290 Milliarden Euro, das sind pro Kopf ca. 27.000 Euro. Die Schuldenstandsquote beträgt 82,9 % vom BIP. Dass die USA einige Wirtschaftsprobleme und strukturell ein Außenhandeldefizit haben und von den Hauptgläubigern China und Japan leben, ist auch allgemein bekannt. Demnach müsste die „Spekulation“ eigentlich eher gegen den Dollar als gegen den Euro laufen.

Aber mit den realen Zahlen und Wirtschaftsverhältnissen hat die derzeitige Verunsicherung bezüglich des Euro wohl wenig zu tun. Wenn es wirklich ein Finanz- und Wirtschaftskrieg ist, der gegen den Euroraum geführt wird, dahinter stecken dann aber gewiss nicht die ominösen „Spekulanten“ (jeder, der Aktien als Geldanlage wählt, ist streng genommen ein Spekulant), sondern Kräfte und Mächte, die ein Interesse daran haben, den Euro zu schwächen, Europa wirtschaftlich anzugreifen und die weltwirtschaftlichen Verhältnisse zu destabilisieren. Es wird in der Tat ein Krieg gegen den Euro geführt – nur wer hat ein Interesse daran und wer wird Nutznießer sein?

 13. Mai 2010  Posted by at 16:00 Euro, Europa, USA, Wirtschaft

Sorry, the comment form is closed at this time.