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Aufklärung Hexenwahn

>Mobilfunk – Hexereien

>Über die „Strahlung“ von Handys und Mobilfunk-Sendeanlagen tobt an manchen Orten gerne ein Streit, der zur Weltanschauung aufgeladen und quasi religiös fanatisiert erscheint. Mit den wirklichen physikalischen Gegebenheiten hat das Ganze kaum etwas zu tun. Allein das Wort „Strahlen“ reicht schon, etwas Geheimnisvolles, Unsichtbares und darum Mystisch-Gefährliches zu unterstellen. Mit „Strahlen“ können ja nur Todesstrahlen gemeint sein. Wie beim Hexenwahn vor Zeiten glauben manchen Zeitgenossen (es ist eine kleine, aber lautstarke und bisweilen radikale Minderheit), dunkle Mächte („die Industrie“) wollten uns mit ihren Strahlen vergiften, unsere Kinder krank machen und darüber eine boshafte Freude empfinden. Es hilft nicht darauf hinzuweisen, dass die festgesetzten Grenzwerte bei Sendeanlagen überall weit unterschritten werden; die gewisse Willkürlichkeit eines jeden Grenzwertes wird noch zum Gegenargument gewendet. Die Mobilfunkgeräte tragen SAR-Kennziffern, so dass sich jeder das für ihn beste Handy aussuchen kann. Was solls, wenn der Wahn regiert, dass bisher noch keine Studie irgendeine Schädgung oder Gesundheitsgefährdung feststellen konnte, selbst Vieltelefonierer haben nichts zu befürchten. Wer will, kann sich umfassend und sachlich über Handy-Strahlung informieren und wird dabei nichts, aber auch gar nichts finden, was Anlass zu solchem Eifer gibt, mit dem Mobilfunkgegner ihre neue Hexenverfolgung betreiben. Es nützt auch kein Hinweis darauf, dass sich niemand über die Rundfunk-Sendemasten aufregt, obwohl diese eine erheblich höhere Erzeugung von elektro-magnetischen Wellen, also „Strahlung“, erzeugen können als alle Mobilfunksender in einem Stadtgebiet zusammen. Die Feldzüge gegen neue Mobilfunkmasten sind also nicht nur irrational, sondern auch noch sehr willkürlich; auch das haben sie mit dem seinerzeit urplötzlich auftretenden Hexenwahn gemeinsam. Man kann das also mehr oder weniger gelassen oder amüsiert betrachten, zumal wenn man in einer Region wie dem Allgäu lebt, in der dieser Strahlenwahn sehr beliebt ist und als legitimes Bürgeranliegen auch noch kommunalpolitisch gepflegt wird. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich benutze mein Handy recht selten und könnte auf Mobilfunk recht gut verzichten. Aber darum geht es ja gar nicht. Schaut man ins Straßenbild, wird hier genauso gerne und viel mit dem Handy telefoniert wie anderswo auch. Seis drum.

Was mich allerdings gelinde gesagt verwundert, – nein, eigentlich ärgert, ist, wenn ein bekannter Redakteur der hiesigen Lokalzeitung, Herr Januschke, zu dieser Volksverdummung auch noch ausdrücklich beiträgt. Vorgestern schrieb er in der Allgäuer Zeitung in einer Glosse dies: „Mobilfunk-Befürworter halten die Handystrahlung für harmlos, Gegner für gesundheitsschädlich. Jede Seite hält Gutachten der anderen für hingedreht und zweifelt die Ergebnisse an. Der Laie kann sich in diesem Streit um unbedenklich oder gefährlich schier kein klares Bild machen – und benutzt als gesunder Mensch das Handy, weil es bequem und komfortabel ist.“ Januschke unterstellt damit, dass die Positionen pro und contra gleichwertig sind und es offenbar für den „Laien“ keine sicheren Kriterien gibt; Wissenschaftlichkeit, Rationalität und Sachlichkeit zählen hier wohl nicht mehr. So wird die Mobilfunkfrage zur Weltanschauung, zur Glaubensfrage stilisiert, über die man nicht mehr rational diskutieren kann. Genauso argumentieren übrigens die us-amerikanischen „Kreationisten“, wenn sie gegen die unchristliche „Evolutionstheorie“ zu Felde ziehen; auch die „Graswurzel-Bewegung“ (siehe Tea-Party) benutzt gerne diese weltanschauliche Keule. Sarah Palin lässt grüßen. Statt den Volkstribun gegen die übermächtigen Konzerne zu mimen, sollte ein verantwortungsvoller Redakteur vielleicht einmal zu mehr Sachlichkeit und Aufklärung beitragen – wie wär’s damit, Herr Januschke?

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