Jul 112011
 

>Gegen das Wort „alternativlos“ in der politischen Diskussion ist eine Menge einzuwenden, aber hier passt es ausnahmsweise einmal wirklich: Die Kosten der EURO-Rettung oder besser: der Rettung und Abschirmung der überschuldeten EURO-Staaten ist alternativlos. Nicht die Euro-Rettung nenne ich alternativlos. Natürlich gibt es Alternativen: Man kann Griechenland, Portugal und vielleicht auch über kurz oder lang Italien Bankrott gehen lassen oder aus dem Euro-Raum ausschließen oder gar die Euro-Währung abschaffen oder auf wenige Kernländer (Deutschland – Frankreich – Benelux) beschränken. Das sind alles mögliche Alternativen; einige davon werden von Fachleuten durchaus vorgeschlagen. Alle diese Möglichkeiten des Handelns können finanzwirtschaftlich diskutiert und müssen letztlich politisch entschieden werden. Die Einführung des EURO war ebenfalls eine politische Entscheidung mit guten Gründen. Friedenserhaltung und Prosperität sind ja nicht eben unwichtige und wertlose Ziele. Dennoch: Politisch ist heute vieles möglich, nicht alles wünschenswert und manches sogar machbar. Eines aber ist bei allen Handlungsalternativen tatsächlich offenkundig alternativlos: die Kosten. Egal ob einzelne Länder „gerettet“ werden, ob der „Rettungsschirm“ auf 1,5 Billionen (!) Euro verdoppelt wird, wie die EZB jetzt fordert (und mit guten Gründen!), ob der EURO für einige oder alle beibehalten wird, egal auch wie man die Entschuldung der Schuldenstaaten hinkriegt und also egal wie man diese Schuldenkrise (das ist das richtige Wort) bewältigt; die Kosten werden enorm sein, und an den Kosten werden wir so oder so nicht vorbei kommen. Viel zu groß sind die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Verflechtungen der europäischen Staaten inzwischen geworden. De facto gibt es kein „opt-out“ aus den Kosten dieser wirtschaftlichen Entwicklung. Wer meint, sein Land käme alleine besser weiter, wird sehr schnell sehen, dass sein Ländle alleine gar nichts kann. Die Finanzmärkte sind dann sowieso noch ein eigener, bestimmender Faktor.

EZB besorgt

Es geht also nicht um das Ob, sondern einzig um das Wie der Krisenbewältigung, d.h. der Bewältigung dieser Schuldenkrise. Das Argument der Griechen, gerade Deutschland habe ihnen doch jahrelang all diese Käufe auf Kredit aufgeschwatzt, hat ja einige Plausibilität für sich und gilt auch vice versa für andere Länder der EU. Natürlich müssen dann die Kreditgeber beim drohenden Zahlungsausfall auch haften, so oder so. Und dies gilt für alle Euro-Länder, ja für alle Staaten der EU. Es dürfe „keine Transfer-Union geben„, wird politisch deklamiert. Lächerlich. Wir haben die Transfers jahrelang.teilweise jahrzehntelang, wirtschaftspolitisch gewollt und gefördert. Nun wird die Rechnung der Kosten dafür aufgemacht, und die Wechsel werden beglichen werden müssen, so oder so. Bedenklich ist dabei nur, das sich die Politik laut der Kritik der EZB viel zu zögerlich und damit letztlich weiter kostentreibend verhält. Denn es gilt: An den Kosten (und sei es durch Inflation) wird niemand vorbei kommen; sie sind diesmal wirklich – alternativlos.

 11. Juli 2011  Posted by at 07:53 Euro, Finanzkrise, Schulden

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