Jul 202011
 

>Ein von mir zum FAZ – Artikel von Frank Schirrmacher über die hölllische Krake Google („Achtung: Weltuntergang!“) eingereichter Leserkommentar im FAZ.NET – Leserportal wurde nicht veröffentlicht. Hier der Text:

„Leider purer Alarmismus, der sich da bei Schirrmacher bedeutungsschwer düster verbreitet. Altes Rezept: Internet einfach verbieten? So hat schon die katholische Kirche im Mittelalter auf das Wissen in Büchern reagiert: Bücher knapp halten, Lesen verhindern. Bis der Buchdruck und die Reformation kam. Und Schulen fürs Volk.
Trotz Schirrmachers düsteren Ahnungen: Das Internet bricht alte Wissensmonopole. Ebenso wichtig wie Google ist das Projekt Wikipedia. Beispielsweise. Oder Wikileaks. Es bricht auch die Meinungsmonopole von Zeitungsverlegern und Redakteuren. Ist es das, was Schirrmacher in Wahrheit Angst macht?“

Ergänzen könnte man noch, dass sich Schirrmacher alle Rettung vom Staat verspricht – welche ahnungslose Staatsgläubigkeit macht sich da unter der Decke höchster Internet-Allergie breit! Alex Kaehny kommentiert zu Recht:

„Ebenso fraglich wäre, ob das Ergebnis wirklich „besser“ wäre, weil es doch denselben Bewertungmaßstäben und Strategien folgt, wie das ihrer amerikanischen Konterparts. Gut, dann weiß eben ein europäischer Server, nach welchen Kriterien ich meine Freunde auswähle. Doch noch fraglicher finde ich die Annahme des Autors, dass ein europäisches Projekt/Produkt per se besser wäre, als ein amerikanisches, nur weil „wir“ es kontrollieren können. Dieses „wir“ gibt es nicht und meine Privatsphäre und mein Wissen oder Nichtwissen läge dann eben in den Händen deutscher oder französischer Interessen, aber nicht in meinen.“

Und Guillermo Accasuso ergänzt: „Man stelle sich vor Professor Doktor Wolfgang Stock und sein (derzeit gottseidank abgestelltes) Wiki-Watch installierten ein entsprechendes Suchmaschinen-Watch und all die Heerscharen von deutschen Medienanwälten und Abmahnern machten daraus etwas wie das deutsche Youtube, das mehr Zensurmeldungen generiert als Filmchen anbietet. Dann doch lieber eine Firma mit Sitz im liberalen Kalifornien!“

Ein anderer Leserkommentar ebenfalls zu einem Artikel von Schirrmacher wenige Tage vorher zum Thema „Revolution der Zeit“ (auch hier apokalyptische Warnung vor dem Moloch Internet und Google) wurde gekürzt: Die Schirrmacher-Kritik war verschwunden. Hier der volle Text:

„Ein sehr bedenkenswerter Artikel von Frank Schirrmacher, mir nur etwas zu bombastisch und bedeutungsschwer. Alle Veränderungen kommen schleichend, auch diese, die digitale. Was sich dann wirklich verändert an Haltungen, Denkweisen, Lebensvollzügen, zeigt nach und nach die Zeit, die egal ob digital oder analog festgehalten wird als je eigene Lebenszeit. Eigentlich ändert sich auch durch die „digitale Revolution“ nicht die Zeit, sondern unsere Vorstellung davon, so wie sie sich auch mit Flugreisen ändert. Denn wahr bleibt auch: Der Mensch in seiner Evolution ist äußerst langsam und geradezu träge, manchmal leider, manchmal zum Glück. Und zu Herrn Seibert: Ihr Protest hilft nichts; wir Menschen sind halt in gewisser Hinsicht nur eine Ansammlung von Informationen… !“

Schade dass FAZ.NET seine Leser und Kommentare meint zensieren zu müssen. Ist das die Pressefreiheit, die Schirrmacher meint?

 20. Juli 2011  Posted by at 06:46 Freiheit, Kritik, Presse

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